Zur Tradition in der Vorweihnachtszeit gehören auch die Prognosen über das Ausgabeverhalten der Konsumenten. Das sind immer Festivals der Statistiken. Immerhin gibts einen Tenor: Für dieses Jahr sagen alle ein gigantisches Geschäft vorher, auch für den Onlinehandel.

Wie so oft bei diesem Thema war Ernst & Young am schnellsten, und das ist im Wettbewerb der Studien, Prognosen und sonstigen Einschätzungen immer gut. Die frühe Aussendung erhöht die Chancen auf Aufmerksamkeit. 266 Euro pro Kopf wollen die Deutschen in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben – das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr, sagt die Beratungsgesellschaft vorher. 18,1 Milliarden Euro hieße das in der Summe.

Und wie immer kurz danach folgen die Kollegen von Deloitte. "Weihnachtsgeschäft kurbelt Wirtschaft an", kraftmeiern die Wirtschaftsprüfer und liefern ihre Zahlen für die neue Saison. Doch anstatt die üblichen Budgetangaben zu bieten, hält man es mit eher unverfänglichen Geschenketrends. So etwa dies: 57 Prozent der Frauen wünschen sich Geld unterm Tannenbaum, bei den Männern sind es nur 52 Prozent. Und: Jeder Zweite will zumindest einen Teil seiner Gaben im Internet bestellen.

Festspiele der PR-getriebenen Statistik

Noch im vergangenen Jahr verschickte Deloitte eine Prognose, wie viel Geld jeder Deutsche pro Kopf in Geschenke investieren wolle: 256 Euro. Diese griffige Angabe fehlt diesmal. Was aber nicht verkehrt ist, denn je mehr man sich in Vergangenheit durch die verschiedenen Studien gepflügt hat, umso unterschiedlichere Einschätzungen über die Höhe der Ausgaben bekam man. Am Ende bliebt nur Verwirrung. Oder Belustigung über die Festspiele der PR-getriebenen Statistiken.

Deswegen zurück zur Sachlichkeit. Und dafür steht zuerst der Handelsverband Deutschland, HDE. Hier wird nicht herumgeredet, sondern es geht sogar bis hinters Komma. Und um was für Zahlen: 91,1 Milliarden Euro soll der Handelsumsatz im diesjährigen Weihnachtsgeschäft betragen - ein Plus von 3,9 Prozent im Vergleich zu 2015. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 3,9 Prozent. Für 12,3 Milliarden Euro steht dabei der Onlinehandel - ein Anstieg um 12 Prozent. 

Wenn der Paketbote öfters klingel - ist es Weihnachten.
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Wenn der Paketbote öfters klingel - ist es Weihnachten.
Das ist doch mal ein Wort. Gruß an die Sparbrötchen von Ernst & Young. Im November und Dezember, den Monaten des Weihnachtsgeschäftes, befinden sich die Deutschen also im Kaufrausch. Aber, halt, für PayPal dauert der Rausch schon länger an. Den eigenen Zahlen zufolge für Onlinekunden schon seit dem 30. September. Den eigenen Zahlen? Wie kann man daran erkennen, ob jemand etwas bezahlt hat für ein Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk? Oder einfach nur, weil er ein Notebook für sich brauchte? Kann man bei PayPal möglicherweise einen Tannenbaum ankreuzen?

25.000 Dollar pro Sekunde

Von Prognosen hält sich der Zahlungsdienstleister größtenteils zurück. Außer, dass man für den Cyber Monday am 28. November ein Zahlungsvolumen von 25.000 Dollar pro Sekunde erwartet, in Euro sind wären das etwa 23.600 Euro. Warum, und ob und wie das für Deutschland zutrifft, wird nicht mitgeteilt. 

Dafür freut man sich über die erstaunliche Information, dass die Menschen sich zu Weihnachten immer mehr mit im Internet gekauften Autoteilen beschenken. Ach? "Schatz, die neue Lichtmaschine ist ein Traum. Danke."

