Das Ringen um die Zukunft von Karstadt ist ein zäher Prozess, der vor über einem Jahr begonnen hat. Eine Chronologie der Ereignisse.

Die insolvente Warenhauskette Karstadt kämpft seit Monaten um das wirtschaftliche Überleben. Nach der Zerschlagung des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor entbrannte ein Bieterwettstreit um die Tochter Karstadt. Auch nach dem Zuschlag für den Privatinvestor Nicolas Berggruen geht die Zitterpartie für Karstadt weiter.

Und so verliefen die vergangenen 14 Monate:

9. Juni 2009: Die Insolvenzanträge für die Holding Arcandor und die Töchter Karstadt und Quelle werden gestellt.

1. September: Das Amtsgericht Essen eröffnet Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften, darunter die Karstadt Warenhaus GmbH. Insgesamt muss das Gericht über rund 40 Einzelanträge entscheiden.

10. November: Gläubiger geben ihr Einverständnis für den Verkauf von Karstadt an einen Investor. Dennoch stehen harte Einschnitte für die Beschäftigten bevor.

1. Dezember: Nach Angaben der Insolvenzverwaltung sollen zehn Karstadt-Standorte mit zum Teil mehreren Häusern geschlossen werden. Etwa 1.200 Mitarbeiter sind betroffen. Sechs Häuser sind bisher dichtgemacht worden.

15. März 2010: Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Insolvenzplan zu.

23. April: Als erster Interessent legt der Finanzinvestor Triton ein Angebot für Karstadt vor.

21. Mai: Es wird bekannt, dass die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Investmentgesellschaft Berggruen Holdings sämtliche Karstadt-Geschäftsaktivitäten übernehmen will.

28. Mai: Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt. Nach der Präsentation der drei Rettungskonzepte vertagt der Ausschuss die Entscheidung über einen Zuschlag auf den 7. Juni.

31. Mai: Das Amtsgericht Essen verschiebt einen Termin zur Annahme des Insolvenzplans auf den 10. Juni.

1. Juni: Nach monatelangen Gesprächen mit bundesweit 94 Kommunen über einen Verzicht auf Gewerbesteuer haben bis auf drei alle zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

3. Juni: Kurz vor der Entscheidung im Karstadt-Bieterrennen bekräftigt der Handelskonzern Metro sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.

7. Juni: Berggruen erhält von Gläubigerausschuss den Zuschlag für die Warenhauskette. Einen Tag später unterschreibt er den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom unterlegenen Mitbewerber Highstreet, dem etwa zwei Drittel der Karstadt-Immobilien gehören, deutliche Mietsenkungen.

10. Juni: Weil sich beide Seiten noch nicht geeinigt haben, vertagt das Essener Amtsgericht unter Hinweis auf fehlende Mietverträge seine Bestätigung des Insolvenzplan auf den 16. Juli.

14. Juni: Eine erste Verhandlungsrunde in London um die künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein neues Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro als nicht ausreichend ab.

16. Juli: Das Amtsgericht Essen vertagt seine Entscheidung zur Annahme des Insolvenzplans auf den 10. August.

28. Juli: Nach einem Treffen des Vermieterkonsortiums Highstreet heißt es, eine Einigung mit Berggruen sei "in greifbare Nähe" gerückt. Bislang haben aber noch nicht alle Beteiligten die Konditionen akzeptiert.

1. August: Ein Angebot des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti wird bekannt. Zusammen mit dem US-Investor Gordon Brothers will Borletti Karstadt für 100 Millionen Euro übernehmen. Der Insolvenzverwalter verweist aber auf den bestehenden Vertrag mit Berggruen.

10. August: Weil es noch immer keine abschließende Einigung über die von Nicolas Berggruen geforderten Mietsenkungen gibt, vertagt das Essener Amtsgericht seine Entscheidung zur Annahme des Insolvenzplans auf den 3. September.