Mit Thomas Binder, Sierra Deutschland und Michael L. Flesch, MAB Development Deutschland, sprach derhandel.de über das gemeinsame Centerprojekt "Hofgarten Solingen" und den Zug in die Mittelstädte.

Der portugiesische Shoppingcenterentwickler Sonae Sierra und der niederländische Projektentwickler MAB Development errichten in der Solinger Innenstadt in einem Joint Venture das Shoppingcenter Hofgarten mit rund 28.000 Quadratmetern vermietbarer Bruttomietfläche und einem Investitionsvolumen von 120 Millionen Euro. Die Redaktion von derhandel.de sprach mit den Geschäftsführern der beiden Projektpartnern über den Standort Solingen und den Centerboom in den deutschen Mittelstädten.

Sie haben gerade Richtfest am Hofgarten-Center in Solingen gefeiert. Die Stadt ist umrahmt von attraktiven Einkaufsstädten wie Köln und Düsseldorf und Mega-Shoppingcentern wie etwa dem Centro in Oberhausen. Was macht Solingen als Centerstandort für Ihr Joint Venture attraktiv?
Thomas Binder: Solingen hat eine überproportionale Kaufkraft und allein im Stadtgebiet leben 167.000 Einwohner. Hinzu kommen 260.000 Einwohner aus den unmittelbaren Umfeldgemeinden, wobei wir das Einzugsgebiet sehr vorsichtig berechnet haben, da uns die Anziehungskraft der benachbarten Metropolen bewusst ist. Solingen hat bislang ein unattraktives Einzelhandelsumfeld, so dass die Menschen lieber nach Köln oder Düsseldorf zum Einkaufen gefahren sind. Mit unserem Center ermöglichen wir ein Einkaufserlebnis auch in Solingen und holen die Zentralität zurück in die Stadt.

Michael L. Flesch: Hinzu kommt die Lage des Centers, wir bauen auf dem Areal des ehemaligen Karstadthauses mitten in der Stadt in einer integrierten Lage. Die Hauptbushaltestelle ist direkt vor der Tür. Das sind die Plätze die der Handel bespielen muss.

Foto: Sonae Sierra
Foto: Sonae Sierra
Seit einiger Zeit zieht es die großen Centerentwickler verstärkt in die Mittelstädte, weil die Metropolen inzwischen besetzt sind und die Oberzentren ebenfalls langsam verteilt sind. Folgen die Mieter dem Zug in die Mittelstädte?
Binder: Solingen ist ein gutes Beispiel dafür, wie man in deutschen Mittelstädten erfolgreich Shoppingcenter bauen kann. Wir hatten bereits im Dezember einen Vermietungsstand von 75 Prozent und alle wesentlichen Ankermieter wie Saturn, H&M, Edeka, dm-drogeriemarkt, Deichmann und die Douglas Gruppe mit Douglas Parfümerie, Christ, Hussel und Thalia unter Vertrag. Konzepte wie Rituals, Tamaris, Xenos, Depot, McPaper, New York Nails und Jumex werden darüber hinaus erstmals in Solingen vertreten sein. Damit wird sich die Zahl der neu in Solingen vertretenen Filialisten auf zehn erhöhen. Derzeit sind wir bei der kleinteiligen Vermietung zwischen 50 bis 250 Quadratmetern, was üblicherweise nach den Ankermietern erfolgt. Es gibt bundesweit einen Trend, dass die Kaufkraft aus den Mittelstädten in die Oberzentren und Metropolen abfließt, weil der Handel dort in den vergangenen Jahren immer unattraktiver geworden ist. Hier setzen Entwickler wie Sierra und MAB, aber auch andere an, um die vorhandene Kaufkraft mit attraktiven Handelsplätzen zu binden. In den Mittelstädten steckt noch Potenzial für weitere Objekte.

Flesch: Es gibt in Deutschland unglaublich viele gesunde Mittelstädte. Nehmen Sie nur Offenburg als Beispiel, dort sind alle namhaften Projektentwickler im Rennen um das geplante Einkaufszentrum. Wir haben in Ulm den Zuschlag erhalten und freuen uns sehr, dort die Sedelhöfe realisieren zu dürfen.

