Die Wettbewerbszentrale zählte 2012 deutlich mehr Fälle mit irreführenden oder intransparenten Preisen - quer durch alle Branchen. Dafür beschwerten sich weniger Konsumenten über belästigende Werbung.

Beim Preis wird immer mehr gemogelt: Bei der Wettbewerbszentrale wurden im vergangenen Jahr fast 2.000 Fälle mit irreführenden oder intransparenten Preisen bearbeitet - das waren etwa 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Das geht quer durch alle Branchen", sagte Reiner Münker, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs am Dienstag in Bad Homburg. Als Beispiele nannte er Handyverträge mit versteckten Kosten oder Werbung für Möbel, Musikinstrumente oder gar Socken, die im Preis nur scheinbar reduziert sind. Auch Banken arbeiteten nicht immer transparent.

Bei der Werbung mit Preisen werde geschummelt, indem entweder zusätzliche Kosten unterschlagen oder Ersparnisse vorgetäuscht würden, die tatsächlich nicht gegeben seien. Einige Unternehmen hätten sich auf besonders hohe Vergleichspreise bezogen, die es tatsächlich gar nicht gab. Ein Elektrohandelsunternehmen habe beispielsweise den Verbrauchern schöne Angebote, aber einen Preisvergleich im Grunde unmöglich gemacht: Es warb für Haushaltsgeräte unter Angabe der jeweiligen Marke, des Preises und verschiedener technischer Details wie etwa Füllmenge, Schleuderrate, Energieeffizienzklasse, gab jedoch nicht die Typenbezeichnung der Geräte an.

Sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht Stuttgart (nicht rechtskräftig) entschieden, dass die genaue Typenbezeichnung als wesentliches Merkmal der Ware zur Orientierung der Verbraucher und zur Ermöglichung eines Preisvergleichs in der Werbung angegeben werden muss.

Weniger Beschwerden über Werbung

Hingegen beschwerten sich immer weniger Verbraucher über belästigende Werbung wie unerwünschte Telefonanrufe von Firmen. Die Zahl dieser Beschwerden habe sich auf rund 100 Fälle halbiert. Etwa 400 Mal wurde demnach verbotene E-Mail-Werbung reklamiert, diese Zahl habe sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert.

Wegen verletzter Informations- und Kennzeichnungspflichten habe es knapp 7.500 Beanstandungen gegeben, was ein Plus von 4,5 Prozent bedeutet. Insgesamt hat die Selbstkontrollinstitution für fairen Wettbewerb im vergangenen Jahr 13.000 Fälle bearbeitet. Diese Zahl bleibe seit Jahren in etwa gleich. In den allermeisten Fällen akzeptierten die Unternehmen die Beanstandungen, sagte Münker. In rund 700 Fällen führte die Wettbewerbszentrale Gerichtsprozesse, weil keine außergerichtliche Einigung möglich war. Vor allem beschäftigten sich die Wettbewerbsschützer mit der Gesundheitsbranche, dem Groß- und Einzelhandel sowie den Internet-Auktionshäusern.