Halloween in Deutschland ist eine Softvariante im Vergleich zum morbiden Spektakel in den Vereinigten Staaten. Der Einzelhandel lebt trotzdem gut vom Verkauf der Utensilien für das Gruselfest.

Grinsende Kürbisse und gruselige Geister: Bald ist wieder Halloween. Seitdem das Fest auch in Deutschland populär geworden ist, haben einige Branchen es für sich entdeckt. Für die immer zahlreicher werdenden Halloween-Partys am 31. Oktober stöbern vor allem junge Leute nach Kostümen und passender Dekoration.

"Halloween ist für uns ein ganz wichtiges Saisongeschäft geworden", sagt der Sprecher der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie (DVSI), Dieter Tschorn.

Der Branchenumsatz mit Halloween-Produkten sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2009 erreichte er nach Angaben Tschorns rund 29,6 Millionen Euro, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Verkauft wurden demnach unter anderem gut 203.000 Kostüme für Erwachsene (plus 11.000) und 189.000 für Kinder (plus 61.000). Hinzu kamen etwa 71.000 Perücken, 210.000 Hüte und 972.000 Schminksets. Es gibt Geister-Laternen, künstliche Spinnenweben und Kürbis-Schnitzpakete.

Halloween wird gezielt vermarktet

Bei den Verkleidungen sind vor allem dunkle Gestalten gefragt, beispielsweise Hexen, Teufel, Frankenstein, Vampir oder Skelett. Hinzu komme oft "schauriges Beiwerk" wie abgehackte Füße oder künstliche Narben. "Im Vergleich zu den USA steht so etwas bei uns aber nicht im Vordergrund, wir haben hier eher ein Soft-Halloween", meint Tschorn.

Der DVSI nimmt für sich in Anspruch, das ursprünglich keltische Fest nach Deutschland geholt zu haben. Auslöser sei die Karnevalsabsage wegen des Golfkriegs 1991 gewesen. Danach habe der Verband mit der gezielten Vermarktung von Halloween begonnen, um die Umsatzverluste zu kompensieren und das Karnevalsgeschäft auch künftig zu unterstützen, denn die närrische Saison dauert nicht in jedem Jahr gleich lang.

Auf den Zug sprangen auch andere Branchen auf - mit mehr oder weniger großem Erfolg. Einige Geschäfte schmücken ihre Schaufenster im Halloween-Stil oder werben mit speziellen Produkten wie "Halloween-Brot".

Begeisterung ebbt ab

Die Süßwarenhersteller witterten zunächst ein großes Geschäft und brachten eine reiche Auswahl an Geister-Fruchtgummis, Kürbis-Bonbons oder Halloween-Schokoladen auf den Markt. Doch die anfängliche Begeisterung habe sich inzwischen gelegt, räumen die Branchenverbände ein.

Denn der Zeitraum, in dem die Halloween-Naschereien Absatz finden, sei einfach zu kurz und rechne sich nicht, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Süßwarenindustrie in Bonn. "Deshalb haben viele Firmen sich wieder von diesen Produkten verabschiedet."

Allerdings profitiere die Branche möglicherweise davon, dass vermehrt Kinder wie in den USA an Halloween von Haus zu Haus ziehen und "Süßes oder Saures" fordern. "Zumindest stellen wir fest, dass sich im Oktober Familienpackungen mit kleinen Tütchen ganz gut verkaufen, die man dann an Kinder verteilen könnte", sagt Alfons Strohmaier vom Handelsverband Sweet Global Network. Konkrete Zahlen dazu seien bislang aber nicht erfasst worden.

Kürbisse stark nachgefragt

Dagegen sehen Agrarexperten einen direkten Zusammenhang zwischen Halloween und dem Interesse an Kürbissen. Früher galten Kürbisse in Deutschland als Arme-Leute-Essen. "Aber seit vor einigen Jahren das mit Halloween aufkam, sind Kürbisse total gefragt - sei es zum Kochen oder zur Dekoration", sagt der Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb.

Nach Angaben der Agrarmarkt-Informations GmbH wurden 2009 deutschlandweit rund 48.000 Tonnen Kürbisse geerntet - 10.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. "Inzwischen sind Kürbisse für eine Reihe von Betrieben zu einem wichtigen Standbein geworden", sagt Rüb.

Zu den Großabnehmern gehören zum Beispiel Freizeitparks, die teils riesige Flächen mit dem Gemüse dekorieren. Sie bauen für die Besucher Kürbis-Landschaften oder Kürbisskulpturen auf. Dazu bieten viele Parks spezielle Halloween-Aktionen an, etwa vergünstigte Eintrittskarten für "gruselig verkleidete Gäste", Horror-Shows oder Gruselparaden. So soll das Geschäft zum Ende der Park-Saison noch einmal richtig angekurbelt werden.

Petra Albers, dpa