Kaum verwunderlich: Viele der markantesten Wirtschaftszitate des Jahres drehen sich 2011 um die europäische Staatsschuldenkrise und die Rettung des Euro.

Kanzlerin Angela Merkel hält flammende Reden für den Euro, EU-Währungskommissar Olli Rehn versagt als Prophet. Wir präsentieren Ihnen die rhetorischen Perlen des vergangenen Jahres:

"Ich dachte, es dürfte nicht allzu schwierig werden, dass 2011 ein weniger turbulentes Jahr als 2010 wird - aber vielleicht muss ich über diese Frage noch einmal nachdenken." (EU-Währungskommissar Olli Rehn im Januar zur anhaltenden Euro-Schuldenkrise)

"Wir gehen mit Siebenmeilenstiefeln voran, manch andere trotten im Gänsemarsch hinterher." (Der damalige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Januar bei der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichts)

"Die Deutschen sind die Optimisten in Europa." (GfK-Chef Klaus Wübbenhorst im Februar zur steigenden Kauflaune in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten)

"Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr weit gehen können." (Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, im März über die Möglichkeit weiterer Streiks)

"E10 ist unser Stuttgart 21."
(Peter Blauwhoff, Deutschlandchef des Mineralölkonzerns Shell, im März zur überwiegend ablehnenden Haltung der Autofahrer gegenüber dem Biosprit E10)

"Ich finde es schöner, da auszusteigen als einzusteigen." (Commerzbank-Chef Martin Blessing im April auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat nach Rückzahlung der Staatshilfe wieder loszuwerden)

"Und wenn mir danach ist, werde ich Mathematiklehrer in Neuseeland." (Der ehemalige Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, im April auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen)

"Wer keine Brücke will, kann auch keine Brückenmaut nehmen." (Eon-Chef Johannes Teyssen im Mai mit Blick auf die Brennelementesteuer und die Atomkraft als Brücke zu einem neuen Energiezeitalter)

"Ich gehe davon aus, dass die Politik den Euro bis zur letzten Patrone verteidigt." (Talanx-Vorstandschef Herbert Haas im Mai auf die Frage, welche Folgen ein Schuldenschnitt oder gar der Euro-Ausstieg Griechenlands für die deutsche Versicherungswirtschaft hätten)

"Scheitert der Euro, scheitert Europa." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni zum Beschluss der EU-Finanzminister über die Ausweitung des Euro-Rettungsfonds EFSF)

"Ich bin ein Ökonom, habe Erfahrung als Gouverneur einer Zentralbank, war Finanzminister, war Exekutivdirektor beim IWF. Ich kenne mich rundum mit Staatsbankrotten aus." (Der mexikanische Notenbankchef Agustín Carstens, der sich um den Chefsessel des Internationalen Währungsfonds (IWF) beworben hatte, im Mai über seine Qualifikation)

"Wir werden unser Volk nicht vergiften." (Russlands Regierungschef Wladimir Putin im Juni zum russischen Importverbot für EU-Gemüse im Zuge von EHEC)

"Es wird keine Pleite geben." (Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker im Juni über Griechenland)

"Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juli nach dem Brüsseler Euro-Krisengipfel zu den Chancen der Griechenland-Rettung)

"Viele Vorwürfe hatten einen wahren Kern." (Ergo-Chef Torsten Oletzky im August zu den zahlreichen Vorwürfen gegen die Versicherungsgruppe, die durch eine Sex-Party in Budapest mit Prostituierten als Belohnung für Versicherungsvertreter in die Schlagzeilen geraten war)

"Unsere Aufgabe ist es nicht, die Märkte zu beruhigen." (Der deutsche Standard & Poor's-Manager Moritz Krämer im August zur Kritik an der Ratingagentur, sie habe mit der Herabstufung der US-Bonität die Börsen in Panik versetzt)

"Sie darf sich nicht abhängig fühlen und sich am Nasenring durch die Manege führen lassen, von Banken, von Rating-Agenturen oder sprunghaften Medien." (Bundespräsident Christian Wulff im August zur Rolle der Politik bei der Bewältigung der Schuldenkrise)

"Wir müssen unseren Bürgern klar sagen, dass alle europäischen Staaten ohne die Europäische Union in einigen Jahren politisch wie wirtschaftlich nur noch Randfiguren in der Weltpolitik wären." (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im September zur Staatsschuldenkrise und Integration in Europa)

"Um den Euro zu stabilisieren, darf es auch kurzfristig keine Denkverbote mehr geben. Dazu zählt notfalls auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands, wenn die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stehen." (Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im September in einem Gastbeitrag für die "Welt")

"Wir sind kein armes Land. Wir waren ein schlecht geführtes Land." (Der damalige griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou im September)

"Was geboten wird, ist nicht im Interesse Großbritanniens, deshalb habe ich nicht zugestimmt." (Der konservative britische Premierminister David Cameron im Dezember zu seiner Ablehnung einer strikten Haushaltskontrolle für den Euro)