Deutsche Händler reiben sich nicht nur wegen der Eiseskälte die Hände: Mit Schnee, Eis und Rabatten von bis zu 70 Prozent hat der Winterschlussverkauf nun begonnen.

Das Winterwetter komme gerade richtig, sagte der Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Hertel: "Vom Zeitpunkt her ein Volltreffer." Warme Jacken, Mützen oder Schals würden vor allem dann gekauft, wenn sie akut gebraucht würden. Andererseits schreckten die glatten Bürgersteige und Straßen aber auch viele Einkäufer vom Bummeln ab.

Besonders die Modehäuser wollen im Schlussverkauf in ihren Lagern Platz für die Frühjahrskollektionen schaffen. Experten erwarten die stärksten Preissenkungen bei warmer Kleidung, weil der anfangs milde Winter den Absatz gebremst hat. "Hier sind noch viele Schnäppchen zu machen", sagte Hertel. In diesem Jahr profitiere aber auch der Sporthandel besonders.

Rabatte schon vor der Schnäppchenzeit

Der zweiwöchige Winterschlussverkauf (WSV) ist seit dem Fall des Rabattgesetzes 2001 freiwillig. Die meisten Händler und viele Kunden orientieren sich weiter an der Schnäppchen-Zeit. Reduzierungen hatte es - vor allem in Großstädten - aber schon im Dezember gegeben.

Zwar hatten sich Kaufhäuser, Boutiquen und Sportfachhändler Minusgrade und Schneeflocken schon vor Weihnachten gewünscht. Mit 18,9 Grad plus in Freiburg und knapp 21 Grad in München war es an Heiligabend aber so warm in Deutschland wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das machte den Händlern bislang einen Strich durch die Rechnung, im Jahresendgeschäft klingelten die Kassen nicht so stark wie erwartet. Seit Wochen versuchen die Händler deshalb, mit Rabatten die Nachfrage anzuheizen.

Lager müssen geräumt werden

"Wir sind so wetterabhängig wie keine andere Branche", schildert Werner Haizmann, Präsident des Deutschen Sportfachhandels, die Lage. Auch die Bundesverbände des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) verweisen auf den warmen Winter, der das Geschäft vor allem im Oktober und November hemmte.

"Der lang ersehnte Wintereinbruch eröffnet endlich die Chance, aus den Lagerbeständen Umsatz zu machen", sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH).

Die Umsatzdelle aus der Vorweihnachtszeit sei im Weihnachtsgeschäft und den ersten Januarwochen nicht ausgeglichen worden, erklärt der BTE. "Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt", sagte Verbandssprecher Axel Augustin.

Die Kältewelle könne dafür sorgen, dass nicht nur die Schnäppchenjäger im WSV zugreifen, sondern auch viele Kunden einen aktuellen Bedarf an warmer Bekleidung sehen könnten. Hedde erwartet bei Wintermode auch die größten Preisnachlässe - weil die Ware raus muss.

Modehändler wollen Umsatzdelle ausgleichen

Erstmals seit 2008 verbuchte der deutsche Textileinzelhandel im gerade abgelaufenen Jahr einen Umsatzrückgang, wie die "Textilwirtschaft" berichtete. Die Branchenerlöse sind nach einer Umfrage der Fachzeitschrift 2012 um zwei Prozent geschrumpft.

Der BTE geht von einem kleinen einstelligen Umsatzminus für 2012 aus, um eine Katastrophe handele es sich nicht. Beim Abschneiden der einzelnen Unternehmen sei die Bandbreite groß: Es gebe Händler, die 2012 gewachsen seien oder vorsichtiger Ware geordert hätten.

Preisreduzierungen ziehen sich bei einigen Anbietern durch das ganze Jahr. Wichtig seien die großen Rabattaktionen aber gerade auch für kleinere Händler mit geringerem Warenumschlag.

Seit dem Fall des Rabattgesetzes 2001 können Händler auch außerhalb der Schlussverkäufe Rabatte gewähren. Und weil die Mode immer schneller wechselt, eine Kollektion der nächsten folgt, finden Verbraucher häufig Ständer mit reduzierter Ware.

Rabatte bei H&M, Karstadt & Co.

Der Rotstift kreist derzeit fast überall. Karstadt wirbt auf seiner Webseite mit Rabatten von bis zu 70 Prozent quer durchs Sortiment. Bettwäsche, Digitalkameras, Sportbekleidung gibt es zum Schnäppchenpreis. Auch die schwedische Textilkette H&M hatte bereits im Dezember die Preise kräftig gesenkt.

Bei der Douglas-Tochter AppelrathCüpper bewegen sich die Preisnachlässe zwischen 40 und 50 Prozent. Am Ende des Schlussverkaufs seien bis zu 70 Prozent drin, wie es bei anderen Händlern ebenfalls üblich ist. Der Schlussverkauf habe allerdings nicht mehr die Bedeutung früherer Jahrzehnte, sagte eine Sprecherin der Douglas-Holding.