Für die restlichen Filialen der insolventen Schlecker-Tochter IhrPlatz gibt es Übernahmekandidaten. Die meisten Läden werden nicht als Drogeriemarkt weitergeführt. Auch Depot übernimmt Standorte.

Die Drogeriemarktkette IhrPlatz wird wie ihr pleitegegangener Mutterkonzern Schlecker vom Markt verschwinden. Der Verkauf der Filialen schreitet mit großen Schritten voran, sie werden wie im Falle Rossmann entweder umgeflaggt oder werden künftig ein gänzlich anderes Sortiment verkaufen.

Laut Insolvenzverwaltung sind Verträge mit Interessenten für etwa 300 der 490 IhrPlatz-Läden unter Dach und Fach oder stehen kurz vor dem Abschluss. Für viele Mitarbeiter stehen die Chancen auf Weiterbeschäftigung gut.

HH Holding und MTH wollen übernehmen, Depot hat schon

Auch die HH Holding mit den Tochterfirmen Kik und Woolworth will kaufen. Am Freitag sollen Gespräche zwischen Insolvenzverwalter Werner Schneider und der Holding stattfinden, wie ein Sprecher des Verwalters der dpa sagte.

Zudem wurde der Vertrag mit der österreichischen MTH Retail Group (Mäc Geiz) nun abgeschlossen. "Der Insolvenzverwalter strebt in allen Fällen die Weiterbeschäftigung an", sagte der Sprecher. Bislang hat IhrPlatz gut 4.000 Beschäftigte.

Auch der Wohnaccessoires-Filialist Depot hat Standorte übernommen: Nach Informationen von derhandel.de werden die Standorte Cottbus, Gotha, Rostock, Wesel, Bingen und Meppen von IhrPlatz zu Depot-Filialen.

Keine Drogeriemärkte mehr

Wie viele Filialen die HH Holding aus dem nordrhein-westfälischen Bönen kaufen will, war noch unklar. Klar ist zumindest, dass es bei einem möglichen Abschluss rein um die Räumlichkeiten und nicht um die Fortführung als Drogeriemarkt geht.

Vom IhrPlatz-Kuchen will auch der Textildiscounter NKD aus dem oberfränkischen Bindlach ein Stück von rund 100 Filialen. "Der Insolvenzverwalter geht davon aus, dass es nächste Woche zu einem Abschluss mit NKD kommen wird", sagte der Sprecher am Freitag der dpa.

Auch hier wird es nur um den Kauf der Märkte gehen. "In allen Fällen, außer denen von Rossmann, startet daher in den kommenden Tagen der Ausverkauf", sagte Schneider dem "Handelsblatt".

Der niedersächsische Drogerieriese Rossmann hat sich bereits 104 IhrPlatz-Märkte gesichert. Zustimmen müssen nur noch Kartellamt und einzelne Vermieter. Rossmann will gut 800 Jobs langfristig sichern.

Zum Schnäppchenladen umgebaut

Der IhrPlatz-Insolvenzberater bestätigte unterdessen, dass die MTH-Group 109 Filialen übernehmen wird. In Deutschland ist das Unternehmen mit den Discountern Pfennigpfeiffer und Mäc Geiz auf dem Markt. Aus diesen IhrPlatz-Märkten werden also bald Schnäppchenläden.

Branchenkreisen zufolge steht es schlecht um die IhrPlatz-Zentrale in Osnabrück, die könnte dichtgemacht werden.

Branchenprimus dm hat bisher neun IhrPlatz-Märkte übernommen und gehört zu den Bewerbern für weitere Käufe. Bislang war als Interessent auch immer noch die Rede vom Münchner Investor Dubag. Die Filetstücke von IhrPlatz hat sich bereits Rossmann gesichert, mit Märkten an belebten Plätzen wie etwa Bahnhöfen.

Nach den geplanten weiteren Übernahmen wird es immer noch einen Rest geben. Mit weiteren Verkäufen in den nächsten Tagen ist zu rechen.

IhrPlatz hatte im Januar zusammen mit dem Mutterkonzern Schlecker Insolvenz angemeldet. Bei Schlecker scheiterte die Rettung im Juni, alle Filialen sind bereits dicht. Gut 25.000 Beschäftigte haben durch die Insolvenz ihren Job verloren.

Özlem Yilmazer, dpa / DH