Der Apothekerverband beklagt das Sterben von Unternehmen in Folge gesteigerten Wettbewerbs. Tatsächlich ist der Schwund von Apotheken minimal. Und die Ursachen dafür sind vielschichtig.

Wenn es um den eigenen Stand geht, trommelt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) so laut, wie es geht. Aktuell wird ein Rückgang an Unternehmen in Deutschland beklagt, woran der verschärfte Wettbewerb schuld sein soll.

Der Blick auf die Zahlen lässt die Alarmstimmung abflauen. Ende vergangenen Jahres gab es  laut ABDA in Deutschland 21.548 öffentliche Apotheken - das sind gerade einmal 54 weniger als ein Jahr zuvor. Für die ABDA ist die geringfügige Marktkorrektur im Jahr der Finanzkrise ein Grund darauf hinzuweisen, dass ja seit 2003 die Zahl der Apotheken von 21.305 fünf Jahre lang hintereinander leicht angestiegen sei.

Die Angst des Apothekers vor dem Wettbewerb

Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Apothekenzahl sei der intensive Wettbewerb zwischen den Apotheken, klagt die ABDA. Für diesen habe etwa die Freigabe der Preisbildung für rezeptpflichtige Arzneimittel im Jahr 2004 gesorgt. Zudem bestehe seit 2007 in den Apotheken ein erhöhter Personal- und Sachaufwand durch die Umsetzung der Rabattverträge für die Kassen.

Vergangene Woche hatten allerdings die Marktforscher von Nielsen festgestellt, dass das stürmische Wachstum des Apotheken-Versandhandels vornehmlich zu Lasten der stationären Apotheken gehe. Das Umsatzplus der Versender betrug im vergangenen Jahr 30 Prozent im Vergleich zu 2008. Der Anteil dieser Branche am Pharma-Gesamtmarkt beträgt mittlerweile 8 Prozent.

Viele Betriebe schreiben Verluste

Laut einer Untersuchung des Instituts für Handelsforschung (IfH) machen aktuell 37 Prozent der 400 an einem Betriebsvergleich teilnehmenden Apotheken über das Jahr hinweg Verluste. Betroffen seien alle Apotheken unabhängig von ihrer Lage: in Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern ebenso wie auf dem Land. Ihr Fortbestand sei fraglich.

"Legt man die Ergebnisse des Betriebsvergleichs als Abbild der deutschen Apothekenlandschaft zu Grunde, hat jede dritte Apotheke keine Überlebenschance", sagt IfH-Bereichsleiter Markus Preißner. "Viele Apotheken schaffen künstlichen Gewinn, indem sie die Verluste mit Gewinnen aus anderen Bereichen - beispielsweise Einkünften aus Vermögensanlagen - verrechnen, Rücklagen aufzehren und kalkulatorische Kosten nicht hinreichend berücksichtigen: Ein Irrweg, der mittel- bis langfristig am Abgrund endet. Spätestens bei Verkauf oder Verpachtung ist das Überleben dieser Apotheken und ihrer Standorte mehr als fraglich."

Der Bremer Gesundheitsexperte Professor Gerd Glaeske sagte im Gespräch mit derhandel.de dass Deutschland für eine vernünftige Arzneimittelversorgung "ganz sicher keine 21.500 Apotheken braucht". Glaeske verwies auf die Niederlande, wo auf 10.000 Einwohner lediglich eine Apotheke komme.

Kooperationen werden wieder aktiv

Die stationären Apotheker versuchen sich derweil neu zu positionieren: So meldet das "Handelsblatt" in seiner heutigen Ausgabe, dass sich immer mehr Apotheker aus Angst vor Ketten Apothekenkooperationen anschließen. 

"Manch Apotheker hat nach dem EuGH-Entscheid nicht mehr die Notwendigkeit gesehen, in einer Kooperation zu bleiben", sagte Georg Rommerskirchen, Vorstand bei der Linda AG der Zeitung. "Der Markt insgesamt hat sich bereinigt."

Die im vorigen Jahr mit großen Zielen gestartete Kooperation 360 Grad ist mittlerweile insolvent. "Das EuGH-Urteil hat uns den Wind aus den Segeln genommen", klagte Matthias Sabel, einst Leiter des Apothekenbereichs bei 360 Grad, im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

Im Mai 2009 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken mit dem Europarecht vereinbar sei. Konzerngeführte Apothekenketten sind daher weiterhin in Deutschland nicht möglich. Entsprechende Pläne hatte unter anderem Celesio gemeinsam mit DocMorris verfolgt.

Dieser Tage hatte die zum Pharmagroßhändler Anzag gehörende Kooperation Vivesco (rund 1.100 Mitglieder) eine bundesweite Werbekampagne gestartet.