Andrej Barcak, Vorstand Vertrieb und Service bei Opel, bietet eine spezielle Modellpalette ausschließlich über das Internet an. Vom 10. März bis 31. Juli soll Webk@uf als Pilotprojekt laufen.

Andrej Barcak, Vorstand Vertrieb und Service bei Opel, bietet eine spezielle Modellpalette ausschließlich über das Internet an. Vom 10. März bis 31. Juli soll Webk@uf als Pilotprojekt laufen.

In Rüsselsheim kündigte Barcak das Webk@uf-Projekt als komplettes Internet-Angebot an. Erhältlich sind diverse Ausführungen der Modelle Agila, Corsa, Astra, Vectra und Omega. Die Opel-Verantwortlichen stellen heraus, dass Opel Webk@uf einen hohen Bedienkomfort habe. U.a. steht ein Kundenberater rund um die Uhr zur Verfügung. Der Interessent kann von der Fahrzeug-Auswahl bis hin zur Online-(An)Zahlung als Reservierungsgebühr (100 DM) alles über das Internet abwickeln. Das gilt auch für Versicherungs- und Fianzierungsmodalitäten. Schließlich gibt der potenzielle Kunde an, bei welchem Händler er den Kaufvertrag unterzeichnen und vorher eventuell eine Probefahrt absolvieren möchte. Der Händler liefert den Neuwagen auch an den Kunden aus. Preislich sollen sich Vorteile um die 7% gegenüber dem Normalpreis ergeben. Das Wunschauto soll kurzfristig verfügbar sein, weil Opel entsprechende Modelle in einem Zentrallager vorhält. Insgesamt sollen sich 875 deutsche Opel-Händler am Webk@uf-Projekt beteiligen.

Gerade einmal 250 bis 350 Neuwagen sollen über das Internet verkauft werden. Opel möchte weniger ein Geschäft daraus machen, als vielmehr Erfahrungen sammeln, wie die potenziellen Kunden darauf reagieren. Andrej Barcak macht auch klar, dass an einen Direktverkauf an der Händlerschaft vorbei nicht gedacht werde. Opel möchte zusammen mit dem Handel das Internet nutzen. Barcak stellt aber auch fest, dass mit Webk@uf ein neuer Vertriebsweg aufgebaut werden soll. Schon mit dem Konzept "Corsa Webc@r" hatte Opel einen Versuch gestartet, ein speziell für den Internet-Verkauf konfiguriertes Modell zu vermarkten. Mit Webk@auf geht Opel jetzt einige Schritte weiter.

Opel-Händler und Händlerverbands-Präsident Werner Goss zeigt sich sehr gelassen, was den Verkauf von Neuwagen über das Internet im Allgemeinen und das Webk@uf-Projekt im Besonderen anbelangt. In der Händlerschaft sei das Opel-Projekt sehr kontrovers diskutiert worden. Goss -- der neben Opel auch Saab vertreibt und mit seinen Autohäusern keinen eigenen Internet-Auftritt hat - ist überzeugt, dass das Internet für den traditionellen Handel keine Gefahr darstellt. Schließlich kann das Internet weder eine echte Probefahrt ersetzen noch die emotionale Atmosphäre des Autokaufs in einem Autohaus bieten. Vom After-Sales ganz zu schweigen. Da stimmt ihm Opel-Vorstand Barcak zu: "Ein Auto ist kein Buch."

Insgesamt gewinnt der kritische Betrachter den Eindruck, dass Webk@auf nur halbherzig von allen Beteiligten angegangen wird, auch wenn für die Werbung mehrere Millionen Mark zur Verfügung stehen. Hinter den Kulissen drang durch, dass wohl von der Opel-Muttergesellschaft in den USA, General Motors (GM), die Order kam, in Sachen Internet-Verkauf aktiv zu werden, weil in den USA schon eine recht hohe Quote von Neuwagen-Verkäufen über das Web angebahnt werden: 1999 sollen es bereits 50% gewesen sein.

Vor falschen Erwartungen der Verbraucher durch die Internet-Aktivität von Opel hat das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe gewarnt. Erste Reaktionen von Verbrauchern würden Enttäuschungen zeigen, weil der Webkauf lediglich Teile aus dem Kauf- und Anschaffungsprozess sowie eine begrenzte Produkt- und Ausstattungswahl biete.

Die Aktivität aus Rüsselsheim, sagte ein Sprecher des Kfz-Gewerbes, müsse für den Verbraucher so transparent gestaltet sein, dass Übertragungen auf die gesamte Branche, vor allem aber der Eindruck von derartigen Preisnachlässen als dauerhaftes Angebot vermieden würden.

Die Einbeziehung der Händler in die Internet-Aktivität unterstreiche die Verbandsauffassung, dass die vom Kunden geforderte fachmännische Beratung, Probefahrt und der Vertragsabschluss an virtuellen Grenzen scheiterten und im Autohaus realisiert werden müssten.

Die Preisabschläge für die Modelle im Internet und mögliche Eingriffe des Herstellers in die individuelle Preiskalkulation des Händlers führten zu einer Diskussion, ob bestimmte Dienstleistungen im Autohandel kostenpflichtig werden könnten. Der Sprecher des Kfz-Gewerbes verwies auf eine ähnliche Situation in der Reisebranche. (RS)


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