Die Zahl der Klagen gegen den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sowie gegen andere Ex-Karstadt-Manager nimmt zu. Es geht um Sonderboni, offene Forderungen, eine Festschrift und eine Flasche Champagner.

Der Karstadt-Insolvenzverwalter Hubertus Görg habe nach einer Schadenersatzforderung von 175 Millionen Euro eine zweite Klage im Umfang von 24 Millionen Euro beim Landgericht Essen hinterhergeschoben, bestätigte Görg-Sprecher Thomas Schulz Berichte von "Bild am Sonntag" und "Spiegel". Die zweite Klage stammt allerdings schon vom 23. Dezember.

Das sind aber nicht die einzigen Forderungen, die entweder Middelhoff direkt oder andere Manager betreffen. So will Görg auch von Ex-Karstadt-Chef Stefan Herzberg Schadenersatz.

Görg macht Herzberg und womöglich vier weitere damalige Mitgeschäftsführer dafür haftbar, 250 Millionen Euro bei der früheren Konzernmutter Arcandor nicht eingefordert zu haben.

Der Betrag stand Karstadt aufgrund eines Ergebnisübernahmevertrags als Verlustausgleich für das Geschäftsjahr 2007/2008 zu, wurde aber nie gezahlt. Karstadt gehört inzwischen dem Investor Nicolas Berggruen.

Der Vorwurf: uberhöhte Bonuszahlungen

Dazu klagt ein Ex-Anleger gegen Middelhoff. Jan-Eric Peters, Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, fordert rund 5.000 Euro, weil er sich von Middelhoff und der Arcandor-Öffentlichkeitsarbeit getäuscht fühlt.

Er will unter falschen Voraussetzungen Arcandor-Aktien gekauft haben. Der Journalist klagt als Privatmann. Der Prozess läuft bereits.

In der Klage von kurz vor Heiligabend geht es um knapp 24 Millionen Euro, die Görg von früheren Arcandor-Managern haben will, davon allein 15,9 Millionen Euro von Middelhoff. Neben Middelhoff sind fünf Ex-Vorstände und zwei frühere Aufsichtsratsvorsitzende betroffen.

Ihnen wird - unter anderem - vorgeworfen, weit überzogene Bonuszahlungen und Abfindungen kassiert oder bewilligt zu haben. So habe Middelhoff für das Geschäftsjahr 2007/08, als der Konzern 746 Millionen Euro Verlust machte, einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert.

Der Bonus bekam er für „seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008", wie es in der Begründung des Aufsichtsrats hieß.

150.000 Euro für eine Festschrift

Außerdem soll die Arcandor AG 150.189,55 Euro (netto) für eine von Middelhoff herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner ausgegeben haben. Dabei handelte es sich laut Insolvenzverwalter um ein rein privates Geburtstagsgeschenk ohne Bezug zu Arcandor.

In einem anderen Fall soll Middelhoff 2005 einen Flug mit einem Privatjet nach Kanada und zurück über die Arcandor AG abgerechnet haben. Tatsächlich sei er aber für seinen früheren Arbeitgeber, die Londoner Investmentfirma InvestCorp. unterwegs gewesen.

2.200 Euro habe er sich zudem für eine Doppel-Magnum-Flasche St. Emilion für ein Managertreffen in seinem Haus in St. Tropez erstatten lassen.

Die Bonuszahlung in Millionenhöhe hatte Middelhoff schon früher gerechtfertigt. Sie sei 2005 im Zusammenhang mit dem Anstellungsvertrag als langfristiger Erfolgsbonus vereinbart worden. Die Zielkriterien seien zum Teil übererfüllt worden.

Privatflug mit Privatjet?

Auch andere Vorwürfe weist der frühere Topmanager zurück. Laut Anwalt Hartmut Fromm war die Nutzung des privaten Charterjets ebenfalls vertraglich vereinbart und "dienstlich" gewesen.

Privatflüge mit dem Jet, für die Kosten von 2,3 Millionen Euro angefallen seien, habe Middelhoff alle selber gezahlt. Das 150.000-Euro-Geschenk, die Festschrift für Mark Wössner, sei im ahmen einer Arcandor-Präsentation übergeben worden.

Die Weinrechnung sei für 22 Personen gewesen. Anlass war eine Vorstandsklausur von Topmanagern nebst Ehefrauen. Die Kosten habe Middelhoff privat getragen - nur für die Weinflasche aus seinem Weinkeller habe er einen Eigenbeleg angefertigt und abgerechnet.

Laut Fromm verfolgt der Insolvenzverwalter das Ziel, Middelhoff zum Sündenbock zu machen und die weiteren zehn Beklagten in eine "argumentative Sippenhaft" zu nehmen.

"Die einzige, die an diesem Verfahren verdient, ist die Kanzlei Görg. Die Insolvenzmasse sieht keinen Cent", behauptet Fromm.