Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank, erläutert warum die Teilprivatisierung der Bargeldbearbeitung zu sicheren und wirtschaftlicheren Prozessen führt.

Die Deutsche Bundesbank hat den gesetzlichen Auftrag für die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs in Deutschland zu sorgen. Diesem Auftrag ist die Deutsche Bundesbank bisher nachgekommen und wird ihm auch zukünftig nachkommen.

Im Bereich des baren Zahlungsverkehrs erfüllt sie diese Aufgabe durch die Gewährleistung einer effizienten Bargeldversorgung und -infrastruktur. Die Bundesbank sieht es aber nicht als hoheitliche Aufgabe an, eine Bargeldversorgung des einzelnen Bürgers oder der Handelsunternehmen selbst durchzuführen.

„So viel Staat wie nötig, sowenig Staat wie möglich"

Sowohl die Prinzipien der marktwirtschaftlichen Ordnung in Deutschland („So viel Staat wie nötig, sowenig Staat wie möglich") als auch das Gebot des sparsamen Umgangs mit öffentlichen Mitteln durch staatliche Stellen sprechen mit Einschränkungen klar für die stärkere Einbindung der Privatwirtschaft im Bargeldkreislauf.

Auch als Lehre aus dem Fall Heros wurden vom Gesetzgeber mit dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) und den europäischen Regelungen zum privaten Bargeldrecycling die Rahmenbedingungen für eine stärkere Beteiligung der Privatwirtschaft geschaffen. Einige Zulassungsanträge für Wertdienstleister als Zahlungsdienstleister sind gestellt; Kooperationsmodelle mit Banken zur Münzgeldversorgung werden derzeit entwickelt oder bereits angeboten.

Darüber hinaus wird die Bundesbank mit einem angemessenen Filialnetz weiterhin am Bargeldkreislauf beteiligt bleiben. Die Einführung des bereits vor Jahren angekündigten Normcontainers mit Münzen ist ein wesentlicher Schritt zur Beschränkung auf den Spitzenausgleich. Zur Gewährleistung der Bargeldver- und ‑entsorgung seit dem 1. Januar 2011 werden vorerst unbefristet vom Normcontainer abweichende Mengen akzeptiert.

Höhere Entgelte fördern Marktlösungen

Allerdings werden hierfür höhere Entgelte erhoben, um Marktlösungen zu fördern. Dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, wird sich ein privates Bargeldrecycling entwickeln. Zum Beispiel könnten Münztransporte von und zur Bundesbank mit bis zu 170.000 Containern und einem Gewicht von rund 100.000 Tonnen weitgehend überflüssig werden. Hierfür sollte jeder, der sich mit den Kosten und der Kostenüberwachung im eigenen Unternehmen beschäftigt, auch Verständnis haben.

Mit der verstärkten Fokussierung auf eine Großhändlerfunktion wird eine klare Rollenverteilung zwischen der Deutschen Bundesbank und den privaten Bargeldakteuren erreicht, worüber es bis zur Heros-Krise im Jahre 2006 zwischen den Bargeldakteuren auch keine unterschiedlichen Auffassungen gab. Die Privatwirtschaft kann das Dienstleistungsangebot rund um die Bargeldversorgung auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kunden besser ausrichten, als es der Bundesbank jemals möglich wäre.

Weil die Strukturen der Bargeldver- und -entsorgung bereits privat organisiert sind, ist es nur konsequent, dass die Bundesbank ihre Großhändlerfunktion stärker betont und dabei einen Beitrag zum sparsamen Umgang mit öffentlichen Mitteln leistet.

Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank

Dieser Artikel erschien im Rahmen eines Pro&Contra-Beitrags in der Janaur-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Lesen Sie hier den Contra-Beitrag von Josef Sanktjohanser, Vorstandsmitglied der Rewe Group und Präsident im Handesverband Deutschland (HDE).

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie auch in unserem Online-Dossier "Bargeldlogistik".