Der Kreditkartenanbieter MasterCard ließ die Auswirkungen der Krise auf die Verbaucherstimmung untersuchen. derhandel.de sprach mit Luke Olbrich über die Lehren aus der Studie.

Foto: MyZeil
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MasterCard hat die Verbraucherstimmung in sechs europäischen Ländern analysieren lassen, was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Consumer-Studie?

Die Art und Weise, wie der heutige Verbraucher über Ausgaben und Sparraten entscheidet, hat sich demnach enorm gewandelt. Die Ergebnisse der Befragungen sind teils beunruhigend: Beispielsweise planen im europäischen Durchschnitt 78 Prozent der Konsumenten, Einsparungen bei den täglichen Ausgaben. Fünfundneunzig Prozent der befragten Italiener, 85 Prozent der französischen Verbraucher und 73 Prozent der Deutschen wollen ihr tägliches Budget einschränken. Darüber hinaus haben 53 Prozent der europäischen Verbraucher das Vertrauen in die Banken verloren.

Müssen sich Handel und Banken auf einen neuen Verbrauchertypus einstellen?
Definitiv. Viele Verbraucher in Europa fürchten um ihren Arbeitsplatz und ihre Ersparnisse. Die Mehrheit rechnet mit steigenden Preisen. In diesem Klima zählen Themen wie Sicherheit, Preis-Leistungs-Verhältnis und Kostenkontrolle mehr als die "Lust am Einkaufen". Die Konsumenten sind deutlich preisbewusster geworden und informieren sich kritischer - etwa im Internet - über Angebote und Preise. Das sind Herausforderungen auf die Banken und Händler reagieren müssen - in der Kommunikation und bei der Sortimentsgestaltung. Wir sprechen vom "neuen europäischen Verbraucher", der andere Anforderungen stellt als dies noch vor einem halben Jahr der Fall war.

Hat sich auch das Zahlungsverhalten der Konsumenten spürbar gewandelt?

Wir beobachten eine Verlagerung von Kreditkartenzahlungen hin zu Debitkarten - mit einer Ausnahme: Deutschland. Die Konsumenten wollen eine stärkere Kontrolle über ihre Ausgaben haben. Da Debit- und Prepaid-Karten die Anforderungen der heutigen Verbraucher in punkto Sicherheit und Transparenz erfüllen, haben diese Karten gute Wachstumsperspektiven. In Deutschland liegt der Anteil der Kreditkartenzahlungen ohnehin traditionell weit hinter den Debitkarten, daher lässt sich dieser Trend hierzulande so nicht beobachten.

Foto: Mastercard
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Welche Konsequenzen zieht MasterCard aus der Untersuchung?

Die Studie zeigt, dass das Thema Sicherheit für die Konsumenten auch bei Zahlkarten eine große Rolle spielt. Hier wollen wir die Angebote für die Karteninhaber ausbauen, etwa mit dem Produkt "inControl" mit dem der Nutzer die Möglichkeit erhält, seine Karte individuell zu konfigurieren und seine Ausgaben zu überwachen. Wer nicht will, dass seine Karte im Ausland eingesetzt wird oder bestimmte Transaktionslimite festlegen möchte, kann dies über das Internet steuern. Weil immer mehr Konsumenten auch mit ihrer Debitkarte im Internet zahlen wollen, werden wir auch die Akzeptanz von Maestro im Internet ausbauen.

Interview: Hanno Bender

Zur Person: Luke Olbrich ist Senior Business Leader bei MasterCard und mitverantwortlich für die Strategie des Kartenunternehmens im einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum SEPA.

Zur Studie: U
m die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise auf das Verbraucherverhalten zu analysieren, hat das Marktforschungsunternehmen TNS im Auftrag von MasterCard eine repräsentative Auswahl von Konsumenten zu Schlüsselthemen wie Kundenvertrauen, Ausgabenmuster und der aktuellen Haltung zu Geldanlage, Wohneigentum und Arbeitsplatz befragt. Die TNS Finanzstudie wurde mithilfe zweier Online-Umfragen mit 3000 Verbrauchern über 18 Jahren in sechs Ländern (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Italien und Polen) und einer zweiten Umfrage mit mehr als 11.000 Verbrauchern in neun Märkten durchgeführt.