Neue Anforderungen der Finanzbehörden können dem Mittelstand böse Überraschungen bescheren. Nicht nur hier sieht der IT-Dienstleister Datev erhebliche Potenziale. Das Unternehmen wächst und wächst, auch im laufenden Jahr.

Abschiedsvorstellung: Zum letzten Mal präsentierte der langjährige Datev-Vorstandsvorsitzende Dieter Kempf  die Jahresergebnisse und Prognosen des genossenschaftlich organisierten Softwareanbieters. Ab April 2016 übernimmt sein heutiger Stellvertreter, der 49-jährige Robert Mayr, das Ruder in dem Unternehmen.

Die Datev e.G. hat sich auf Dienstleistungen für Steuerberater,Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und mittelständische Unternehmen spezialisiert. Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 843 Millionen Euro Umsatz zählen die Nürnberger zu den größten Softwarehäusern in Europa.

Schrittweiser Rückzug

Kempf, der neben seinem Vorstandsposten bei Datev auch an der Spitze der Branchenvereinigung Bitcom steht, plant zwar nach eigenem Bekunden den schrittweisen Ausstieg aus fast allen seinen bisherigen Ämtern. Doch von Ruhestand will der 62-Jährige noch längst nicht sprechen. Was er konkret vorhat, verrät er allerdings auch nicht. Dieses Jahr steht Kempf noch selbst für die Ergebnisse gerade. Diese lassen sich sehen, voraussichtlich wird der Datev-Umsatz weiter um 3,2 bis 3,6 Prozent wachsen.

Neues Behörden-Ungetüm

Potenziale gibt es genug, auch beim mittelständischen Handel. Neben Themen wie  Datensicherheit und Cloud stehen viele Unternehmen vor einer neuen Herausforderung, die laut Kempf bisher völlig unterschätzt wird: Die GoBD. Dahinter verbirgt sich das Wort-Ungetüm „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff."
Die neuen Regeln zum Umgang mit Belegen hatte das Bundesfinanzministerium bereits im vergangenen November veröffentlicht, die Auswirkungen wird so mancher Mittelständler allerdings erst in der näheren Zukunft mit voller Breite zu spüren bekommen. Die Bestimmungen sind seit Januar in Kraft.

Fette Nachzahlung droht

Ein elektronischer Beleg reicht demnach bei der Wirtschaftsprüfung durch die Finanzbehörde längst nicht mehr aus, wenn er nicht bestimmte Kriterien erfüllt. Etwa ein leicht änderbares Office-Format, zum Beispiel abgelegt in einer Exel-Datei, könnte schließlich vom Händler im Nachhinein manipuliert worden sein.

Dann steht es dem Steuerprüfer offen, einen nicht ausgewiesenen Umsatz zuzuschätzen. Locker können dabei 20 Prozent Mehrumsatz rauskommen, für die dann die Zahlung der 19-prozentigen Mehrwertsteuer fällig wird. Auch die zu versteuernden Gewinne fielen nach dieser Rechnung höher aus. Betroffen sind alle. Kempf empfiehlt "viel Sorgfalt bei der Auswahl der elektronischen Vorerfassungssysteme", von der elektronischen Waage im Supermarkt bis hin zum Taxameter.

Papier hat noch Zukunft

Für bedenklich hält der Datev-Chef die Tatsache, dass manche Betriebsprüfer inzwischen sogar unverhohlen bestimmte Produkte empfehlen würden. Er selbst bezeichnet es vor dem Hinterfgrund der neuen Regelung als "Treppenwitz", dass manchem Kleinunternehmer und Selbstständigen deshalb fast schon wieder die Aufbewahrung der Papierbelege zu empfehlen sei.  
Nicht nur deshalb wird das Papier aus den deutschen Büros noch lange nicht verbannt sein. Trotzdem ist die elektronische Rechnung und der elektronische Beleg auf dem Vormarsch. Allein im sogenannten Datenbunker von Datev landen monatlich 7 Millionen neue Belege. 
 

Partylaune für den neuen Chef

Aufträge wird das Unternehmen auch künftig haben, selbst wenn sich das Wachstum kaum beschleunigen dürfte. Gerade erst haben die Nürnberger am Stammsitz einen neuen Gebäudekomplex eingeweiht. Nicht zuletzt deshalb kletterten die Investitionen 2014 gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent auf rund 108 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis erreichte 52 Millionen Euro. Davon wurden 37 Millionen Euro an die mehr als 40.000 Mitglieder der Genossenschaft ausgeschüttet. Datev selbst beschäftigt rund 6.800 Mitarbeiter.

Wenn zum 1. April 2016 im 50. Jubiläumsjahr der Genossenschaft der Führungswechsel stattfindet, übergibt Kempf seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus. Der neue Frontmann Robert Mayr kann gleich zum  Start gemeinsam mit dem Unternehmen seinen eigenen 50. Geburtstag feiern.
Wie mit den Partys steuerlich umzugehen ist, weiß Robert Mayr ganz genau. Schließlich ist er selbst ausgebildeter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zu den beruflichen Stationen des promovierten Betriebswirtes zählten die Berliner Treuhand und die Transaktionsberatung Deloitte. Seit 2011 ist er im Vorstand von Datev.