Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, über Alkoholverkauf an Jugendliche und die Verantwortung einer Kassiererin.

Frau Bätzing, angenommen, Sie wären Kassiererin - würde Sie es nerven, bei jeder Flasche Alkohol das Alter von Jugendlichen zu kontrollieren?
Ich weiß, das ist ein harter Job. Als Schülerin habe ich selbst auch mal an der Kasse gesessen. Andererseits: Auch Kassiererinnen sind Mütter. Und die wollen nicht, dass ihre Kinder oder die anderer Mütter dem Alkohol verfallen. Ich denke, da ist Verantwortungsgefühl vorhanden. Oft unterstützen auch andere Kunden eine kritische Kassiererin, obwohl sie wegen der Kontrolle etwas länger warten müssen. Die Kasse ist die Schnittstelle.

Wie wollen Sie Problembewusstsein in der Bevölkerung schaffen?

Wir wollen in Kooperation mit allen beteiligten Verbänden und Institutionen auf eine freiwillige Selbstregulierung hinwirken. Es soll kein generelles Werbeverbot geben. Aber Biewerbung auf Trikots im Jugendfußball wird der Vorbildfunktion des Sports nicht gerecht. Wir haben mit dem Deutschen Fußball-Bund gesprochen und Einigkeit erzielt: Auf Jugendtrikots soll es diese Werbung nicht mehr geben. Wir reden auch mit dem Lebensmittelhandel und dem Bundesverband der deutschen Industrie. Der Drogen- und Suchtrat, der mich berät, hat einen nationalen Aktionsplan mit vielen Empfehlungen zur Prävention vorgelegt. Jetzt müssen wir diskutieren, was davon umsetzbar ist.  

Der deutschen Spirituosenmarkt ist von Jahr zu Jahr härter umkämpft. Wie können Sie die Hersteller trotzdem für freiwillige Selbstregulierung gewinnen, etwa bei der Werbung?
Es geht hier doch nicht allein um Geld, sondern auch um Gesundheit - und die ist ein viel höheres Gut. Der Alkoholmissbrauch der Jugendlichen ist gestiegen. Und in dieser Altersgruppe fängt das Problem an, deshalb müssen wir auch da ansetzen. Wir brauchen dazu natürlich die Überzeugung der Industrie.     

Frank Bonin