Der Musikproduzent Universal Music Entertainment sucht nach neuen Erlösquellen und Vertriebspartnern. Einer der neuen Wege: Tickets und Downloads bei der Sparkasse.

Deutschlands Marktführer im Musikgeschäft, die Universal Music Entertainment GmbH, reagiert auf den andauernden Niedergang im klassischen CD-Geschäft mit neuen Vertriebsmodellen.

Auf diesem Weg sollen künftig mehr als zehn Prozent des Umsatzes erzielt werden, kündigte Unternehmenschef Frank Briegmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa an.

Konkret gehe es um Kooperationen mit den Sparkassen und der Formel 1, um zwei Modelabels sowie den neuen Musikvideokanal Veivo, den Universal kürzlich in den USA startete. Das Unternehmen hat bundesweit einen Marktanteil von rund 38 Prozent und betreut Künstler wie "Ich + Ich", "Tokio Hotel", Anna Netrebko, Nelly Furtado, "U2" und Amy Winehouse.

Musikvideos besser vermarkten

Universal will künftig zusammen mit Sony seine Musikvideos besser vermarkten. Die bisher im Internet auf YouTube gezeigten Videos sollen künftig nur noch auf der neuen Plattform Veivo zu sehen sein.

"Wenn der Inhalt gut ist, schauen die Leute zu", sagte Briegmann. Sony und Universal verzeichneten weltweit mehr als 800 Millionen Videoabrufe pro Monat bei YouTube. Für die Nutzer soll das Angebot kostenlos bleiben, aber die Werbung werde verstärkt.

Sparkasse neuer Vertriebspartner

"Am ersten Januar beginnen wir auch mit dem neuen Vertriebsweg über die 13.000 Filialen der Sparkassen", erläuterte Briegmann. Junge Leute, die ein Konto eröffnen, erhalten Zugang zu einer Internetseite, auf der sie Konzertkarten kaufen können und insgesamt näher an den Musikern sein sollen.

Mit den beiden Modelabels Rock & Rebellion und Amplified sollen Mode und Musik besser verknüpft werden. "Das kann sich gegenseitig verstärken", ist Briegmann überzeugt. Beim Formel 1-Rennen in Singapur Ende September gab es erstmals ein großes Musikkonzert unter dem Motto "F1 rocks". Damit nutze Universal die Popularität der Autorennen.

Suche nach neuen Erlösmodellen

Grund für die alternativen Geschäftsmodelle ist der rückläufige CD-Markt; die Branche sucht nach neuen Erlösmodellen. "Das ist noch im Aufbau. Aber wir wollen damit einen zweistelligen Anteil am Umsatz erreichen, denn wir möchten auch künftig noch in die Künstler investieren."

Das klassische Geschäft schrumpft auch in diesem Jahr. So macht sich zum Beispiel der Niedergang von Karstadt - mit seinen großen CD- Verkaufsflächen - negativ bemerkbar. Andere Händler reduzieren das Angebot, da immer mehr Musik digital verkauft wird. Der Umsatz von Universal Music Deutschland wird laut Briegmann in diesem Jahr um drei bis vier Prozent sinken, die bezahlten Downloads wachsen nach seinen Angaben dagegen um 25 bis 30 Prozent: "Das kann den Rückgang im physischen Markt aber noch nicht ausgleichen", so Briegmann. 

Universal - eine Tochter des französischen Medienkonzerns Vivendi - hat in Deutschland etwa 400 Mitarbeiter und erzielt geschätzt rund 350 Millionen Euro Jahresumsatz. Genaue Zahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Rolf Westermann, dpa