„Showrooming“ ist für Buchhändler in den USA und Großbritannien zu einem enormen Problem geworden. Da es in diesen Ländern – im Gegensatz etwa zu Deutschland, Frankreich oder Österreich – keine Buchpreisbindung gibt, hauen sich seit Jahren die großen Filialisten, Online-Händler und Supermärkte die Dumpingpreise um die Ohren. Sehr zum Gefallen der Buchkäufer, mit verheerenden Aussichten allerdings für den unabhängigen stationären Buchhandel: In Großbritannien ist seit 2005 etwa die Hälfte aller Buchläden verschwunden, mehr als 600 Städte und Gemeinden im Königreich haben keine einzige Buchhandlung mehr.

Besonders Amazon hat sich mit seiner Preisvergleichs-App den Zorn der stationären Konkurrenz, nicht nur im Buchhandel, zugezogen: Es ist ein Leichtes, mit gezücktem Smartphone in einen Laden zu spazieren, die Barcodes zu scannen und innerhalb von Sekunden die Preisalternative des Versandhändlers angezeigt zu bekommen. Allerdings ist der Onlineriese aus Seattle nicht der einzige, der solche Instrumente anbietet: Pinterest mischt fröhlich mit, Ebay und andere lassen ihre Preise über RedLaser anzeigen. Das Publikum spielt gerne mit – nach Angaben des Marktforschers TNS, der 38.000 Menschen in 43 Ländern befragte, geht weltweit ein Drittel der Kunden „showrooming“; in den USA sind es 60 Prozent, in Europa 54 Prozent. Die Hälfte dieser Kunden nutzt dafür das Smartphone. Das hat Konsequenzen: Als Amazon 2012 mit einem eigenen Verlagsprogramm auf den Markt kam, da beantworteten die US-Buchhändler die Frage, ob sie diese Titel ins Sortiment nehmen würden, mit einem fröhlichen „Hell, No!“

Solche Reaktionen sind verständlich, sie bieten aber keine wirkliche Antwort auf die Frage, wie der Buchhandel mit dem Showrooming-Problem umzugehen hat. Die Lösung, die Victoria Barnsley vorschlug, ihres Zeichens kürzlich abgesägte britische Statthalterin des Murdoch-Buchverlags HarperCollins, erscheint wenig zielführend: Buchhändler sollten Eintritt nehmen für ihren Laden. Die buchhandelnden Ladies und Gentlemen im Königreich hüstelten höflich.

Hilfreicher ist da schon, was die Kollegen von Marketing Week vorschlagen: Showrooming sei nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance. Der Kunde an sich ist ja kein bösartiger Mensch, der aus niederen Beweggründen nach Schnäppchen sucht, vielmehr hat er möglicherweise Zweifel an der Preisgestaltung und Qualität des Angebots. Aber: Wenn die Kunden einmal im Laden sind, hat der Händler jede Möglichkeit, sie zum Kaufen bringen, mit Coupons, spezieller Beratung und Einladungen zu Veranstaltungen. Tatsächlich sind einige der Vorschläge, die Future Books aus dieser grundsätzlichen Feststellung entwickelt auch für die buchpreisgebundenen Händler hierzulande praktikabel und durch Hinzufügen eines QR-Codes recht einfach über den eigenen Webshop zu realisieren:

  • Wer Bücher nicht nach Hause schleppen will, kann sie über den Webshop der Buchhandlung bestellen und sich liefern lassen.
  • Wer über den Webshop der Buchhandlung kauft, bekommt „Loyalty Rewards“ –in Deutschland sind Zugaben zwar Grenzen gesetzt, aber wenigsten regelmäßige Informationen zu Themen, Autoren sowie Sonderaktionen und Einladungen sind problemlos möglich.
  • Wer über den Webshop seiner heimischen Buchhandlung kauft, bekommt Rabatte auf Non-Books im Sortiment. So etwas lässt sich auch mit den „Buy Local“-Aktionen der Sortimenter verbinden.

Grundsätzlich gilt: Wenn die Kunden in Sachen Technik aufrüsten, sollte dies auch der Händler tun. Das kostet Geld, deshalb tun sich Filialisten mit solchen Angeboten leichter. Allerdings haben sich in den meisten Ländern die unabhängigen Buchhändler bereits zu Einkaufsgemeinschaften und ähnlichen Kooperationen zusammengeschlossen; „Smart Shopping“-Angebote sind ein weiteres attraktives Synergie-Potential für diese Zusammenschlüsse. Die Tatsache, dass dadurch wertvolle Kundendaten gewonnen werden können, die für zukünftiges Marketing genutzt werden können, sollte besonders für die unabhängigen Händler Grund genung sein, die Investitionen zu tätigen.

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