Hm, davon spricht aber Deloitte wiederum nicht. Geld, Bücher und Geschenkgutscheine sind die Top 3 der Geschenkewünsche bei Männern und Frauen. Autoteile kommen auch in der weiteren Liste nicht vor. Gut, man kann sich ja einen Geschenkgutschein von Kfzeile24 wünschen, um sich dann die fetzige Lichtmaschine im Internet zu bestellen.

Beim HDE stehen Gutscheine gar an Nummer eins der beliebten Gaben. Kosmetik, Bücher, Uhren/Schmuck, Spielwaren und Kultur folgen danach. Nirgendwo Autoteile. Aber vielleicht weiß ja PayPal mehr. Vielleicht sind ja Lichtmaschinen, Keilriemen und Radkappen die neuen Hipster-Geschenke, von denen die Biedermänner des HDE noch nichts wissen.

Cyber Monday ist noch nicht der Brüller

Aber auch der deutsche Verbraucher und vor allem Onlinehändler scheint noch nicht alles zu wissen. Der Cyber Monday etwa, wie ihn PayPal bejubelt, ist hierzulande nicht der Brüller - ist zumindest eine Erkenntis der Umfrage "Marktplatz-KIX", des E-Commerce-Centers am IfH Köln in Kooperation mit eBay. Am kommenden Montag, oder am "Black Friday", bieten Onlinehändler in den Vereinigten Staaten kernige Aktionen an - die Kunden kaufen dann wie von Sinnen.

In Deutschland ist das System halbwegs bekannt, aber das war es auch schon. "Die wenigsten Händler nutzen diese Tage für Aktionen und Rabatte und lassen somit Chancen für Gewinnung und Aktivierung von Kunden liegen", mahnt Stefan Wenzel, Chef von eBay-Deutschland.

Immerhin, die Kollegen von Amazon sind hier im Geschäft mit Angeboten zur Cyber-Monday-Woche, die vom 21. bis 28. November läuft. 18.000 "Blitzangebote" stehen bereit, wird geworben.

Der deutsche Onlinemarktplatzhändler verlässt sich auf seine Einschätzungen und nicht auf diesen amerikanischen Schnickschnack. Fast jeder zweite Händler erwartet in diesem Weihnachtsgeschäft gesteigerte Umsätze im Vergleich zu 2015. Für 56 Prozent der befragten Multichannel-Händler sind die Onlinemarktplätze noch vor dem eigenen Webshop oder dem Ladengeschäft die größten Umsatzgaranten. Klar, wenn der Marktplatzbetreiber eBay fragt, dann kommen eben solche Antworten heraus.

Am Tag, an dem die erste Kerze brennt

Am kommenden Sonntag ist der 1. Advent, spätenstens ab diesem Tag wird das Land aufgepumpt mit Weihnachtsgefühlen. Und in diesem Rausch steigt auch die Lust auf einkaufen. Der Softwarehersteller Adobe weiß, dass die Deutschen am Tag, an dem die erste Kerze brennt, 549 Millionen Euro im Onlinehandel ausgeben werden. 7,68 Euro im Schnitt. Basis für diese Berechnung sind 100 Millionen Page Visits auf über 700 Einzelhandel-Websites und einer Befragung von 4.000 europäischer Kunden. Die Deutschen gaben demnach an, dass sie wie wild Weihnachtsgeschenke kaufen wollen - was den Gesamtumsatz auf 22,73 Milliarden Euro treiben wird. Plus 10 Prozent im Vergleich zu 2015.

Fast niemand in Europa ist hier besser. Bis auf Großbritannien. Denn auf der Insel wollen sie angeblich 27,28 Milliarden Euro ausgeben, trotz Brexit.

Prognosen sind ja immer gut. Gelegentlich lohnt sich doch die Retrospektive. Was ist aus den Vorhersagen geworden? 2015 sagte der HDE vorher, dass der gesamte Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft 86,7 Milliarden Euro umsetzen werde. Und? 87,2 Milliarden Euro waren es.

Donnerwetter.


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