Nun vermittelt die Bundesregierung doch im Streit um die Karstadt-Mieten:  Bundesarbeitsministerin von der Leyen intensiviert ihre bisherigen Aktivitäten. Der italienische Kaufhausmogul Borletti kritisiert abermals das Rettungskonzept von Berggruen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sich in die festgefahrenen Karstadt-Verhandlungen als Vermittlerin eingeschaltet. Die Unionspolitikerin spreche mit Vertretern der US-Investmentbank Goldman Sachs und der Deutschen Bank, um die Verhandlungen zwischen dem Immobilienkonsortium Highstreet und Karstadt-Investor Nicolas Berggruen voranzubringen.

Das berichtet die "Bild"-Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Die beiden Banken zählen - teilweise über Töchter - zum Gesellschafterkreis des Konsortiums. Das Highstreet-Konsortium ringt seit Wochen ergebnislos mit dem Karstadt-Investor Berggruen um Mietminderungen für die Warenhäuser.

Von der Leyen beschäftigt sich schon seit Monaten mit Karstadt. Die Gewerkschaft Verdi, Highstreet und Berggruen hätten den Austausch mit ihr gesucht, berichtete die Ministerin Ende Juni, als sie in Berlin verkündet hatte, die Rettung von Karstadt sei greifbar nahe.

Brüderle wollte nicht vermitteln

Doch das große Problem von damals ist auch heute nicht vom Tisch: Ohne eine Einigung zwischen Berggruen und Highstreet ist der Kaufvertrag unwirksam, und das Essener Amtsgericht kann den Insolvenzplan für den Warenhauskonzern mit 25.000 Beschäftigten nicht annehmen. Berggruen hatte bereits die Politik um Vermittlung gebeten, von  Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jedoch eine Abfuhr erhalten.

Ein weiterer Investor bei Highstreet, Maurizio Borletti, griff Berggruen in der "Bild"-Zeitung scharf an. "Ich glaube, Herr Berggruen will Karstadt aufteilen und stückweise verkaufen. Den Erlös von 250 bis 300 Millionen Euro will er einstecken, statt ihn wieder in die Warenhäuser zu investieren. Somit würde er das Drei- bis Vierfache seines Investments rausholen."

Borletti, dem rund 160 Kaufhäuser gehören, bezweifelt die Tragfähigkeit von Berggruens Rettungskonzept. "Bisher sind es doch Vermieter, Mitarbeiter und Lieferanten, die den Hauptbeitrag zur Sanierung leisten sollen. Und dann verweigert er immer noch eine Garantie, dass er den Konzern zumindest in den nächsten fünf Jahren zusammen halten will."

Der Italiener forderte von Berggruen Zugeständnisse. "Das liegt nicht in unserer Hand. Insgesamt verzichten wir auf deutlich mehr als 400 Millionen Euro an Mietzahlungen von Karstadt. Jetzt ist Herr Berggruen am Zug."

Borletti hatte schon vor Wochen in einem Brief an von der Leyen die Warenhauskompetenz von Berggruen bezweifelt. Die Ministerin sagte daraufhin: "Es ist nicht Aufgabe der Politik, Konzepte zu bewerten."

dpa, DH