Roboter faszinieren die Menschen. Bereits im Kindergarten werden eifrig mechanisches Gesellen aus Lego oder Pappmache gebaut, in der Kunst stehen Filme wie Metropolis oder der Song "Wir sind die Roboter" von Kraftwerk für die Sehnsucht der Menschen, Arbeit von Maschinen erledigen zu lassen. Nach einer Studie von DHL liegt hier auch die Zukunft der Logistik.

Roboter sind aus dem Alltag für viele Menschen nicht mehr wegzudenken. Im Fahrzeug- und Maschinenbau kommen Industrieroboter zum Einsatz. In und um das Haus kümmern sich Roboter inzwischen um das Staubsaugen und Rasenmähen. Allerdings sind diese Geräte, Ingenieure werden jetzt das Gesicht schmerzlich verziehen, recht tumbe Gesellen. Sie sind dafür konstruiert, die gleichen Arbeiten und Abläufe immer wieder zu erledigen.

Das Ergebnis ist perfekt, aber die derzeit eingesetzten Roboter sind mehr oder weniger blind, taub und nur sehr eingeschränkt entscheidungsfähig. Also noch keine besonders große Hilfe. Und doch sehen die Experten im DHL Trendreport "Robots in Logistics", der nur in englischer Sprache vorliegt, einen Schlüssel in der Zukunft der Logistik.

Die Herausforderung

Die durch das Wachstum des E-Commerce gewachsene Herausforderung liegt in der Beschaffung der notwendigen Arbeitskraft. Amazon, Zalando und andere Unternehmen eröffnen regelmäßig neue Logistikzentren, die dann auch mit qualifizierten Mitarbeitern betrieben werden müssen. Dem steht aber zugleich ein prognostizierter Rückgang von potenziell den Arbeitsmärkten zur Verfügung stehender Menschen gegenüber. Und die benötigte Arbeitsmenge liegt ungleich höher als beim stationären Handel. Denn im E-Commerce (oder besser Distanzhandel) kann die Ware nicht in großen Einheiten von einem Ort zum anderen bewegt werden. Die vom Kunden bestellten Waren werden (derzeit) individuell und von Hand zusammengestellt. Es sind also deutlich mehr Handgriffe nötig als bei Brick & Mortar Geschäftsmodellen. Die notwendige, aber wohl nicht mehr von Menschen ausreichend zu bewältigende, Arbeit muss also anders erledigt werden. Und hier kommen die Roboter ins Spiel.

Denn derzeit, so der Trendreport, werden 80 Prozent der Logistik- und Distributionszentren ausschließlich mit Menschen betrieben. Nur ein geringer Bruchteil hat bereits in Automatisierung investiert. So verwundert es nicht, dass in die Entwicklung von Robotern gerade große Geldmengen investiert werden. China und Russland arbeiten gemeinsam an einem Forschungszentrum, in das 200 Millionen US-Dollar fließen werden. Auch Amazon hat bereits ordentlich Geld in die Hand genommen und den Hersteller Kiva übernommen, der inzwischen unter dem Namen Amazon Robotics firmiert.

Die Vision

Es mangelt Roboter nicht an Kraft, sondern an den Sinnen des Menschen. Um mit Menschen reibungslos zusammenarbeiten zu können, werden zukünftige Robotergenerationen das Sehen, Fühlen und Hören genauso erlernen müssen, wie das vorsichtige Greifen und auch das selbstständige Bewegen. Derzeit gehen die Überlegungen dahin, dass Menschen die anstehenden Aufgaben initiieren, der Roboter dann aber den Rest erledigt. Also beispielsweise schwere Pakete bewegt und an einen Bestimmungsort bringt, oder automatisiert die Waren aus Regalen beschafft, die dann noch zusammengepackt werden müssen. Und das ist alles längst nicht mehr nur Science Fiction, sondern bereits vielfach in ersten Ansätzen und in Form von Prototypen zu bewundern.

Beispiel Sehen: Die Studie (und auch Microsoft) sprechen hier von einem Kinect-Effekt. Eigentlich als Erweiterung für die Spielkonsole Xbox entwickelt, beweist die Kinect, dass es möglich ist, zu einem erschwinglichen Preis eine optische Einheit zu entwickeln, die die Lage von Objekten bis auf Zentimeter genau im Raum zu erkennen. Und weil die Technologie so zuverlässig funktioniert, haben mittlerweile einige Unternehmen die Kinect als Bestandteil ihrer Lösung entdeckt. Denken Sie nur an das Thema virtuelle Umkleidekabinen.

Der im Jahr 2003 vorgestellte Prototyp eines Roboters von DHL, der Container entladen konnte
Der im Jahr 2003 vorgestellte Prototyp eines Roboters von DHL, der Container entladen konnte

Die aktuelle Praxis

Bereits 2003 experimentierte DHL mit einem Roboter, der in der Lage war, Güter aus einem Container zu entladen. Zum Einsatz kam seinerzeit ein (unverhältnismäßig teurer) 3D-Laserscanner. Heute würde dieser Prototyp eher mit einem optischen Modul ausgestattet, das so leistungsfähig wie die Kinect ist. Und das automatisierte Ausladen von Containern ist auch eine Zukunftsmusik mehr. In den USA bietet das Unternehmen Wynright einen Roboter für diese Aufgabe an.

Sieben bis 15 Meilen legt ein Mitarbeiter in einem Warenlager während einer Schicht zurück, um die bestellten Artikel zusammenzustellen. Streng genommen eine unglaubliche Verschwendung von Arbeitszeit und Arbeitskraft. Deswegen hat Amazon das Unternehmen Kiva erworben, das sich der Entwicklung von Robotern widmet, die diese Aufgaben übernehmen sollen.

 

Anders funktioniert der Robo-Pick des Unternehmens SSI. Hier fährt die Ware am Gerät vorbei und wird dann zusammengestellt. Bis zu 2.400 Stück pro Stunde sollen das sein.

 

Die Roboter von IAM Technologies fahren selbstständig durch die Regalgänge, um die Waren zu entnehmen.

Keine Frage, bis zum voll automatisierten Warenlager mit anschließend automatischer Lieferung an Packstationen oder sogar bis an die Haustür ist es noch ein Weg. In Ansätzen ist die nächste Zukunft aber bereits sichtbar und wird den E-Commerce nachhaltig prägen. Schon allein deswegen lohnt sich bereits die Lektüre des Trendreports.

Spannend wird es auch auf der letzten Meile, wenn eines Tages autonome Bollerwagen Pakete an die Hausüt liefern.  Das estnische Start-up Starship Technologies hat einen autonomen Roboter entwickelt, der Einkäufe und Bestellungen selbstständig nach Hause liefert. Kleinere Pakete werden im Geschäft oder Logistikzentrum eingeladen und innerhalb einer halben Stunde sicher zugestellt. Der Empfänger kann den Roboter per Smartphone-App öffnen und entladen. So entlasten Händler ihre Logistik für die „letzte Meile“ und stellen dank E-Motor emissionsfrei zu.


Aber was heißt schon "eines Tages": Kleine selbstfahrende Roboter, die das Paket über den Bürgersteig an die Haustür rollen, führt Domino's Pizza gerade in einer  PR-Aktion in Neuseeland vor. Dort rollt ein Modell namens DRU über das Kopfsteinpflaster. Der Paketbote kommt von Marathon Robotics.