Der Generalbevollmächtigter ist weg, ein Investor ist nicht in Sicht: Sechs Wochen nach der Bekanntgabe der Insolvenz wird nun über die Zerschlagung des Handelskonzerns Arcandor spekuliert.

Bei Arcandor wird die Suche nach einem dringend benötigten Investor immer mehr zur Zitterpartie. Der Sanierungsexperte Horst Piepenburg hat dem Großaktionär Sal. Oppenheim mangelnde Unterstützung vorgeworfen und daraufhin als Generalbevollmächtigter gekündigt.

Es ist zudem still um die mögliche Fusion mit dem Wettbewerber Kaufhof geworden. Die Metro-Tochter möchte 60 Karstadt-Häuser übernehmen - dies betonte Kaufhof-Chef Lovro Mandac in einem Interview mit Der Handel. Doch nun seien erst einmal "die Essener am Zug", sagte ein Metro-Manager gegenüber Der Handel.

Nun rückt laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eine Zerschlagung des Konzerns womöglich näher. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick habe Investmentbanken als "Plan B" beauftragt, Möglichkeiten für einen Teilverkauf der Warenhauskette Karstadt und des Versandhändlers Primondo auszuloten, berichtet das Magazin.

Eklat in der Chefetage

Die Privatbank Sal. Oppenheim betonte, sie wolle ein mögliches Engagement von der Vorlage eines Sanierungskonzepts abhängig machen. Bis dato liege allerdings kein Konzept vor, hieß es in einer Mitteilung der Bank.

Man sei "selbstverständlich an einer tragfähigen Lösung zur Sanierung des Unternehmens interessiert", teilte die Bank mit, ohne konkrete Zusagen zu machen. Die Gesellschafter des Bankhauses halten knapp ein Viertel der Arcandor-Anteile, größte Einzelaktionärin ist die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die über einen Pool einen Anteil von 26,7 Prozent hält.

Streitpunkt mit der Bank sei eine von dem für Arcandor-Sanierungsexperten Piepenburg eingeforderte feste Zusage von Sal. Oppenheim, sich nach Zustimmung durch die Gläubiger an dem Sanierungsplan des Unternehmens zu beteiligen, hieß es aus dem Umfeld des Sanierungsexperten. Dies sei jedoch nicht erfolgt. Piepenburg hatte daraufhin sein Mandat niedergelegt und damit für einen Eklat gesorgt.

"Wir erhalten uns sämtliche Optionen"

Ohne die Unterstützung des Großaktionärs Sal. Oppenheim habe die angestrebte Insolvenz in Eigenregie keine Grundlage, teilte Piepenburg mit. Der Sanierungsexperte soll in dem Verfahren jedoch weiter als Berater tätig sein.

Der Rückzug von Piepenburg hat nach Einschätzung des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg jedoch keine Auswirkungen auf das Insolvenzverfahren. "Wir erhalten uns sämtliche Optionen, die Unternehmen der Arcandor Gruppe zu sanieren - auch die Möglichkeit von Insolvenzplanverfahren werden wir im Auge behalten", so Görg.

Zerschlagung immer wahrscheinlicher

Unter der Regie von Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick läuft unterdessen die Suche nach möglichen alternativen Investoren weiter, kündigte ein Unternehmenssprecher an. Ein Konzept soll bis spätestens Ende August vorgelegt werden.

Mittlerweile halten einige Analysten eine Zerschlagung des Konzerns für wahrscheinlich. "Noch nie war das Zerschlagungs-Szenario so nah wie heute", sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch aus Sicht vom Analysten Sebastian Hein von Bankhaus Lampe läuft derzeit alles auf eine Zerschlagung hinaus.

Insolvenzverfahren im September

Der Experte glaubt nicht, dass es Arcandor gelingt, in der verbleibenden Zeit einen alternativen Geldgeber zu Sal. Oppenheim zu finden. Für einen neuen Investor dürfte es sehr schwierig werden, sich anders zu entscheiden als der Großaktionär, der einen tiefen Einblick in das Unternehmen hat, sagte er.

Voraussichtlich Anfang September soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Nach der Vorlage der ersten Insolvenzanträge am 9. Juni haben mittlerweile rund 40 Arcandor-Töchter Anträge eingereicht.