Das mobile Bezahlen ist die Zukunft - hört man zumindest immer wieder. Das Bayerische Software-Unternehmen Wirecard will jetzt dafür sorgen, dass sich Mobile Payment nicht mehr nur auf das Smartphone beschränkt (obwohl die Etablierung dort schon mal ein Fortschritt wäre). Die neueste Entwicklung: Ein HCE-basiertes Payments Software Development Kit, das Wearables zur Mobile Wallet macht.


Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass wir an der Supermarkt-Kasse das Smartphone zum Bezahlen zücken werden? Wohl nur einige Science-Fiction-Liebhaber oder Technikoptimisten. Gut, dass das noch nicht überall möglich ist und dort, wo es möglich ist, noch nicht überall prima funktioniert (an anderer Stelle mehr dazu)... seis drum. Aber technisch ist das inzwischen ganz locker machbar und Experten sehen positiv in die Zukunft der mobilen Bezahltechnologien.

Und obwohl Mobile Payment mit dem Smartphone noch einige Zeit kein Standard sein wird, tüfteln die Entwickler bei Wirecard schon an neuen Lösungen. Erst vor wenigen Wochen haben sie im Rahmen der Digitalkonferenz DLD15 ihr smartes Bezahl-Armband präsentiert. Nutzer müssen für den Bezahlvorgang das Wearable per Bluetooth Low Energy (BLE) mit ihrem Smartphone verbinden. Dann nur noch an das NFC-Bezahlterminal halten und tadaa – das virtuelle Portemonnaie wird leerer, ohne es zu spüren.

Mit intelligenter Kleidung bezahlen?

Jetzt legt Wirecard noch einen oben drauf. Mit dem neuen Payments Software Development Kit (SDK) soll das Bezahlen mit Smartphones, Wearables und sogar smarter Kleidung noch einfacher werden. Der Grund ist ein technischer. Damit eine Transaktion sicher abläuft, braucht es das sogenannte Secure-Element. Das ist in der SIM-Karte, manchmal aber auch zum Beispiel in einer SD-Karte integriert und verschlüsselt notwendige Daten, zum Beispiel von einer Kreditkarte. Wer mit einer mobilen App bezahlen möchte, ist also meist auf die Kooperation des Mobilfunkanbieters (wegen der SIM-Karte) angewiesen.

Die Lösung des Problems ist die Host Card Emulation (HCE), die eine spezielle SIM-Karte eines Mobilfunkanbieters überfällig macht. Stattdessen wird sie nämlich in das Betriebssystem integriert – Google akzeptiert sie seit Android 4.4 – und ist an einen Server angebunden. Der notwendige Token, ein Chipschlüssel, wird für jede Transaktion einzeln geladen. Das physische Secure Element wird durch die HCE somit überflüssig und macht das Bezahlen mit NCF einfacher und flexibler, was die Mobile-Payment-Anbieter angeht.

Wirecard hat die eigene Mobile-Wallet-Plattform schon vor fast einem Jahr um die HCE-Technologie erweitert. Viele andere tun das ebenfalls. Jetzt hat das Software-Unternehmen ein Development-Kit mit zugehörigem Portal angekündigt, mit dem Entwickler Bezahlfunktionen in Anwendungen von Wearables jeglicher Art integrieren können. Theoretisch ist es dann möglich, mit einem smarten Schuh den Wochenendeinkauf zu bezahlen oder mit dem intelligenten Stirnband den Latte Macchiato zu kaufen. Verrückt.

Dass das funktioniert, hat man der neuen Secure-Element-Alternative zu verdanken, wie Wirecard-CEO Markus Braun erklärt: „Erst die Softwaretechnologie Host Card Emulation hat solche Hardware-unabhängigen Szenarien möglich gemacht“. Jetzt liegt es also an den Enwicklern und an dem, was sie in ihren eigenen Anwendung aus der Steilvorlage aus Bayern machen.