Ein früherer Ladendetektiv berichtet von gezielter Mitarbeiterüberwachung bei Aldi Süd. Selbst im Privatleben des Discounter-Personals habe er ermitteln sollen. Das Unternehmen dementiert.

Aldi Süd soll nach "Spiegel"-Informationen Mitarbeiter mit fragwürdigen Methoden überwacht haben. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf Angaben des früheren Ladendetektivs Wolfgang Paul, der neben der üblichen Überwachung zur Vorbeugung von Kundendiebstählen auch gezielt Mitarbeiter habe kontrollieren müssen. Es seien auch versteckte Kameras eingesetzt worden.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Der Nachrichtenagentur dpa teilte eine Sprecherin schriftlich mit, dass Aldi Süd nur in notwendigen Ausnahmefällen Detektive einsetze, und dass dies nicht dem Bespitzeln von Mitarbeitern und Kunden, sondern der Aufdeckung von Straftaten diene.

Private Lebenslagen von Mitarbeitern erkunden

Dem Magazin schilderte der frühere Detektiv, welche Aufträge er bekommen haben soll. So soll eine Führungskraft von ihm verlangt haben, er möge über den Spinden in der Umkleidekabine mobile Miniaturkameras installieren. Als er abgelehnt habe, sei ihm gedroht worden, er werde alle Überwachungsaufträge verlieren.

Auch habe er über private Details Auskunft geben sollen, von denen er erfahreh habe - zum Beispiel im Hinblick auf die finanzielle Situation des Mitarbeiters.

In einer Stellungnahme betont Aldi Süd, eine Überwachung von Mitarbeitern im Hinblick auf deren Arbeitsleistung sei in den Rahmenverträgen für Detektiveinsätze ausdrücklich ausgeschlossen gewesen. Es habe keine Anweisung gegeben, Auffälligkeiten wie private Details zu melden.

Paul berichtete im "Spiegel" überdies davon, dass er auch auf Konkurrenten von Aldi angesetzt worden sei. So habe er von einem Manager des Discounters den Auftrag bekommen, bei einer Rewe-Filiale in Wangen im Allgäu Kunden zu zählen und zu notieren, was die Filiale des Kölner Lebensmittelkonzerns anders mache als Aldi.

Im Interview bei derhandel.de hatte Paul zuletzt davon gesprochen, dass er als Aldi-Detektiv lediglich 22 Euro pro Stunde Honorar bekommen habe. Zudem beklagte er, dass immer mehr unqualifiziertes Personal die Detektivarbeit verrrichten würde.

Aldi, Lidl - immer wieder

Im April vorigen Jahres wurde Aldi-Filialleitern vorgeworfen, sich einen Spaß draus gemacht zu haben, attraktive Kundinnen per Überwachungskameras zu filmen und die Aufnahmen per DVD untereinander auszutauschen.

2008 hatte Konkurrent Lidl für Schlagzeilen gesorgt, weil das Unternehmen Mitarbeiter mit versteckten Kameras überwacht hatte. Dieser und andere Skandale hatten daraufhin eine breite gesellschaftliche Diskussion ausgelöst. Anfang 2012 einigte sich die Regierungskoalition nach mehreren Anläufen auf einen Gesetzesvorschlag, der Arbeitnehmer besser vor der Bespitzelung durch ihre Chefs schützen soll.

Das Gesetz, das den Bundestag noch nicht passiert hat, war von Anfang an umstritten: Während die Gewerkschaften den vorgesehenen Schutz der Beschäftigten für nicht ausreichend hielten, sahen die Arbeitgeber ihre Möglichkeiten zur Kriminalitäts-Bekämpfung zu stark eingeschränkt.