Vom Traditionshändler zum Ramschladen: Im Quelle-Ausverkauf purzeln die Preise, eine Lotterie entscheidet über manche Warenzuteilung. Auf der Website ist von der Insolvenz keine Rede.

Auf der Internet-Seite des insolventen Versandhauses Quelle hat der Ausverkauf begonnen. Mit teils sagenhaften Preisnachlässen sollen die Artikel verscherbelt werden.

So wurde eine dreiteilige Möbelgarnitur mit Sitzecke, Couchtisch und Anrichte am Freitag für 55 Euro anstatt 3.200 Euro angeboten. "Bei mehr als 10 Bestellungen entscheidet das Los", hieß es. Viele andere Produkte sind ebenfalls mit Rabatten ausgezeichnet.

Schöne, heile Welt

So kostet ein Damenkleid 27,99 statt 69,99 Euro, eine Herren- Armbanduhr 64,99 statt 129,99 Euro, und eine Waschmaschine gibt es für 499,99 statt 699,99 Euro.
Mit den Erlösen aus dem Ausverkauf hofft der Insolvenzverwalter, die Mitarbeiter bezahlen zu können, die für die Abwicklung des Unternehmens noch einige Wochen lang gebraucht werden.

Ein Hinweis auf den Zusammenbruch des Unternehmens fand sich auf der Internet-Seite von Quelle auch am Freitag nicht. Nach wie vor werden Besucher mit den Worten "Hallo lieber Kunde und herzlich willkommen auf quelle.de!" begrüßt.

Gestern wurde der Ausverkauf im Nürnberger Warenhaus von Quelle gestartet. Der Andrang war so groß, dass es unter anderem Staus auf den Rolltreppen gab.

Azubis suchen neue Stellen

Während die Kunden hinter den Schnäppchen her sind, spüren 150 Auszubildende als erste von mehreren tausend Quelle-Mitarbeitern die Folgen der Insolvenz ihres Unternhmens. Die jungen Leute sind an diesem Freitag in Fürth von der Agentur für Arbeit beraten worden. "Die Veranstaltung soll einer ersten Beratung dienen", erklärte der Teamleiter der Berufsberatung der Arbeitsagentur, Peter Haas.

Es gehe aber auch darum, vorsorglich Anträge zum Arbeitslosengeld auszufüllen. Insgesamt 100 Stellen könnten den Jugendlichen derzeit angeboten werden, sagte Haas.

Flexibel sein, rät die Arbeitsagentur

Bundesweit sind von dem Aus bei Quelle mehr als 200 Auszubildende betroffen. Haas appellierte an die Betroffenen, sich in der jetzigen Situation flexibel zu zeigen und auch zu kleineren, weniger namhaften Unternehmen zu gehen.

Der Leiter des Fachbereichs Berufsausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg, Udo Göttemann, berichtete, dass sich in den vergangenen Tagen bereits viele Unternehmen mit der IHK in Verbindung gesetzt und offene Stellen gemeldet hätten.