Was Autohändler angesichts des Abwrack-Booms beachten sollten und wie sie sich für die Zeit danach rüsten können, erklärt Jürgen Stackmann, Geschäftsführer Marketing und Verkauf bei Ford.

Foto: Ford
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Herr Stackmann, von den großen drei amerikanischen Autobauern beherrschen zurzeit General Motors und Chrysler die Schlagzeilen. Wie geht es eigentlich Ford?

Wir haben eine intensive Phase der Umstrukturierung abgeschlossen, sind liquide und handlungsfähig. Das Unternehmen hat wieder trockenen Boden unter den Füßen.

Haben sich die Turbulenzen bei Ford auf dem US-Markt denn auch im Europa- und Deutschland-Geschäft ausgewirkt?

Natürlich. Doch jetzt verfügen wir über eine zukunftsträchtige Strategie. Die nächste Generation unserer Klein- und Kompaktwagen wird in Europa für die Weltmärkte entwickelt. Darin steckt enormes Potenzial.

Aber aktuell brechen die Märkt ein?

Die gesamte Branche hat im ersten Quartal in den 19 wichtigsten europäischen Ländern 900.000 Einheiten verloren. Davon können auch wir uns nicht abkoppeln. Wir mussten einen Rückgang um 60.000 Einheiten hinnehmen. Aber beim Marktanteil haben wir um einen halben Prozentpunkt auf 9,4 Prozent zugelegt - der beste Wert seit mehr als zehn Jahren.

Und in Deutschland?

Auch hier haben wir im ersten Quartal unseren Marktanteil gesteigert, um 1,7 auf 7,5 Prozent. Im April lagen die Auftragseingänge mit 21.000 Einheiten und die Zulassungen mit 28.497 Einheiten jeweils 30 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Sie hatten Glück mit der Einführung von Ka und Fiesta. Die beiden Kleinwagen kamen für die Abwrackprämie genau zur rechten Zeit.

Sicher konnten wir das nicht planen - wir haben in den ersten drei Monaten des Jahres etwa 30.000 Fahrzeuge durch die Abwrackprämie abgesetzt. Aber wir befinden uns auch so auf einem guten Weg. Das Privatkundengeschäft wuchs überdurchschnittlich und im Flottengeschäft haben wir lediglich vier Prozent eingebüßt, während der Gesamtmarkt um 14 Prozent schrumpfte. Ein Erfolgsgarant ist unser Flatrate-Leasing-Programm, das wir jetzt erstmals auch für Gewerbekunden anbieten. Für Focus und S-Max haben wir neue Business-Ausstattungspakete geschnürt - mit einem Preisvorteil bis zu 1.150 Euro.

Beim zuständigen Bundesamt sollen sich die Anträge auf Abwrackprämie stapeln. Die Rede ist von einer Million unbearbeiteten Formularen. Viele Händler haben die Prämie für ihre Kunden vorfinanziert - und zahlen jetzt happige Zinsen?

Wir haben unseren aktuell 541 Partner mit rund 1.800 Standorten von Anfang an von dieser Zwischenfinanzierung abgeraten, zumal sie sich das Geld über ihre Hausbanken zu den üblichen Zinssätzen beschaffen müssten. Der überwiegende Teil ist unserem Rat gefolgt.

Was kann ich denn als Händler tun, um nach dem Auslaufen der Prämie am 1. Januar 2010 nicht in ein tiefes Loch zu fallen?

Hier haben wir bereits mit der Arbeit begonnen und pflegen intensiv den Kundenstamm. Sicher werden im nächsten Jahr weniger Kleinwagen gekauft, aber die anderen Segmente laufen schließlich weiter. Der deutsche Markt ist ja nicht tot und wir sehen erste Anzeichen für eine Belebung schon im zweiten Halbjahr 2009. Pro Jahr werden hierzulande auch künftig um die drei Millionen Pkw neu zugelassen. Nicht mehr, aber auch nicht viel weniger. Entscheidend ist, wer da die attraktivsten Angebote macht und sich das größte Stück vom Kuchen abschneiden kann.

Interview: Bernd Nusser