Amazon
und Ebay so ganz ohne Wachstum im Tablet Commerce zum Weihnachtsgeschäft? Das gilt zumindest, wenn man dem aktuellen Statista App Monitor für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2013 Glauben schenkt: Entgegen sonstiger Wachstumsmeldungen zum diesjährigen Saisonfinale im Online-Handel, ist im Weihnachtsgeschäft 2013 auf Apple-Tablets für die beiden Marktschwergewichte offensichtlich nicht nur der ganz große Run ausgeblieben, sondern sogar der gegenteilige Fall eingetreten: Trotz plattformübergreifend signifikanter Zuwächse bei beiden Anbietern, ist ausgerechnet die Nutzungsintensität nativer iOS-Tablet-Apps von Amazon und Ebay auf dem Niveau der Vormonate stehen geblieben.

Wie kann das sein? Tablets "rocken" doch angeblich den E-Commerce. Da muss es doch gerade zu Weihnachten brummen. Ein Messfehler? Oder entwickeln die großen Marktplätze ihre Apps an den Verbrauchern vorbei?

Ich glaube vielmehr an eine allgemeine Trendwende: Die Idee der Post PC Ära hat sich in vielen Lebensbereichen einfach überlebt. Und Online-Shopping ist einer davon. Zumindest im Weihnachtsgeschäft. Warum der Tablet Commerce gegen die Hektik des Alltags letztlich keine Chance hat. Ein Erklärungsversuch.

Leistung = Arbeit : Zeiteinheit

HP prescht vor und bewirbt momentan als erster PC-Hersteller wieder Hardware mit dem Windows 7-Betriebssystem. Ganz offiziell und offen wider Microsofts Wunsch, die "Kachelwelt" des Nachfolgers endlich mal in den Massenmarkt gedrückt zu bekommen. Alt, aber bekannt und entsprechend nachgefragt: Verbraucher fragen gezielt Rechner mit einem alten Betriebssystem nach, weil ihnen der "Komfort" des Nachfolgers zu kompliziert ist (ist es mittlerweile zwar nicht mehr, aber viele Kunden glauben es halt noch). Und PC-Hersteller reagieren darauf.

Tech-Blogger und Mobile Geek Sascha Pallenberg beschwört plötzlich aus dem Nichts heraus die "Post Post PC Ära" und stattet seine Büros, statt mit stylischen Mobile Gadgets, wieder mit schnellen Desktop-PCs aus. Und 24"-Bildschirmen. Mehr Screen-Fläche, mehr Geschwindigkeit, mehr Information pro Aufmerksamkeits- und pro Zeiteinheit. Mehr Leistung, weniger Zeitverlust, weniger "Digital Lifestyle": Man hat's versucht, es war cool, es war spannend, aber im Arbeitsalltag sind wieder herkömmliche Technik-Tugenden gefragt.

Cool, aber unwirtschaftlich: Mit dem Notebook auf den Knien draußen zu hocken und in bis spät in die Nacht zu arbeiten. Das Gleiche gilt für's Online-Shopping. (Foto: Karsten Werner)
Cool, aber unwirtschaftlich: Mit dem Notebook auf den Knien draußen zu hocken und in bis spät in die Nacht zu arbeiten. Das Gleiche gilt für's Online-Shopping. (Foto: Karsten Werner)

Weihnachten ist Arbeit

Der gleiche Abnutzungseffekt lässt sich bei der "Bestellarbeit" im Weihnachtsgeschäft beobachten. Weihnachten ist Arbeit:
Die Feiertage rücken näher, der eigene Urlaubsbeginn ist jedoch vielleicht noch in weiter Ferne. Zeitdruck. Die Innenstädte sind voll, der Schreibtisch will vor den Feiertagen noch "abgestapelt" werden, der Tannenbaum besorgt, die Feiertagseinkäufe getätigt, die Kinder bespaßt und die Verwandtschaft organisiert und vom Bahnhof abgeholt werden,...

Legt sich da wirklich irgendjemand bequem vor den Feiertagen mit dem Tablet aufs Sofa und lässt sich mal am Sonntagnachmittag ganz gemütlich durch die nativen Webshops der großen Retailer und Marktplätze leiten?
Um sich durch mobile Erlebniswelten treiben zu lassen und Weihnachtsgeschenke zu shoppen?

Ich kenne niemanden der das tut (rückblickend behauptet man das vielleicht gerne, ich schließe mich da selbst nicht aus, weil es trendig ist und weil man sich das vielleicht auch so im Vorfeld gewünscht hätte) und der Online-Bestellalltag vorm Fest stellt sich ganz anders dar: Nach Hause kommen, Rechner anwerfen, die favorisierten Shops abklappern und gezielt Wunschlisten abarbeiten. Größen und Farben zu finden, passende Zusatzleistungen (Geschenkverpackung, Lieferoptionen) an gewohnter Stelle und Knöpfe an gewohnter Position zu drücken, darum geht es. Gedanklich letztlich auch zügig einen Haken an das Thema "Geschenke" setzen zu können,  einfach um die nächste Aufgabe im Festtags-Marathon angehen zu können...

Insofern verwundert es mich nicht, das Ebay und Amazon via native iPad-Apps kein Wachstum in der Nutzungsintensität zum Jahresende für sich verbuchen konnten. Überhaupt nicht.

Statista App Monitor: Keine erhöhte Nutzungsintensität von Amazon- und Ebay-App auf dem iPad im Weihnachtsgeschäft 2013. Der Boom beim Tablet Commerce bleibt vorerst aus.
Statista App Monitor: Keine erhöhte Nutzungsintensität von Amazon- und Ebay-App auf dem iPad im Weihnachtsgeschäft 2013. Der Boom beim Tablet Commerce bleibt vorerst aus.

Grafik: Statista