Welche Entwicklungen den Einzelhandel und seine Kunden im neuen Jahr? Spannend wird es auf jeden Fall. Ein Blick auf die wichtigsten Entwicklungen.

Deutschlands Einzelhandel ist im Umbruch. Der Online-Handel verändert die Spielregeln der gesamten Branche. Im Textilhandel schreitet der Siegeszug internationaler Ketten voran, Traditionsunternehmen kämpfen ums Überleben. Welche Trends werden das Jahr 2016 bestimmen? Welche bekannten Namen könnten verschwinden?

Die Warenhäuser

Ein großer Name allein garantiert schon lange keinen Erfolg mehr. Das musste in den vergangenen Jahren kaum ein Händler so schmerzhaft erfahren wie Karstadt. Doch im kommenden Jahr soll es wieder aufwärtsgehen mit dem Traditionsunternehmen. Firmenchef Stephan Fanderl will im Geschäftsjahr 2015/16 erstmals seit Jahren unter dem Strich wieder schwarze Zahlen schreiben. Dazu beitragen soll eine stärkere Regionalisierung des Angebots in den Warenhäusern.

Auch Konkurrent Kaufhof will unter dem neuen kanadischen Eigentümer Hudson's Bay Company neue Akzente setzen: Mehr Service und mehr Glanz, heißt die Zielrichtung. Sein Internet-Standbein will der Handelsriese kräftig ausbauen.

Der Lebensmittelhandel

Er ist bis jetzt eine der wenigen Handelssparten, die von den Umbrüchen des Onlinebooms verschont blieben. Nur rund ein Prozent der Lebensmittelumsätze werden bisher über das Internet abgewickelt.  2016 dürfte das Jahr sein, in dem die Schonfrist für den Lebensmittelhandel endet.

"Amazon wird 2016 mit Sicherheit auch in Deutschland seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh starten", ist Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH), überzeugt.
Damit könnte der Online-Gigant dem Internethandel mit Lebensmitteln spürbaren Auftrieb geben. "Wenn einer das Potenzial hat, hier einen Durchbruch zu erzielen, dann ist es Amazon", sagt etwa Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Aus dem Straßenbild dürfte dagegen das älteste deutsche Lebensmittelhandelsunternehmen Kaiser's Tengelmann verschwinden. Die Supermärkte des 1867 gegründeten Familienunternehmens werden entweder von Edeka übernommen und umbenannt werden, oder die Kette wird zerschlagen. Eine Zukunft gebe es für die Kette angesichts tiefroter Zahlen nicht, beteuerte Eigentümer Karl-Erivan Haub.

Der Textilhandel

Im deutschen Textilhandel herrscht seit Jahren ein brutaler Verdrängungswettbewerb. Gewinner dürften auch 2016 wieder in erster Linie internationale Ketten wie H&M, Inditex/Zara oder Primark sein, die alle Schritte vom Produktdesign, über die Herstellung bis zum Verkauf in einer Hand vereinigen. Das senkt die Kosten. Zudem schützen die eigenen Marke vor Preisvergleichen im Internet.

Die Folge: Die Ketten dominieren immer stärker das Bild der deutschen Innenstädte. Auch immer mehr Modehersteller setzen mit eigenen Läden und Online-Shops darauf, möglichst viel Geschäft in einer Hand zu konzentrieren. Nach Einschätzung Heinemanns werden diese beiden Gruppen auch 2016 viele "klassische" Modegeschäfte das Fürchten lehren. "Die wirbeln den ganzen Fashionhandel durcheinander - und alle anderen bekommen das zu spüren."

Der Online-Handel

Sein Siegeszug geht auch 2016 weiter. Das steht für die meisten Handelsexperten fest. "Als nächstes zeichnet sich ein Dammbruch bei Möbeln und Baumärkten ab - vielleicht schon im nächsten Jahr", prognostiziert Heinemann.

In den Vorreiterbranchen Fashion und Consumer Electronics haben sich die Zuwachsraten zurzeit zwar etwas abgeschwächt. Die Online-Umsätze steigen "nur" noch einstellig. Doch das ist nach Einschätzung des E-Commerce-Experten Hudetz kein Grund zur Entwarnung für die stationären Händler. "Innovationen - etwa die Zustellung noch am selben Tag - können hier jederzeit einen neuen Schub auslösen."

Der Kunde

2016 wird also für viele Händler ein herausforderndes Jahr werden. Es gibt aber nicht zwingend Verlierer: "Den Erfolg dürften vor allem Unternehmen haben, die extrem kundenorientiert sind", sagt Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung. Gewinner dieser Entwicklung ist vor allem einer: Der Kunde.

Warum  das Online-Geschäft den stationären Handel nicht kaputt machen wird, wieso die Möbelbranche kämpfen muss, warum sich Händler Gedanken über die Nachfolge machen sollten und wie die Zukunft des Handels aussehen kann: Wer tiefer einsteigen will ins Thema, dem sei die Lektüre der kommenden Ausgabe von Der Handel empfohlen (Erscheinungsdatum 30.12.2015).