Hertie hat eine komplizierte Eigentümerstruktur. Wem die insolvente Kaufhauskette gehört, ist schwer nachzuvollziehen und irreführend.

Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr bezeichnet die insolvente Dawnay Day als Haupteigentümer. Widerspruch kommt von Dawnay Days Insolvenzverwalter BDO, dem Geschäftsführer des Hertie-Eigentümers MABV, Jaap Klink, und dem Amtsgericht Essen. „Dr. Bähr hat nie unsere Gesellschafterstruktur verstanden", sagte ein MABV-Vertreter. „Es ist nicht einfach, das ist sicher; es ist ein komplexes Unternehmen."

Alleiniger Hertie-Gesellschafter ist nach dpa-Informationen die niederländische Mercatoria Acquisitions BV (MABV). Sie gehört zu 13,3 Prozent der US-Firma Hilco und zu 86,7 Prozent der Dawnay Day Mercatoria Acquisitions BV (DDMABV).

An der DDMABV besitzen die Ex-Bosse Guy Naggar und Petter Klimt mit einer Tochter ihres insolventen Imperiums 16,69 Prozent. Der Rest verteilt sich indirekt oder direkt auf sieben Privatpersonen, die früher mit Dawnay Day Geschäfte gemacht haben.

Komplizierte Struktur

Von den heute noch betriebenen 54 Hertie-Häusern besitzt MABV 40 Läden, der frühere Dawnay-Day-Partner Treveria zehn Geschäfte und weitere Gesellschaften die vier übrigen Immobilien. Im März wurden zudem 19 Filialen geschlossen; einige davon wurden verkauft.

Die Retter von einst gehörten laut der Zeitung „The Times" zu den 350 reichsten Briten, bis ihr Firmengeflecht einstürzte. Naggar und Klimt sollen heute keinen überwiegenden Einfluss mehr auf DDMABV haben. MABV- Geschäftsführer Klink führte den Besitz fließend in die Firma Trust Alliance Investment Services über.

Fonds und verbriefte Darlehen

Für die Hertie-Übernahme hatte Dawnay Day an der Londoner Börse einen Immobilien-Hedgefonds eingerichtet. 2007 besaß Dawnay Day so deutsche Immobilien im Wert von mehr als 2,2 Milliarden Euro.

Die Immobilien wurden mit einem verbrieften Darlehen der Deutschen Bank gegenfinanziert; die Waren und Ausstattung für 28,4 Millionen Euro an die Finanztochter des US-Automobilherstellers General Motors, GMAC, verpfändet.