Tinder ist mehr als eine Dating-App. Tinder ist das Vorbild schlechthin, was die Usability von Apps angeht. Auch im E-Commerce kann sollte man sich davon eine Scheibe abschneiden.

Der Tinder-Wisch als Vorbild.
Der Tinder-Wisch als Vorbild.
Das Prinzip der Dating-App Tinder ist so simpel wie genial: Es werden dem Nutzer Profilfotos anderer Nutzer angezeigt, die er gut oder weniger gut finden kann. Ist die angezeigte Person nicht so ganz der gewünschte Typ? Bitte einmal nach links wischen! Gefällt die Person? Dann kurz nach rechts wischen und darauf hoffen, dass es der nach rechts Gewischte genauso sieht. Denn dann kann miteinander gechattet werden. Die Usability ist also denkbar einfach.

Tinder-Prinzip im E-Commerce

Bei dieser Form der Nutzererfahrung geht es um eine Art Entdeckungsreise ohne gezieltes Suchen. Wer sich also inspirieren lassen möchte – sei es für ein Kleidungsstück, für Musik oder kreative Geschenke –, der könnte an dem Tinder-Prinzip Spaß bekommen. Ganz nach dem Motto: Wisch und weg. Und dieses Prinzip lässt sich gewiss auch auf E-Commerce-Apps übertragen! Gefällt mir das angezeigte Produkt, wische ich es in meinen Einkaufskorb oder Merkzettel, gefällt es mir nicht, wische ich es weg. Das geht fix und hat noch einen anderen Vorteil: Je mehr ich mich durch den Shop wische, desto besser werden die Vorschläge – einem cleveren und lernfähigen Algorithmus sei Dank.

Das „Tinder für...“

Tinder für Musik.
Tinder für Musik.
In vergangener Zeit haben immer mehr Startups auf sich aufmerksam gemacht, die eine Tinder-ähnliche App präsentiert haben. Plakativ sprechen Beobachter dann gerne von einem „Tinder für...“. Und es gibt in der Tat einige Bereiche, in denen die Tinder-Mechanik Einzug erhalten hat: Musik, Mode, Content, Twitter und so weiter. Zum Beispiel wäre da Songhop, eine App, mit der die Nutzer Musik entdecken können. Anders als in der nativen Spotify-App muss man sich dort nicht durchklicken und Genre für Genre entlang scrollen. Stattdessen bekommen die Nutzer Vorschläge, die entweder den Geschmack treffen oder nicht. Und auch hier gilt: Je öfter eine Entscheidung getroffen wird, desto eher landen die späteren Vorschläge einen Volltreffer.

Eine andere App, die nach diesem Prinzip funktioniert, ist Swipy. In der App des hessischen Startups werden Mode-Produkte angezeigt, die mit einem Rechtswisch in die Wisch- beziehungsweise Wunschliste gepackt werden. Andernfalls geht es mit neuen Produktvorschlägen weiter. Swipy, das als „Tinder für Mode“ beworben wird, verkauft selbst nichts, sondern verdient Geld durch Affiliate-Absprachen mit den Shops. Zwar steckt das Startup noch am Anfang, aber erst vergangene Woche konnten die Butzbacher ihre Finanzierungsrunde abschließen. Eine niedrige sechsstellige Summe haben sie dabei kassiert.

Swipy funktioniert nach dem Tinder-Prinzip.
Swipy funktioniert nach dem Tinder-Prinzip.

Nonplusultra: Usability & Gamification

Man sieht also: Tinder funktioniert auch im E-Commerce. Und die gezeigten Beispiele waren bestimmt der erst Anfang. Auf jeden Fall zeigt Tinder, dass Usability und die spielerische Nutzerführung (Gamification) wichtiger werden. Ob die ideale Lösung letztendlich die links-rechts-Wischtechnik sein wird oder nicht... lassen wir uns überraschen.