An Ideen mangelt es nicht
, am Zusatznutzen wird gearbeitet, und dennoch: Das mobile Bezahlen tut sich in Deutschland noch schwer. Allgemeine Kritik an Payment-Studien wird laut, und wo selbst technisch aufgeschlossene Early Adopter und Meinungsführer wie Carsten Knobloch irgendwann genervt aufgeben, da drängt sich die Frage auf: "Wie kann sich Mobile Payment in Deutschland zukünftig weiter entwickeln?" 
Dazu ein paar Leitfragen und Gedanken von meiner Seite, die ich gerne ergänzt, bestätigt oder bestenfalls sogar widerlegt wissen möchte.

1. Geringere Verbraucherakzeptanz, da geringerer Zusatznutzen als in anderen Märkten

Mobile Payment lockt. Das "Bezahlen per Smartphone" ist ein echter Game Changer. Nur vorerst nicht in Deutschland.
  • In "Schwellenländern", in denen keine, oder weniger Payment-Infrastruktur vorhanden ist (Geldautomaten an jeder Ecke in "Steinwurfweite", EC- und KK-Systeme) wird Mobile Payment den Handel verändern: Es schafft Infrastruktur für Transaktionen, die bis dato noch gar nicht vorhanden ist. Ein Handy oder ein Smartphone hat bald jeder. Smartphones? Richtig: In westlichen Märkten wenig bekannt, da hier lediglich die Top-Geräte der Hersteller im Fokus der Öffentlichkeit stehen, stellen alle großen Hersteller günstige Budget-Geräte für diese Märkte her. Zum Beispiel Nokia mit der "Asha"-Serie, die neben der Lumia-Reihe in westlichen Märkten kaum bekannt ist, da sie nicht beworben wird. Zudem lockt das Handy beziehungsweise das Smartphone in Schwellenländern längst Entwickler und auch Risikokapitalgeber, um entsprechende Anwendungen und Ökosysteme zu schaffen. Erfahrung und Expertise ist vorhanden: In afrikanischen einigen afrikanischen Ländern gibt es Entwicklerszenen, die sich darauf spezialisiert haben, Apps- und entsprechende Ökosysteme für Budget-Geräte zu entwickeln. Selbst für klassische Handys, die in westlichen Märkten "Altgeräte" darstellen und die herstellerseitig schon seit Jahren nicht mehr unterstützt werden trifft das zu.Hier startet die Möglichkeit für mobile Transaktionen also letztlich unter ganz anderen Vorzeichen: Man steht in den Startlöchern und Verbraucher und Handel warten darauf.
  • Deutschland ist ein "Nachzügler" in der Verbreitung des mobilen Internet. Erfunden in Japan (dort hat man sich nie die Mühe gemacht, seinen Technikstandard außerhalb der eigenen Insel zu etablieren) und in Südkorea adaptiert, wurde es in den USA "wiedererfunden" und hat erst über diesen Weg Europa erreicht. Die Folge: Auch wenn das von den Mobilfunkcarriern gern anders dargestellt wird, gib es in Deutschland noch sehr viele Gebiete, die man durchaus als "Disconnected" bezeichnen kann. Sei es mangels Infrastruktur in ländlichen Regionen, oder aber mangels ausreichend Kapazitäten in Ballungsräumen zu Spitzenzeiten (Bsp. Fußballstadien oder andere Großereignisse, bei denen viele Anwender gleichzeitig zusammenkommen). Eine flächendeckende Bereistellung von Mobile Payment in Echtzeit und im Sinne eines "Always On"-Gedankens (->Verlässlichkeit), gibt es in Deutschland also nicht. In Kombination mit der bereits etablierten und bekannten Payment-Infrastruktur in Deutschland (->Zusatznutzen) warten viele Verbraucher zunächst also erst einmal ab. Und warten, und warten...
Die Fragestellung: Was müssen Infrastruktur-Anbieter, Dienstleister -und vor allem aber auch Händler- für Anreize, Benefits und Zusatznutzen schaffen, um für mehr Akzeptanz zu sorgen? 

2. Fragmentierung des Marktes: Der "Payment War" als Hindernis der Marktentwicklung

Hier sagen zwei Mindmaps zum "Payment War" von Branchenexperte Andre Bajorat mehr als tausend Worte:
  • Payment-Anbieter in der Übersicht 
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  • Allianzen im "Payment War"
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Die Fragestellung: Wenn Branchenbeobachter schon Mühe haben, den Markt noch zu überblicken, woran sollen sich dann erst Verbraucher orientieren und für neue Systeme und Verfahren begeistern können?

3. Mangel an Transparenz in Haftungsfragen und Risikobeurteilung

Schwerpunkt im Mai: Payment
Schwerpunkt im Mai: Payment
Mobile Payment "platzt" in Deutschland in ein Umfeld, in dem Internet-Betrugsmaschen immer häufiger und intensiver diskutiert werden und auch mittlerweile über die Massenmedien kolportiert werden. Skimming, Phishing, Betrügereien über Sammelkonten, gehackte Datenbanken von Online-Shops, "Android als Gefahrenquelle", etc.
Auch große Shop- und Infrastruktur-Anbieter scheinen davor nicht gefeit. Wenn das Smartphone aber künftig die Geldbörse ersetzen soll, beziehungsweise Kunden in einer "Übergangsphase" beides mit sich führen müssen, steigt deren Risiko: Wird die Geldbörse gestohlen oder geht verloren, ist das schon schlimm genug, kommt das Smartphone abhanden, ist das heute bereits schon ein mit Risiken behaftetes Ärgernis. Ist das Smartphone jedoch auch gleichzeitig die Geldbörse, dann wird es kritisch: Hier mangelt es noch ganz klar an einer offenen Kommunikation seitens der Anbieter. Im Rückgriff zu 1., einem bis dato relativ geringen Zusatznutzen aus Kundenperspektive, ergibt sich hieraus weitere Skepsis und eine entsprechend abwartenden Haltung: "Wer haftet wann, wie, wo, und welcher Art sind überhaupt die Sicherheits-und Missbrauchsrisiken, welche Meldestellen- und Fristen gibt es, wie verhält es sich mit der Beweislast? 

Die Fragestellung: Wie können es Anbieter vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten schaffen, hier für Standards zu sorgen, Lösungen offen zu kommunizieren und so auch Vorurteile und Skepsis abbauen? [Je geringer der Zusatznutzen, desto höher sollte diese Fragestellung gewichtet werden.] 

Ich bin am 14.05. Referent beim 8. Payment Kongress in Frankfurt/Main zu Gast. Thema: "Zukunftspotenziale und Hindernisse für das Mobile Payment in Deutschland".  Lösungsansätze, Kritik, Anregungen und Einsprüche, die heute oder im Laufe des morgigen Tages via Kommentarfeld (gern auch via Twitter, Facebook oder Xing: siehe @karstenwerner) auf mich zukommen würde ich gerne für das Diskussionspanel "PAYMENT Night Talk" mitnehmen.