Foto: MAB Development
Foto: MAB Development
Was ist die denn die Untergrenze? Ab wann ist eine Stadt zu klein für ein Shoppingcenter?

Flesch: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wir planen in Weil am Rhein ein Center mit der mfi AG. Das Städtchen hat 28.000 Einwohner, ist aber wegen seiner Lage im Drei-Länder-Eck und der Nähe zur Schweiz ein besonders interessanter Standort.

Binder: Wir haben vor einige Zeit in einer Studie ermitteln lassen, dass ein Shoppingcenter von 22.000 bis 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eine Stadt mit 100.000 Einwohnern und 250.000 Menschen im Einzugsgebiet braucht. Das ist die klassische deutsche Mittelstadt. Davon gibt es nach unseren Marktanalysen noch 15 bis 25 Städte, denen ein Shoppingcenter helfen könnte.

Aber die Handelsunternehmen werden doch immer vorsichtiger, expandieren zurückhaltender und stecken oft Investitionen lieber in den Onlineshop als in die nächste Ladeneröffnung.
Flesch: Das kann ich nicht bestätigen. Es gibt ein paar Händler, die aktuell wegen Liquiditätsprobleme nicht weiter expandieren. Aber für viele andere gilt: Wo will man heute in Europa expandieren, wenn nicht in Deutschland? Ich kann hierzulande keine Zurückhaltung beobachten.

Binder: Es gibt nach wie vor viele Menschen, die ein haptisches Einkaufserlebnis haben wollen. Die Rücklaufquoten im Online-Schuhhandel liegen bei 50 Prozent und das kommt ja nicht von ungefähr. Man geht eben doch einen Schuh kaufen, indem man ihn anprobiert. Allerdings muss der stationäre Handel ein wirkliches Einkaufserlebnis bieten, sonst wandern die Kunden ab. Wir bieten in unseren Centern, etwa Alexa in Berlin oder im Loop5 bei Darmstadt einen solchen Rahmen und eine Aufenthaltsqualität, die die Kunden verweilen lässt.

Flesch: Es werden heute doch auch ganz andere Center gebaut, als dies vor 5 oder 10 Jahren der Fall war. Wir haben heute viel mehr Erlebniskomponenten, etwa ausgedehntere Foodcourts und Kinos. Die Leute müssen im Sinne eines Erlebnisses in die Stadt geholt werde, dass ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Händler in der City und den Händlern in den Centern.

Herr Binder, Sonae Sierra baut regelmäßig Themencenter. Was wird das Thema in Solingen sein?
Binder: Solingen liegt im Bergischen Land und wir wollen das Hofgarten-Center mit diesem Umfeld assoziieren. Das heißt grüne Komponente, Stein, Natur und vertikal bewachsene Wände werden das Center prägen. Unsere Architekten und Designer arbeiten gerade an den Graphics, die das natürliche Landschaftsgebilde spiegeln sollen.

Interview: Hanno Bender

Zu den Unternehmen:
MAB Development zählt zur Rabo Real Estate Group, einem der größten europäischen Immobilienunternehmen, das seinerseits zur Rabobank gehört. MAB Development ist einer der großen europäischen Entwickler von Immobilien und Innenstadtprojekten in Europa. Hierzulande ist die MAB Development Deutschland vor allem durch das PalaisQuartier in der City von Frankfurt am Main bekannt. Zu dem innerstädtischen Quartier gehört das Shoppingcenter MyZeil, das Thurn und Taxis Palais, sowie ein Büro- und Hotelturm. Die Investitionssumme belief sich auf 1 Milliarden Euro. Michael L. Flesch ist seit 2007 Geschäftsführer von MAB Development Deutschland.

Sonae Sierra ist ein Shoppingcenterspezialist aus Portugal und Eigentümer von 47 Einkaufszentren. Das Unternehmen ist in 11 Ländern aktiv von Portugal, Spanien, Italien, Deutschland über Griechenland, Rumänien, Kroatien, Marokko, Algerien, Kolumbien bis nach Brasilien. Weltweit managen die Portugiesen mehr als 70 Einkaufszentren. In Deutschland gehören das Alexa in Berlin, das Loop5 bei Weiterstadt und die Münster Arkarden zu den Objekten von Sonae Sierra. Thomas Binder ist seit 2006 Geschäftsführer der deutschen Landesgesellschaft.