Mehr Läden, kleineres Sortiment, bessere Qualität: Nach dem Kampf gegen die Insolvenz präsentiert sich Woolworth voller Erneuerungsdrang. Als schnörkeloser Nahversorger will man künftig den deutschen Warenhausmarkt erobern.

Dieter Schindel wollte sich eigentlich 100 Tage Zeit lassen, um das neue Woolworth zu präsentieren. Es wurden nun 147, aber angesichts des Ergebnisses ist diese Verzögerung zu tolerieren. "Wir haben viel bewegt und umgekrempelt, und wir werden es noch weiter tun müssen", sagte der neue Geschäftsführer des Warenhauses heute in Düsseldorf. Ende Juni wurde das Insolvenzverfahren für Woolworth beendet – an diesem Donnerstag nun stellte Schindel die Eckdaten für die Zukunft dieses Traditionsunternehmens vor.

Im Prinzip erfindet sich Woolworth komplett neu – als schnörkelloses Nahversorgerkaufhaus mit einem abgespeckten Sortiment, renovierten Fassaden, modernem Ladenbau und neuen Häusern. Sozusagen der Gegenentwurf zum künftigen Karstadt, wo es ja bald in einer neuen Einkaufswelt glitzern und funkeln soll.

Ehemalige Hertie-Häuser im Blick

In jeder Kleinstadt ab 30.000 Einwohnern, aber auch in Stadtteilen von Metropolen wie Hamburg oder München soll es künftig Woolworth-Filialen geben. "Im nächsten Jahr wollen wir 50 neue Läden eröffnen", kündigte Schindel an. Das bedeutet im Schnitt pro Woche ein neuer Standort. Bis Mitte 2011 sollen zudem 65 Bestandsfilialen umgebaut werden. Langfristig peilt Woolworth 500 Filialen in Deutschland an.

Bei der Erschließung neuer Standorte will Woolworth auch auf ehemalige Hertie-Häuser zurückgreifen. "Wir sind in entsprechenden Verhandlungen", sagte Schindel. Allerdings kommen nur kleinere Immobilien der insolventen Kaufhauskette in Frage. Denn die Verkaufsflächen der künftigen Woolworth-Filialen sollen nur noch zwischen 1.000 und 2.000 Quadratmeter liegen und sich maximal auf zwei Stockwerke erstrecken.

Kein Einkaufsverbund mehr

Auch das Sortiment wird ausgedünnt. Statt wie bisher 20.000 soll es nur noch 6.000 Artikel geben, "aber diese werden immer verfügbar sein", betonte Schindel. Nicht mehr gelistet sind Sportartikel, Straßenschuhe, Zeitungen, Kommissionsware, Alkohol und Multimedia. Neu dagegen sind Artikel für den Tierergänzungsbedarf, Dekoration und Lizenzmarkenartikel.

Für Woolworth wurde eine Dreimarkenstrategie entwickelt mit Top-Marken wie Bahlsen, Severin, Lego und Coca Cola. Zu den neuen Lizenzmarken gehören unter anderem Playboy, Disney und Hello Kitty. Ausgedünnt wurde zudem das Konzept mit den Eigenmarken: Hier gibt es nur noch zehn statt wie zuvor 50 Marken.

Die Einstiegspreis-Artikel werden in drei Segmente unterteilt: Einstiegspreislagen, Aktionsartikel und Sonderposten. Schindel kündigte an, die Produktqualität in den Läden "deutlich zu erhöhen". Woolworth soll nicht mehr als Ramschkaufhaus gelten. Bei der Warenbeschaffung verzichtet Woolworth auf die weitere Zusammenarbeit mit dem Einkaufsverbund Markant und setzt stattdessen auf Direkteinkauf bei Produzenten und Großimporteuren.

Zudem setzt Woolworth auf Einkaufssynergien mit Kik und Tengelmann, denen Woolworth zu 55,5 (über die HH Holding) beziehungsweise 30 Prozent gehört. Die restlichen Eigner sind kleine und stille Beteiliger.

Alles soll schöner werden

Flankierend zur Sortimentsaufhübschung und einem neuen Firmenlogo sollen auch die aktuell 163 Filialen schöner und übersichtlicher werden. Bisher hat Woolworth nach Schindlers Worten dafür rund 3,5 Millionen Euro aufgewendet, für die Modernisierung der Bestandsflächen stehen derzeit insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Seit der Übernahme durch die neuen Eigner hat Woolworth fünf Filialen in Berlin, München, Herne, Nordhorn und Senftenberg neu eröffnet und 350 weitere Mitarbeiter eingestellt. Bis Ende Januar 2011 sollen weitere fünf Häuser in Hamm, Unna, Karlsruhe, Gera und Hermsdorf folgen. Pro Eröffnung rechnet Schindel mit Investitionen von 450.000 Euro, die aus der eigenen Kasse bezahlt werden sollen. "Woolworth schreibt seit dem Start im Sommer schwarze Zahlen", versicherte Schindel.

Angesichts des gewaltigen Expansionsvorhabens stellt sich Woolworth auch als wahre Jobmaschine dar. Bis zum Jahr 2012 will das Unternehmen 3.100 neue Stellen schaffen, größtenteils freilich auf Teilzeitbasis. Denn pro Filiale ist nur eine Vollzeitkraft vorgesehen – das ist der Filialleiter. Bei der Bezahlung lässt das Unternehmen aufhorchen: "Wir befürworten den Mindestlohn in Deutschland", sagte Schindel und versprach, dass Woolworth "kein Lohndumper" sein wolle.

11,25 Euro die Stunde

Derzeit gilt bei der Bezahlung noch der Sanierungsvertrag, den Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann seinerzeit mit der Belegschaft ausgehandelt hat. Dabei habe laut Schindel Arbeitsplatzsicherung an erster Stelle gestanden. Welche finanziellen Zugeständnisse dafür die Arbeitnehmer machen mussten, verriet der Geschäftsführer nicht. Nach Auslaufen des Vertrags am 30. Juni 2011 wolle man die Bezahlung der Mitarbeiter neu diskutieren, es soll dabei nicht zu finanziellen Verschlechterungen kommen, versprach Schindel. Einer im Sommer angestellte Verkäuferin zahlt Woolworth 11,25 Euro mindestens die Stunde.

Die 1926 gegründete Deutschland-Tochter des US-Einzelhandelsriesen war 2009 insolvent gegangen. Im Sommer 2010 hatte eine Holding um Kik-Gründer Stefan Heinig und Tengelmann-Besitzer Karl-Erivan Haub 4.300 Beschäftigte und 158 von ehemals mehr als 300 Filialen übernommen. Der Firmensitz wechselte von Frankfurt/Main ins westfälische Unna, wo nun auch die Logistikzentrale angesiedelt ist. Am neuen Unternehmenssitz arbeiten rund 300 Mitarbeiter.

Schindel sieht das Konzept von Woolworth hierzulande ohne Konkurrenz. "Wir haben keinen typischen Mitbewerber." Entsprechend groß ist das Selbstbewusstsein des neuen Geschäftsführers: "Wir wollen Woolworth zu einem großen Kaufhaus in Deutschland aufbauen."