Die Zahl der Existenzgründungen ging in 2007 um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Der am Dienstag in Frankfurt am Main vorgestellte KfW-Gründungmonitor weist einen dramatischen Rückgang bei den Existenzgründungen in Deutschland auf. Im Jahr 2007 haben sich laut KfW-Mittelstandsbank knapp 860.000 Personen im Voll- oder Nebenerwerb selbstständig gemacht. Das sind 230.000 Personen und damit 21 Prozent weniger als im Vorjahr.

Feste Anstellung im Zweifel bevorzugt

"Der starke Rückgang trotz der guten Konjunktur stimmt uns nachdenklich", sagte KfW-Chefvolkswirt, Dr. Norbert Irsch, anläßlich der Vorstellung des Gründermonitors. Die spürbare Entspannung auf dem Arbeitsmarkt in den zurückliegenden Monaten habe vermutlich dazu geführt, dass viele potenzielle Existenzgründer sich für eine Festanstellung in abhängiger Arbeit entschieden haben, statt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Zudem habe die restriktivere Ausgestaltung der Existenzförderungen durch die Bundesagentur für Arbeit dazu geführt, dass auch die Zahl der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen sind (Minus 23 Prozent).

Die Zahl der Gründer sinkt seit 2003
Die Zahl der Gründer sinkt seit 2003
Der Einzelhandel ist nach dem Dienstleistungsgewerbe die Branche mit den meisten Gründern. Rund 22 Prozent aller Voll- und Nebenserwerbgründer eröffnen ein Ladengeschäft oder werden als Online-Händler tätig. Insgesamt ist das Gründungsgeschehen in Deutschland seit 2003 rückläufig. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik mit einer Selbstständigenquote von rund 10 Prozent, laut KfW-Chefvolkswirt Dr. Norbert Irsch, nur im Mittelfeld.

Fördervolumen auf Rekordniveau

Die Kfw-Mittelstandsbank förderte Gründungen im vergangenen Jahr in einem Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet Irsch mit einem vergleichbaren Fördervolumen. Rund zwei Drittel aller Existenzgründer benötigen Finanzmittel zum Start, 60 Prozent genügen weniger als 5.000 Euro zum Aufbau der eigenen Existenz.

Der Verkauf der IKB Bank habe keinerlei Auswirkungen auf die Finanzierungszusagen der Kfw-Mittelstandsbank, versicherte der Chefvolkswirt. "Deutschland verfügt über eine exzellente Förderinfrastruktur mit breit gefächerten Finanzierungs- und Beratungsangeboten", betonte Irsch. Um das volkswirtschaftlich bedeutsame Gründergeschehen wieder zu beleben seien jedoch Lehr- und Informationsangebote an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen nötig. Nur so könne man  die Einstellung zum Unternehmertum und das Gründungsklima in Deutschland verbessern.