Händler müssen Kunden einen guten Grund geben, um in  ihr Geschäft zu kommen. Neue Technologien können ihnen dabei helfen. Volker Scharnberg von Mood Media zeigt auf, wie das aussehen kann.

Neue Technologien können Händler und Marken maßgeblich dabei unterstützen, ihre Kunden im Geschäft rasch zu binden und individuell zu betreuen. Das meiste davon ist gar nicht so futuristisch, wie es sich zunächst anhört. Dank stetiger Fortschritte in den Bereichen Virtual und Augmented Reality, dem 3D-Druck und der Beacon-Technologie sind immer mehr Marken in der Lage, einzigartige Shopping-Erlebnisse anzubieten und ihre Kunden nachhaltig zu beeindrucken. Wenn 7-Eleven erstmalig eine Bestellung per Drohne ausliefert und in Adler Modermärkten ein Roboter die Kunden zum gesuchten Produkt führt, dann, so scheint es, ist alles möglich im modernen Einzelhandel.

Virtual und Augmented Reality

Vor allem Virtual und Augmented Reality haben ein disruptives Potenzial; sie können den Einzelhandel innerhalb weniger Jahre stark verändern. Der riesige Erfolg von Pokémon Go zeigt, wie schnell Augmented Reality Teil unseres alltäglichen Lebens werden kann. Gut möglich also, dass wir in einigen Jahren mit Datenbrillen durch eine Möbelausstellung laufen. Über die Brille bekommen wir Informationen zu den Sesseln und Sofas angezeigt, legen sie per Klick auf den Brillenbügel oder per Sprachbefehl in den digitalen Warenkorb und bekommen sie später nach Hause geliefert.

Mittels Virtual Reality können vor allem Marken aus den Bereichen Reise, Sportartikel und Mode ein beeindruckendes Erlebnis schaffen, indem sie den potenziellen Käufer ein Produkt in seiner Umgebung erleben lassen. Tommy Hilfiger beispielsweise setzt seine Kunden im Laden mittels VR-Brillen in die erste Reihe der Modenschau. Auch für die Reisebranche ist VR interessant, können sich die Kunden doch vor der Karibikreise schon einmal vor Ort umsehen - und letztendlich zur Buchung animiert werden. Oder sie testen die neue Skiausrüstung bereits vor dem Kauf in den Alpen. VR hat das Potenzial, banale Einkaufstouren in bunte, adrenalinreiche Erlebnisse zu verwandeln.

3D-Druck

Noch in den Kinderschuhen steckt der 3D-Druck. In nicht allzu ferner Zukunft wird er Marken die Möglichkeit geben, das Sortiment nachfragebezogen wieder aufzufüllen und Produkte wie Spielzeug, Schmuck, Spiele und Einrichtungsgegenstände kundenbezogen zu individualisieren. Marken wie Nike und Adidas sehen bereits das Potenzial, ihren Kunden künftig personalisierte Schuhe anzubieten, die nach deren individuellen Maßen und Anforderungen direkt im Geschäft gefertigt werden.

Beacons und mobile Technologien

Eine Technologie, die wir bereits zunehmend im stationären Handel sehen, sind Beacons. Smartphones, die oft als Ablenkung für den Käufer gelten, können so im Dienste des Einzelhändlers eingesetzt werden. Mittels Bluetooth-basierter Beacons oder der Presence-Signaltechnologie, die auf einem nicht hörbaren Audio-Signal basiert, können wir dem Kunden jetzt im Geschäft Markenbotschaften über eine App auf ihr Smartphone oder iPad spielen - zum Beispiel personalisierte Rabattcoupons, Sonderangebote oder besondere Services zur Kundenbindung. Letztere können individualisierte Trend-Empfehlungen sein oder auch Hilfestellung bei der Produktauswahl.

Diese spannenden, technologischen Fortschritte stellen den Markenartiklern eine Vielzahl neuer Möglichkeiten in Aussicht und sind imstande, den Einzelhandel innerhalb weniger Jahre entscheidend zu verändern. Es ist jedoch ein schmaler Grat zwischen der intelligenten, sinnvollen Interaktion mittels modernster Technologien und dem überladenen, letztendlich störenden Hightech-Spektakel. Hochmoderne Features dürfen niemals zum Selbstzweck werden, sondern müssen im Endeffekt die folgenden Ziele unterstützen:

1. Schätzen Sie die Zeit Ihrer Kunden wert
Zeit ist heute ein hohes Gut. Als zu lang wahrgenommene Wartezeiten im Geschäft sollten unbedingt vermieden werden, zum Beispiel durch Self-Checkouts, interaktive Displays, an denen der Kunde alle notwendigen Informationen selbst abfragen kann, oder Click & Collect. Sind Wartezeiten unvermeidbar, können sie sinnvoll gefüllt werden, z.B. durch Entertainment- oder Infoscreens an der Kasse.

2. Bieten Sie einen Zusatznutzen
Die Kunden erhalten in dem Moment, in dem sie sich einem bestimmten Verkaufsbereich nähern, ein attraktives Angebot oder eine Styling-Empfehlung auf ihr Mobiltelefon. Perspektivisch werden die Location Based Services immer individueller auf den Konsumenten zugeschnitten. Interaktive Touchscreens wiederum ermöglichen den Kunden, ihr Produkt mit wenigen Klicks und Handbewegungen zu personalisieren und individuell zu designen.

3. Begeistern Sie durch besondere Erlebnisse
Villeroy & Boch simuliert mittels Virtual Reality-Brillen den Kunden im Geschäft das persönliche Traumbad. Die Volvo Reality App bietet dem Nutzer schon seit längerem Probefahrten im Volvo XC90 an. Beide Beispiele zeigen, wie nah die VR-Technologie schon am Markt ist und sich vor allem für emotionale Markenerlebnisse und visuelles Storytelling eignet.

Neue Technologien müssen einen deutlichen Mehrwert für den potenziellen Käufer bieten, um sich am Massenmarkt durchzusetzen. Werden sie intelligent und nutzbringend eingesetzt, können wir uns auf viele spannende, facettenreiche Shopping-Erlebnisse freuen.

Volker Scharnberg ist Sales Director bei dem Instore-Medienanbieter Mood Media Deutschland.