In den Wochen vor der Bundestagswahl werben viele Unternehmen mit spielerischen Angeboten ganz nach dem Vorbild der Politik. Doch bei Werbung mit politischer Note ist Sensibilität gefragt.

Zahlreiche Unternehmen setzen auf spezielle Wahl-Kampagnen: Statt um Steuerkonzepte oder den Atomausstieg geht es dabei um „Konjunkturpakete" mit 250 Gramm Extra-Kaffee, Rabatt-„Wahlgeschenke" beim Möbelkauf oder eine „Bundesgenusswahl" im Kühlregal mit Einsendeschluss 27. September.

Dabei dient der Urnengang für das deutsche Parlament als ein allseits bekannter Anlass wie Weihnachten oder die Fußball-WM. Doch bei Werbung mit politischer Note ist Sensibilität gefragt.

Verkäuferinnen als Wahlhelfer

Für Wahl-Aktionen haben manche Firmen und ihre Agenturen gleich eine Fülle von Programmpunkten erdacht. Die Molkerei Bauer stellt mehr als 30 Geschmacksvarianten eines Fruchtjoghurt-Bechers zur Abstimmung und bietet neben einem Onlinevotum auch „Briefwahl" per Post. Eine Internetseite verspricht dazu „aktuelle Hochrechnungen".

Eine Bäckereikette machte Filialen zu „Wahlbüros" und Verkäuferinnen zu „Wahlhelfern" für den Aufruf „Wähl den Bundeskampsler!" - mit „Spitzenkandidaten" namens Streuseltaler oder Korneck.

Der Hersteller Melitta plakatiert für ein Kaffeepad-Sortiment zum Beispiel „Unser Wahlkampfmotto: Aufstehen muss sich wieder lohnen!" und sammelt Bewerbungen um fiktive Ministerposten.

Werbung mit Augenzwinkern

„Wir nutzen das Thema Wahl, um mit einer witzigen Kampagne auf das Angebot aufmerksam zu machen", sagt eine Unternehmenssprecherin bei Melitta. Ein verbindendes Element dabei sei, dass man sich zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen entscheiden könne.

Mit einer „humoristisch-satirischen" Aktion schaltete sich auch der Konkurrent Tchibo in den Wahlkampf ein - und zeigte in einer Anzeige unter der Überschrift „Unser Konjunkturpaket" die realen Hauptkontrahenten Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit einer Kaffee-Großpackung für 6,98 Euro. Die einmalige Aktion sei „ein kleiner Spaß mit Augenzwinkern" gewesen, erläutert ein Sprecher.

Distanz zu den Parteien nötig

„Werbung muss aktuell sein", sagt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft. Auch eine Anspielung auf die Bundestagswahl könne helfen, Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Doch diese Art von Webung „ist mit dem Risiko verbunden, dass es parteipolitisch zugeordnet werden könnte." Um keine Missverständnisse zu erzeugen, seien solche Aktionen daher meist humorvoll und strikt positiv angelegt, sagt Nickel.