Die Hornbach-Gruppe konnte bei Umsatz und operativem Ertrag zulegen. In der gesamten DIY-Branche herrscht "nahezu euphorische Stimmung", sagt Albrecht Hornbach.

Albrecht Hornbach könnte die Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens mit beeindruckenden Zahlen beginnen. Der Vorstandsvorsitzende der Hornbach-Holding könnte beispielsweise den Nettoumsatz voranstellen, der im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres (Stichtag: 31. August 2009) um 4,8 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gestiegen ist.

Auch die Steigerung des operativen Betriebsergebnisses der Gruppe um 13,6 Prozent auf 132,4 Millionen Euro wäre angesichts des schwierigen konjunkturellen Umfelds in den Monaten März bis August ein gelungener Einstieg, um die Journalisten von der Leistungsfähigkeit des Baumarkt-Unternehmens zu überzeugen.

Das Erfolgsgeheimnis der Hornbach-Baumärkte

Doch Albrecht Hornbach hält die Zahlen erst einmal zurück - und stellt den Konsumenten an den Anfang seines Statements: "Unser Erfolgsgeheimnis sind zufriedene Kunden. Und wir freuen uns über die guten Ergebnisse, die Hornbach beim Kundenmonitor 2009 erzielen konnte".

Das kontinuierlich gute Abschneiden der Baumärkte bei der jährlichen Untersuchung zur Verbraucherzufriedenheit der ServiceBarometer AG sind dem Vorstandsvorsitzenden offenbar die wichtigste Nachricht, und das sagt viel über die Philosophie des Familienunternehmens aus.

"Kunden werden bei uns beraten als wären sie Familienmitglieder, individuell auf ihren Bedarf zugeschnitten", erläutert Hornbach. "Bei uns wird beraten und nicht verkauft, das schätzen die Verbraucher und Handwerker ebenso wie die Qualität unserer Produkte und die breite Auswahl."

Das Ergebnis dieser Bemühungen kann sich sehen lassen: Neben den Umsatz- und Ertragszuwächsen der Hornbach Holding AG konnten die 92 Bau- und Heimwerkermärkte in Deutschland ihre Umsätze auf vergleichbarer Verkaufsfläche um 3,1 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2007/08 steigern.

Branche mit leichten Umsatzeinbußen, Hornbach legt zu

Während die Umsätze der gesamten DIY-Bereich laut BHB-Branchenverband in den ersten sechs Monaten 2009 um 1,1 Prozent sanken, konnte der viertgrößte Baumarkt-Konzern in Deutschland seine Umsätze im gleichen Zeitraum flächenbereinigt um 1,3 Prozent ausbauen.

In den 38 Hornbach-Baumärkten im Ausland verhagelte das schwache osteuropäische Geschäft in Tschechien, Slowakei und Rumänien die Umsätze, die auf vergleichbarer Fläche um 0,3 Prozent zurück gingen.

Das Eigenkapital der Hornbach-Gruppe wuchs im Berichtszeitraum (März bis August) um 9,3 Prozent auf 852,9 Millionen Euro und spiegelt damit 39,9 Prozent der Bilanzsumme wider. Die liquiden Mittel stiegen von 275,2 Millionen Euro auf 419,9 Millionen Euro.

Komfortables Liquiditätspolster sichert Expansion

"Das Liquiditätspolster ermöglicht, unsere Expansionspläne vorsichtig umzusetzen", erläutert Hornbach-Finanzvorstand Roland Pelka das komfortable Polster. "Ich möchte in der aktuellen Situation nicht bei einer Bank nach einem Kredit fragen müssen."

Noch im Dezember wird Hornbach in Galgenen (Großraum Zürich) den fünften Markt in der Schweiz eröffnen. Die erste Neueröffnung in diesem Geschäftsjahr erfolgte im März in im rumänischen Brasov. Aufgrund der konjunkturellen Ungewissheiten hat der Konzern sein Expansionstempo gegenüber ursprünglichen Plänen gedrosselt.

Im kommenden Geschäftsjahr sind laut Pelka "mehr als zwei Eröffnungen" geplant. Im niederländischen Breda haben die Bauarbeiten für einen neuen Markt bereits begonnen. Auch in Pilsen (Tschechische Republik) rollen schon die Bagger.

Grundstücke und Baugenehmigungen hält Hornbach darüber hinaus im Großraum der rumänischen Hauptstadt Bukarest in Schweden, der Schweiz sowie Österreich vor. Vorrangiges Ziel des Konzerns ist es laut Pelka jedoch "die Liquidität hochzuhalten", man werde bei der Expansion vorsichtig vorgehen.

Umsatz- und Ertragsprognose für das laufende Geschäftsjahr

Im Gegensatz zu vielen börsennotierten Unternehmen wagt der Vorstand der Hornbach Holding AG eine - wenn auch vage - Prognose für das laufende Geschäftsjahr: "Beim Umsatz rechnen wir mit einem Wachstum im mittleren bis unteren einstelligen Prozentbereich", sagt Albrecht Hornbach.

Beim Ertrag soll laut Pelka das Geschäftsjahr 2006/07 übertroffen werden. Das Ergebnis des vergangenen Geschäftjahr sei aufgrund von einmaligen Erlösen aus Immobiliengeschäften kein Vergleichsmaßstab. Das Betriebsergebnis (EBIT) der Hornbach Holding AG 2006/07 betrug 119,1 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss lag damals bei 32 Millionen Euro.

"Die Bau- und Gartenmärkte gehören eindeutig zu den Gewinnern im Einzelhandel. Es herrscht eine Zufriedenheit - nahezu Euphorie - in der Branche, die fast schon beängstigend ist", sagte Albrecht Hornbach, als er auf die Kurzarbeit beim Konkurrenten Praktiker angesprochen wurde. Der Unternehmenschef hatte die Einführung der staatlich subventionierten Kurzarbeit beim Wettbewerber bereits im Frühjahr öffentlich scharf kritisiert. Er bezeichnete dies als einen Versuch, "sich auf Kosten der Mitarbeiter und Sozialkassen zu finanzieren".