Der Online-Handel stellt mal wieder Rekorde auf: Mehr als 31 Millionen Deutsche kaufen mittlerweile im Netz ein und bescheren der Branche zweistellige Zuwachsraten.

Die Finanzmarktkrise scheint die Deutschen Internetshopper nicht zu kümmern: Für 19,3 Milliarden Euro bestellen sie in diesem Jahr im Netz Waren und Dienstleistungen, im Vorjahr waren es noch 16,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig steigt die Zahl der Online-Käufer auf 31,4 Millionen Kunden: Erstmals wurde damit die 30-Millionen-Marke geknackt, denn 2007 waren es noch 29,3 Millionen Shopper.

"Die Finanzkrise hat den Handel noch nicht erreicht", bestätigte Globetrotter-Chef Thomas Lipke, Vorsitzender des Ausschusses E-Commerce des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (bvh), bei der Vorstellung einer repräsentativen Verbraucherstudie in Düsseldorf. "Die Deutschen sparen  zumindest nicht bei Weihnachtsgeschenken."

Gleichwohl wagte der Outdoor-Händler keine Wachstumsprognose für 2009: "Der Online-Handel wird weiter wachsen, aber keiner kann voraussagen, ob die Verbraucherstimmung stabil bleibt. Unsere Wachstumnsprognose für kommendes Jahr geben wir daher erst nach dem Weihnachtsgeschäft ab."

Mobilität legt bei Dienstleistungen zu

2008 werden der Studie zufolge im Netz 13,4 Milliarden Euro für Waren ausgegeben - knapp ein Viertel mehr als im Vorjahr, denn da waren es noch 10,9 Milliarden Euro. Die digitalen Dienstleistungen blieben konstant bei 5,9 Milliarden Euro.

Doch innerhalb der digitalen Dienstleistungen verschiebt sich die Nachfrage: "Bei den Dienstleistungen entfallen in diesem Jahr 44 Prozent der Umsätze auf den Bereich Mobilität, also Flug- und Bahntickets sowie Mietwagenbuchungen", erläuterte Lipke. "Im Vorjahr betrug der Anteil noch 37 Prozent." Weitere Reiseausgaben wie Pauschalreisen und Übernachtungen hingegen sanken von 34 auf 27 Prozent.

Bekleidung wird am meisten gekauft

Die umsatzstärkste Warengruppe im Internet ist die Kategorie "Bekleidung, Textil und Schuhe": Hierfür geben die Deutschen rund 4,6 Milliarden Euro aus.

Der Umsatz mit Medien hingegenn ist leicht rückläufig. Bücher, DVDs und CDs erreichen einen Gesamtumsatz von 1,94 Milliarden Euro (Vorjahr 1,99 Milliarden). "Der Download-Markt wächst kräftig, mittlerweile werden rund 21 Prozent der Dienstleistungskäufe dem Musik-Downloads zugerechnet", berichtete Lipke. "Das geht natürlich zu Lasten der physischen Tonträgern."  

An dritter Stelle der beliebtesten Internet-Waren folgen Unterhaltungselektronik und Elektronikartikel mit einem Gesamtumsatz von 1,28 Milliarden Euro (Vorjahr 1,21 Milliarden).

Der gedruckte Katalog lebt!

Trotz des modernen Internet ist der klassische Katalog immer noch kaufentscheidend, betonte Lipke: "73 Prozent der Online-Käufer blättern zuerst durch das gedruckte Nachschlagewerk des jeweiligen Anbieters. Den Katalog totzusagen geht also klar an der Realität vorbei." Schließlich würden auch sieben von zehn Onlinekäufer der Altersgruppe 14- bis 29 Jahre der Umfrage zufolge den Katalog vor der Onlinebestellung nutzen.

Die Multi-Channel-Versender mit Katalog und Internetangebot sowie gegebenenfalls Filialen im stationären Handel haben mit 5,2 Milliarden Euro (Vorjahr 4,26 Milliarden) den größten E-Commerce-Umsatz. Die reinen Internetversender lagen bei 3,74 Milliarden - gegenüber 2007 ein Plus von 57,3 Prozent.

Die Zukunft des Webshops: Technik und soziale Netzwerke

Für Thomas Lipke sind Bewegtbilder und Web-TV die Wachstumsbeschleuniger im Internethandel. Zudem würden soziale Netzwerke im Netz immer wichtiger, "denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können".

Die Studie

Grundlage der bvh-Zahlen ist die Studie „Distanzhandel in Deutschland“, für die das Forschungsinstitut TNS Infratest in diesem Jahr abermals rund 30.000 Verbraucher zu ihrem Einkaufsverhalten im Distanzhandel befragt hat. Der Versandhandelsvrband hat diese Studie zum dritten Mal durchgeführt. 

Außerdem fließen ergänzende Zahlen des Instituts für Demoskopie Allensbach aus der Allensbacher Computer und Technik-Analyse (ACTA 2008) ein. Beide Verbraucherstudien belegen unabhängig voneinander die andauernden Aufwärtstendenzen im Internet.