Was für ein fulminantes viertes Adventswochenende für den Einzelhandel. Die Verbraucher zeigten sich in bester Kauflaune, als ob es keine Wirtschaftskrise geben würde.

Am vierten Adventswochenende hat der Einzelhandel den bislang stärksten Kundenandrang in diesem Jahr erlebt. Die Umsätze allerdings lagen unter dem Niveau des Vorjahres, als der vierte Advent auf den 23. Dezember fiel.

Diese bundesweite Bilanz zog der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Sonntag in Berlin. Millionen Kauflustige stürmten am letzten Wochenende vor Weihnachten vor allem in den größeren Städten in die Läden, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr bezeichnete das Wochenende als "Höhepunkt" im Weihnachtsgeschäft. "Auswirkungen der Rezession sind im Weihnachtsgeschäft weiterhin kaum zu spüren", jubelte Pellengahr.

Juweliere und Parfümerien profitieren

Mit dem bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäftes zeigen sich die Händler nach HDE-Angaben weiterhin zufrieden. Hoffnungsvoll blickten sie auf die verbleibenden Verkaufstage bis Heiligabend, an denen neben Geschenken erfahrungsgemäß vor allem Lebensmittel gekauft würden.

Von guten Geschäften hätten Juweliere, Sport- und Spielwarenhändler sowie Unterhaltungselektronikläden und Parfümerien profitiert. Verhaltener zeigte sich den Angaben zufolge der Bekleidungshandel, der unter der milden Witterung leide. Am vierten Adventswochenende seien Bücher, Markenuhren, teurer Schmuck, Küchengeräte und Elektronikartikel Verkaufsschlager gewesen. An der Umfrage des HDE hätten sich 500 Einzelhandelsunternehmen beteiligt.

"Ein versöhnlicher Jahresabschluss"

Der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbandes und Frankfurter Parfümeriehändler Frank Albrecht sagte, der Trend müsse nun in das kommende Jahr hinüber gerettet werden. "Der Dezember bescherte uns ein leichtes Umsatzplus und ist ein versöhnlicher Abschluss für ein schwieriges Jahr", bilanzierte der Vorsitzende des Thüringer Einzelhandelsverbandes, Arnold Senft. Er kritisierte die immer neuen Horrorszenarien für die Finanzkrise. "Wenn man immer alles noch schlechter redet, glauben es die Menschen gegen ihr eigenes Empfinden irgendwann."
 
Der Geschäftsführer des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels (LBE), Bernd Ohlmann, sagte in München: "Wir haben an den Weihnachtsmann geglaubt und sind bislang nicht enttäuscht worden." Die Bayern seien trotz aller Unkenrufe nicht in den Geschenke-Streik getreten. "Weihnachten ist immer noch ein Fest, an dem die Leute sich ein Stück weit von der Realität entfernen und sich etwas gönnen", betonte der Magdeburer Karstadt-Filialleiter Rolf Lay.

Finanzkrise, aber keine Konsumkrise

Auch in anderen Städten freuten sich die Händler über volle Geschäfte am Wochenende. Die Geschäftsleitung der Galeries Lafayette an der Friedrichstraße war zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. "Der Umsatz ist wie im Vorjahr", sagte Geschäftsleiter Christopaö Carbon der "Berliner Morgenpost". Ähnlich fiel die Bilanz im Elektronikfachmarkt Saturn im Europa-Center aus. Geschäftsführer Asmir Suceska: "Es ist besser als im Vorjahr."

Diese Kauflaune herrschte auch im Norden Deutschlands. "Die Finanzkrise ist noch nicht zur Konsumkrise geworden", bilanzierte der Geschäftsführer des Hamburger Einzelhandelsverbands, Ulf Kalkmann. "Insbesondere der Start ins Weihnachtsgeschäft in den ersten 14 Tagen war deutlich besser als erwartet", sagte Hans Frick, Präsident des Einzelhandelsverbands Nord für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Zum Monatsende hätten sich die Umsätze ein wenig abgeschwächt. Die Chancen seien aber gut, dass man das Ergebnis des Vorjahres wieder erreichen werde, wird Frick auf dem Internetportal "MWregio" zitiert.

Leicht über Vorjahresniveau

Auch kleinere Fachhändler beendeten das letzte Adventswochenende mit einer positiven Bilanz. "Wir sind sehr zufrieden. Was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir erreichen. Unsere Umsätze dürften leicht über Vorjahresniveau liegen", sagte Naser Selmanaj zu Der Handel, der zusammen mit Michaela Niemczyk in der Darmstädter Innenstadt das Modegeschäft Mamacita betreibt.