"Dann sind wir Häldän...": Bowie 1977
"Dann sind wir Häldän...": Bowie 1977
Meingutscheincode.de, eine Axel-Springer-Beteiligung, heißt jetzt Sparheld.de. Also noch ein „Held“ in der deutschen Internet-Welt. Das Heldentum fasziniert Startup-Manager schon seit Jahren, wenn es um die Namensgebung eines neuen Onlineangebots geht. Es gibt die Gartenhelden, die Schuh-Helden, die RegioHelden, natürlich Lieferheld, aber auch – naheliegend - die Pizzahelden, die Lottohelden, die Tickethelden, die Küchenhelden, die Tierheimhelden und sogar Dildoheld (ich verlinke das jetzt nicht extra alles). Nur der "Sexheld" ist nicht besetzt, aber wahrscheinlich nur, weil die Verwechslungsgefahr mit Johann Heinrich Sexheld zu groß ist, der bekanntlich im 16. Jahrhundert fürstlicher Rat zu Kempten war und als Kanzler für die Reichskammergericht-Sachen des Fürststifts verantwortlich zeichnete.

Wer angesichts dieses übervollen Marktes noch mitspielen will, muss sich schon anstrengen, überhaupt freie Domains zu ergattern. Auch für Sparheld.de wurde es schon eng, denn es gibt bereits Gutscheinhelden.deCouponhelden.de und Rabatthelden.de. Aber ist ja nochmal gut gegangen.

Was will man mit den Helden-Namen ausdrücken? Natürlich geht es nicht wirklich um Heldentum im klassisch-traditionellen Sinne. Ernst Jünger würde sich im Grab umdrehen, wenn er von E-Commerce-Shops mit Namen wie Napfhelden.de und Matratzenhelden.de erführe. Nein, die modernen Helden zeichnen sich durch eine kleine ironische Brechung aus, sie sind eher "Helden des Alltags". Sie haben typmäßig Pate gestanden für die Grillfleisch-Linie Grillhelden von Zimbo. Leute wie Sie und - allerdings mit deutlichen Einschränkungen - ich.

Eine Namenswahl mit einem "Helden"-Bestandteil drückt neben der ironischen Lockerheit auch immer ein bisschen Independent-Feeling aus. Man vermutet dahinter eigentlich immer kleine Unternehmen, die sich in einem fast aussichtslosen Kampf gegen die Übermacht von gesichtslosen Großunternehmen: Spielzeugheld.de - das klingt doch viel sympathischer als das globalisierte Mytoys.de. Der tägliche Überlebenskampf der Startups, das andauernde Zittern um die nächste Finanzierung, er spiegelt sich in der Namensgebung ihrer Shops genauso wider wie die "heldenhaft" günstigen Preise dort - raffinierte Doppeldeutigkeit. 

Der "Helden"-Trend hat dringend benötigten frischen Wind in die Namens-Landschaft der Internet-Welt gebracht. Denn die früheren Moden, sie wirken doch schon sehr antiquiert. Zum Beispiel der Namenszusatz "24", der stammt eben noch aus einer Zeit, als man es erstaunlich fand, dass man auf eine Website wirklich rund um die Uhr draufklicken und bestellen kann - das ist mittlerweile vorbei. Oder die Vorsilbe "my", der Schrei nach einer persönlichen Beziehung zum Nutzer, die doch fast immer Wunschdenken bleibt. Bedenklich auch die Tendenz, einfach etwas falsch zu buchstabieren, weil die korrekte Schreibweise markenrechtlich längst geschützt ist - irgendwann wissen unsere Kinder nicht mehr, ob die Mehrzahl von "deal" jetzt "deals" oder "dealz" heißt (obwohl sie natürlich selbst andauernd am dealen sind, mit Drogen und so).

Unterm Strich ist der Boom zu begrüßen, weil er den Begriff "Held" zwar in gewisser entwertet, aber eben auch enttabuisiert. Denn erinnern wir uns: Lange Zeit wurde der Begriff im militaristischen Sinne missbraucht und für diese Verwendung reserviert. In den 60er- und 70er-Jahren wollte die junge Generation deshalb ganz allgemein nichts mehr von "Helden" hören, die grundsätzlich unter Faschismus-Verdacht standen. "No More Heroes" forderte die Punk(?)-Band The Stranglers 1977. Und es ist nur mit dem Anti-Political-Correctness-Spleen von David Bowie zu erklären, dass er im selben Jahr die "Heroes" feierte (für einen Tag). Diese ideologischen Grabenkämpfe sind passé. Heute dürfen wir wieder Helden sein, wenn auch nur am Gartengrill. 

Meingutscheincode.de heißt jetzt Sparheld.de - sonst ändert sich nix
Meingutscheincode.de heißt jetzt Sparheld.de - sonst ändert sich nix