Die App Barcoo bringt inzwischen über 14 Millionen Downloads auf die Waage. Reichlich Nutzer also, die per Scan Preise und Produkte vergleichen, Informationen abrufen. Ideale Voraussetzungen also, um damit auch in das Beacon-Business einzusteigen. Dort ist Barcoo auch mit einigen spannenden Piloten präsent. Doch um den US-Rivalen Shopkick im Zukunftsmarkt aus dem Feld zu boxen, setzt Gründer Benjamin Thym mehr auf die neue Anwendung Wunderkauf. Warum eigentlich?

Barcoo-Gründer Benjamin Thym (Foto: Barcoo)
Barcoo-Gründer Benjamin Thym (Foto: Barcoo)

Wer derzeit in Berlin durch das SB-Warenhaus einer großen Handelskette geht, kommt auch an Aufstellern vorbei auf denen ein großer Getränkehersteller mit Angeboten per Beacon lockt. Es ist dies nicht der erste Test bei dem die Bluetooth-Technologie im Verbund mit der Barcoo-App Aktionen und Infos auf das Handy beamt. Shops eines Sportartikelherstellers aber auch MyMuesli in München nutzen Barcoo und Beacon für Marketingaktionen, schicken Passanten Push-Nachrichten auf das Smartphone.

Barcoo beamt auch Angebote aufs Handy (Foto: Barcoo)
Barcoo beamt auch Angebote aufs Handy (Foto: Barcoo)
Erste Gehversuche. Thym denkt weiter. Er weiß, ein paar Schnäppchen und ein paar Loyalty-Punkte dürften auf Dauer nicht ausreichen, um Kunden langfristig für die Nutzung zu begeistern. Thym: „Walk-by-Promotions versteht zwar jeder Händler. Nur der Konsument findet es nicht so cool, wenn das eines Tages jeder macht.“ Die Zukunft muss dem Kunden also mehr bieten als geo-lokalisiertes Schweinebauchanzeigen-Geklingel.

Mehr als simple Promotions im Vorbeigehen

Statt simpler Walk-by-Promotionen plädiert er daher beispielsweise für das zeitversetzte Senden von Angeboten. Beispielsweise passende Weinangebote, wenn der Nutzer sonntags auf der Couch sitzt, und die App erkannt hat, dass der Nutzer gerne länger in der Weinabteilung eines Ladens flaniert. Oder auch spezielle Display-Werbung im Laden, die  je nach Kunden personalisierte Offerten anzeigt. Das soll erst der Anfang sein. Thym „Wir wollen neue kreative Ideen gemeinsam mit den Unternehmen entwickeln.“

Beim Einkaufsbummel in der Stadt über aktuelle Angebote informieren, dass will in Deutschland jetzt auch die App Shopkick. Zusammen mit Douglas, Media Markt, Saturn, OBI, Karstadt, Procter & Gamble, Henkel und ProSiebenSat.1 als strategischer Partner startet der US-Marktführer für Shopping-Apps jetzt in Deutschland das große Werbegelingel aufs Handy. In den USA belohnt die App bereits für den Besuch einer Filiale mit attraktiven Bonuspunkten, genannt "Kicks", sowie Prämien. Als erster Lebensmittelhändler in Deutschland bietet der Discounter Penny die Möglichkeit, mit der Shopkick-App beim Einkauf Bonuspunkte zu sammeln. Allein für das Betreten einer der bundesweit 2.200 Filialen bekommen Kunden nun "Kicks" gutgeschrieben. Hinzu kommen weitere Bonuspunkte für das Scannen ausgewählter Marken-Produkte. Zeitgleich startet in dieser Woche eine breit angelegte Werbekampagne auf den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe.

2015 kommt für Wunderkauf der "Big Bang"

Das Werbefeuerwerk kommt Thym gar nicht einmal ungelegen. Er hofft auf mehr Aufmerksamkeit für das Beacon-Konzept. Zudem muss Shopkick erst einmal die Größenordnung von Barcoo erreichen. Denn während der US-Kassenschlager im Heimatmarkt Schätzungen zufolge eine Million aktive Nutzer erreicht, bringt es Barcoo hierzulande bereits auf zwei Millionen aktive Scanner.

Wunderkauf liefert hochgradig personalisierte Angebote (Foto: Wunderkauf)
Wunderkauf liefert hochgradig personalisierte Angebote (Foto: Wunderkauf)

Und dennoch will Thym mit der Neuentwicklung Wunderkauf nun im eigenen Segment „wildern“. „Wir werden massiv in Wunderkauf investieren“, kündigt Thym an und will seinerseits 2015 mit erheblichen Kommunikationsanstrengungen für die Spar-App werben. Dann soll Wunderkauf seinen „Big Bang“ erleben.

Hoffnung Nummer 1: Reichlich Barcoo-Nutzer, die auch die neue App nutzen und Wunderkauf via Barcoo aktivieren können.

Hoffnung Nummer 2: Ein Konzept, dass dem Kunden hochgradig personalisierte Angebote liefert und so den vielfach befürchteten Nervfaktor der Werbung auf dem Handy ausschaltet.

Detailseite eines Angebots (Foto: Wunderkauf)
Detailseite eines Angebots (Foto: Wunderkauf)
Dazu kann der Nutzer unter anderem seine liebsten Kategorien, Läden oder Produkte per Wisch auswählen. Die App blendet dann andere Werbeprospekte aus. Auch das Barcoo-Erbe ist erkennbar: So kann der Nutzer auch die Produkte in seiner Wohnung scannen. Er bekommt dann nur Infos zu Produkten, die er kauft.

Damit differenziert sich Wunderkauf außerdem von dem Prinzip digitalisierter Handzettel. Ein Segment, das ohnehin von Springers KaufDa und den kürzlich übernommenen Rivalen MeinProspekt dominiert wird.

Vielleicht der spannendste Aspekt verbindet sich aber mit Hoffnung Nummer 3. Der Netzwerk-Effekt. Thym schwärmt von den sozialen Elementen, die mit Wunderkauf möglich sind. So ist es denkbar, dass Nutzer einen Coupon erst freischalten können, wenn sie ihn mit ihren Freunden geteilt haben.

Digitale Werbekostenzuschüsse locken

Markenherstellern und Händlern dürften solche Elemente besonders gut gefallen. Letzteren hat das Thema Beacon ohnehin elektrisiert, seit dem er festgestellt hat, dass sich auf diesem Wege digitale Werbekostenzuschüsse (WKZ) von der Industrie generieren lassen und die ohnehin vergleichsweise günstige technische Einrichtung damit quasi zum Nulltarif zu haben ist.

Fest steht: Wunderkauf will mehr sein als eine reine Loyalty-Lösung. Auch wenn sich Thym („Wir haben noch jede Menge coole Ideen“) durchaus eine Kooperation mit Treuekonzepten wie Payback vorstellen könnte.