Der Handel investiert in Sicherungstechnik, schult seine Mitarbeiter - doch die Ladendiebe lassen sich davon nicht beeindrucken. Auch 2014 waren die Verluste enorm. Die Hochsaison der Langfinger beginnt jetzt.

Die statistischen Werte schwanken zwar, je nachdem, wer sie erhebt. Doch das Grundsatzproblem bleibt: Ladendiebstähle sind für die Handelsbranche weiterhin ein erheblicher Kostenfaktor. So betrug der Wert der verschwundenen Waren in Deutschland im vergangenen Jahr rund 5 Milliarden Euro oder 1,08 Prozent des Umsatzes. Diese Zahlen wurden in der Studie "Globales Diebstahlbarometer 2014/2015" ermittelt. Die internationale Erhebung wird regelmäßig durchgeführt vom Londoner Marktforschungsunternehmen The Smart Cube. Beteiligt ist dabei Checkpoint Systems, Hersteller von Warensicherungstechnik mit Sitz in Hirschhorn am Neckar.

Neben administrativen Fehlern, die mit rund 19 Prozent zu Buche schlagen, gilt Diebstahl nach wie vor als Hauptursache für Warenschwund in Deutschland: 65 Prozent der Verluste gehen auf das Konto von Langfingern, darunter auch professionelle Banden. Für 11 Prozent sind unehrliche Mitarbeiter verantwortlich, gefolgt von betrügerischen Lieferanten/Herstellern (5 Prozent).

Diebesgut unter der Winterjacke versteckt

Besonders in der bevorstehenden Weihnachtszeit hat Ladendiebstahl laut Diebstahlbarometer Hochkonjunktur. Nach Angaben der Einzelhändler lassen sich gestohlene Artikel gut unter dicker Winterbekleidung verbergen. Abgesehen haben es Diebe vor allem auf kleine und teure Markenartikel, die sich gut weiterverkaufen lassen. Modeaccessoires, Schuhe, Elektrowerkzeuge, Batterien, Smartphones und entsprechendes Zubehör, Wein und Spirituosen, Käse sowie Rasierklingen und Kosmetikartikel gehören zu den am häufigsten gestohlenen Waren.

Die Handelsbranche geht mit Technik gegen Diebstahl an. Demnach hat die Branche im vergangenen Jahr rund 1,31 Prozent des Umsatzes für Sicherheitstechnik ausgegeben. Neben der elektronischen Artikelsicherung sowie Alarm- und Videoüberwachung, die bei rund zwei Drittel der Händler zum Einsatz kommen, investierten sie auch vermehrt in die Weiterbildung und Sensibilisierung ihrer Mitarbeiter.

In Mexiko, den Niederlanden und Finnland wird am meisten geklaut

Weltweit beläuft sich der Schaden durch Warenschwund auf insgesamt rund 93 Milliarden Euro (1,23 Prozent). In Europa sind es mit fast 31 Milliarden Euro etwa 1,05 Prozent des Umsatzes, die der Einzelhandel verliert. Laut The Smart Cube bewegt sich Deutschland im Mittelfeld der 24 untersuchten Länder. Am wenigsten wird in Norwegen (0,75 Prozent des Umsatzes), der Schweiz (0,76 Prozent) und Frankreich (0,81 Prozent) gestohlen, die höchsten Verluste melden Mexiko (1,68 Prozent), die Niederlande (1,48 Prozent) und Finnland (1,38 Prozent).

Eine Analyse von Mehrfachteilnehmern hat ergeben, dass weltweit der Warenschwund deutlich zugenommen hat (von 0,94 Prozent 2013/14 auf 1,42 Prozent 2014/15), während er in Europa leicht rückläufig war (von 1,02 Prozent auf 0,96 Prozent).

Für das "Globale Diebstahlbarometer" wurden 203 Einzelhändler in 24 Ländern befragt, die 2014 einen Umsatz von insgesamt über 750,7 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.