Einzelhändler orientieren sich stärker an Werten als Unternehmer anderer Branchen - das zeigt eine Studie der Commerzbank.

Der Schirmherr war nur wenig gefragt. Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland, konnte sich nach der Präsentation der Studie „Wirtschaft im Wertewandel" zurücklehnen, das Interesse der Journalisten konzentrierte sich völlig auf Markus Beumer, der im Vorstand der Commerzbank das Mittelstandsgeschäft verantwortet.

„Gibt es noch Kredite für die Unternehmen?" „Wie lange wird die Krise noch dauern?" Diese Fragen überlagerten das eigentliche Thema der Pressekonferenz vollständig. Dabei war die sechste Umfrage aus der Reihe „UnternehmerPerspektiven", die Anfang Oktober in der Commerzbank vorgestellt wurde, durch die Bankrotterklärung des Raubtierkapitalismus im Grunde hoch aktuell. 

Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
„Die dramatischen Entwicklungen, die wir gegenwärtig erleben, geben die Chance, Wirtschaft und Ethik wieder zusammenzuführen", diktierte der Bischof den Journalisten in die Notizbücher. Die suchten im 49. Stock des Commerzbank-Hochhauses freilich eher schnelle Schlagzeilen, für moralische Appelle ist in den Spalten der Wirtschaftszeitungen kein Platz.

Einheitlicher Wertekanon

Unter der Überschrift „Wirtschaft im Wertewandel - Unternehmertum und Verantwortung" hatten die Meinungsforscher von TNS Infratest im Auftrag des Kreditinstituts bei rund 4.000 mittelständischen Unternehmern erfragt, welche Bedeutung Werte, Moral und Verantwortung in der Führung von Unternehmen spielen.

Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Deutlich zeigt sich dabei, dass ältere Unternehmer stärker an Werten orientiert sind als jüngere. Allerdings werden über die Generationen hinweg vergleichbare Prioritäten im Wertekanon gesetzt: Verlässlichkeit, Leistungsbereitschaft, Kompetenz, Weitsicht und Fairness sind für alle befragten Unternehmer die wichtigsten Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit.

Wie schon im vergangenen Jahr ließ die Commerzbank exklusiv für das Wirtschaftsmagazin Der Handel eine Sonderauswertung der Studie anfertigen. Die insgesamt 469 Einzelhandelsbetriebe und 774 Großhändler, die innerhalb der Untersuchung befragt wurden, ergeben eine repräsentative Stichprobe für die mittelständischen Unternehmen der Branche.

Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008

Exklusive Auswertung

Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ist die Handelsbranche danach in einem ausgeprägteren Maße werteorientiert. So geben die befragten Händler den genannten „typischen Unternehmertugenden" ein besonderes Gewicht. Noch deutlicher als in anderen Branchen wird der Eigentümer oder Geschäftsführer als prägend für die Werte und Kultur des Unternehmens angesehen.

Kein Wunder daher, dass ein Wechsel an der Unternehmerspitze für rund 67 Prozent der befragten Händler „tief greifende Veränderungen" des Unternehmenscharakters zur Folge hätte. Die Nachfolgeproblematik steht damit nur knapp hinter dem Einfluss, den die Handelsunternehmer wirtschaftlichen Engpässen und Krisen als „prägende Ereignisse" beimessen.

Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Deutlich wird in der Sonderauswertung auch, dass viele mittelständische Händler offenbar mit deutlichen strukturellen Veränderungen in der Branche rechnen. Denn die „Veränderung der Absatzmärkte" landet auf Platz drei der unternehmerischen Herausforderungen.

Hanno Bender

Dieser Artikel ist in der November-Ausgabe von Der Handel erschienen

Hier finden sie die jeweiligen Sonderauswertungen zum Download:
Der Chef gibt die Richtung vor Foto: Zurich
Der Chef gibt die Richtung vor Foto: Zurich
und
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
Quelle: UnternehmerPerspektiven 2008
.