Die Bundesagentur für Arbeit und der Handelsverband sehen gute Arbeitsmarktchancen für entlassene Schlecker-Beschäftigte. Doch fehlende Qualifikation und geringe Flexibilität könnten die Jobsuche erschweren.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht für die rund 10.000 von Entlassung betroffenen Schlecker-Mitarbeiter gute Aussichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

"Es gibt keinen Grund für Pessimismus. Der Arbeitsmarkt ist so aufnahmefähig wie seit Jahren nicht. Allein bei der BA sind 26.000 offene Stellen im Einzelhandel gemeldet", schreibt Weise in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Handelsblatt".

Die Arbeitsagenturen seien auf die Schlecker-Mitarbeiter gut eingestellt und verfügten über ein ganzes Bündel an Möglichkeiten zu helfen: von der Qualifizierungsmaßnahme bis zum Lohnkostenzuschuss bei einem neuen Arbeitgeber, schreibt der BA-Chef.

Verbände wollen helfen

Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer im Handelsverband HDE, sieht gute Chancen für Schlecker-Beschäftigte. Allerdings warnte er in einem Rundfunk-Interview: "Auf dem Land, wo wirklich nur noch ein kleiner Schlecker-Markt war und sonst keine Einzelhandelsunternehmen, da wird es natürlich problematisch."

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg bietet Schlecker-Beschäftigten in einer gemeinsamen Aktion mit der örtlichen IHK, ihre Bewerbungen direkt an interessierte Unternehmen weiterzuleiten.

"Eine spontane Abfrage bei Personalchefs in der Region zeigte Interesse an gutem, erfahrenem Personal", sagte Verbandschef Nils Busch-Petersen. Betroffene können ihre Bewerbung an die Mailadresse schleckermitarbeiter@hbb-ev.de.

Auf dem Land schwieriger

In der Metropolregion Berlin, die von den Schlecker-Schließungen besonders hart getroffen wurde, mag eine solche Aktion noch funktionieren. In ländlichen Regionen stellt jedoch die fehlende Mobilität eines der Hauptprobleme für Schlecker-Mitarbeiter dar.

Das weiß auch die Gewerkschaft Verdi: Die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter benötigen eine "intensive Beratung, Berufswegeplanung und Weiterqualifizierung", denn im Durchschnitt seien die Schlecker-Verkäuferinnen Ende 40, viele sogar bereits weit über 50, sagte bereits einmal Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

"Die Frauen sind oft über Jahrzehnte im Unternehmen und haben seit Jahren keine Bewerbungen mehr geschrieben. Sie verfügen häufig über wenig ausgeprägte bis gar keine Computer- und Internetkenntnisse", wies Nutzenberger seinerzeit auf ein weiteres Manko hin: die geringe Qualifizierung vieler Schlecker-Frauen.

Doch BA-Chef Weise glaubt: "Wer aktiv wird, wer den Kopf nicht hängen lässt, wer bereit ist, sich zu qualifizieren, wer mit den Beratern und Vermittlern in den Arbeitsagenturen gut zusammenarbeitet, der hat gute Chancen."

mar mit Material von dpa