Alexander Graf und Nils Seebach
Alexander Graf und Nils Seebach
Als Spryker zu Jahresbeginn das Licht der Welt erblickte, sorgte die Software gleich für Furore. Das Commerce-Framework hatte offenbar einen Nerv getroffen. Die gemeinsame Gründung der Serien-Unternehmer Alexander Graf und Nils Seebach (u.a. eTribes) und des Berliner Company Builders und Frühphasen-Investors Project A Ventures wurde nicht nur von Entwicklern wegen ihrer Gestaltungsfreiheit und ihres modularen Ansatzes prompt ins Herz geschlossen. Nun haben sich laut Handelsregister auch einige prominente Namen für Spryker begeistern lassen.

 

An der Series-A-Finanzierungsrunde mit einem mittleren siebenstelligen Euro-Betrag, die Spryker eine achtstellige Bewertung einbringt, hat sich neben Project A Ventures auch Cherry Ventures beteiligt. Dabei handelt es sich um den Fonds der früheren Zalando-Manager und Groupon- sowie Quandoo-Mitgründer (Christian Meermann, Filip Dames, David Schröder und Daniel P. Glasner). Darüber hinaus haben sich mehrere Privatinvestoren an dem im November 2014 gegründeten Unternehmen beteiligt.

Pikant: An dem Berliner Cherry-Fonds sind wiederum David Schneider und Robert Gentz als Privatpersonen beteiligt. Man kennt sie auch als Teil der Zalando-Spitze. Über seine Rolle als Beirat bei Project A und als Unternehmer über die private Beteiligungsgesellschaft BPO Capital ist zugleich auch Gründerenkel Benjamin Otto mit von Partie.


Spryker verspricht ein leicht anpassbares Commerce-Framework für Online-Shops und ihre Geschäftsmodelle sowie datengetriebenes Marketing. Das Ziel: unternehmerische Entscheidungen aus dem Korsett von Standard-IT zu befreien.

Ex-Zalando-Manager Christian Meermann, Managing Partner Cherry Ventures, glaubt denn auch an einen großen Markterfolg von Spryker, „insbesondere, weil der technologische Ansatz aus einem operativen, unternehmerischen Hintergrund entstanden ist."

Der Vorläufer für das Framework wurde seit 2012 in zahlreichen E-Commerce-Projekten bei Project A eingesetzt. CTO Fabian Wesner verarbeitete darin seine Erfahrungen aus schnell wachsenden Rocket Internet-Projekten, z.B. mit dafiti.com.br, dem führenden Online-Fashion-Store in Brasilien. Fabian Wesner, einer der beiden Technologie-Chefs von Project A und Mitgründer von Spryker, wird sich ab sofort ganz auf Spryker konzentrieren. Ebenfalls an Bord des Teams: Solution Architect Gregor Müller, der u.a. rund sieben Jahre als Business Development Manager bei SAP Deutschland tätig war.

Mit der Finanzierung startet das 20-köpfige Spryker-Team von Berlin und Hamburg aus den Ausbau seines Geschäfts sowie erste Kundenprojekte.

 

Über Geldsegen und weitere Pläne sprachen wir mit Spryker-Mitgründer Alexander Graf:

Was habt ihr bei Spryker inzwischen verbessert?

Alexander Graf: Der Fokus in den letzten Monaten lag auf der Code-Basis. Unser Ziel war es, sie sehr anwenderfreundlich zu machen, damit wir Kunden und Agenturen leicht mit der Software vertraut machen können. Die ersten Kundenprojekte, im Zusammenspiel mit geschulten Agenturen, sind schon im April gestartet, und bisher werden die Ideen und der Ansatz innerhalb der Architektur sehr gut angenommen. Produkte, die praxisnah und user friendly aus Entwicklersicht sind, gibt es bisher erst wenige.

Welche Rolle spielte dabei das Echo aus der „Community“?

Alexander Graf: Das Echo ist bisher überwältigend positiv. Am meisten überrascht uns der Zuspruch aus Unternehmen und Agenturen, die bisher fest von Software auf JAVA-Basis überzeugt waren, weil das bisher der Standard im Enterprise-Segment ist. Die Konzepte hinter Spryker, wie z.B. die Einhaltung der SOLID-Prinzipien, gelten allerdings sprachübergreifend. Das hilft uns bei der Akzeptanz enorm, und gute Entwickler denken ohnehin nicht so sehr in einzelnen Programmiersprachen. 

Wo seht ihr die größte Nachfrage?

Alexander Graf: Wir bekommen sehr viel Zuspruch von Agenturen, die sich mit Spryker eine Alternative für die immer anspruchsvolleren E-Commerce-Projekte sichern wollen. Auf Kundenseite gibt es zwei große Lager: Zum einen große E-Commerce-Unternehmen, deren Software am Ende ihres Lebenszykluses angekommen ist, und die nun auf Spryker upgraden bzw. umsteigen wollen. Zum anderen Konzerne, die neue digitale Modelle unabhängig von der Konzern-IT aufbauen wollen. Beide Lager sind sogar noch größer als wir angenommen haben.

Wie wollt Ihr das frische Geld nun nutzen?

Alexander Graf: Wir haben ausreichend Anfragen von Kunden und beweisen gerade in den ersten Projekten, dass Spryker seine Versprechen einlösen kann. Mit der Finanzierung können wir die Strukturen für unser Wachstum aufbauen, das Partnernetzwerk pflegen, erweitern und unterstützen, und zu gegebener Zeit erste Kontakte in weitere Märkte knüpfen.

Und wie steht es um die Internationalisierung?

Alexander Graf: Circa 20 Prozent aller Anfragen, die wir erhalten, kommen bereits aus dem Ausland, obwohl wir dort noch nicht für uns werben, und wir sprechen natürlich mit den potenziellen Kunden. Das starke Project A Ventures-Netzwerk ist enorm hilfreich, um mögliche Anfragen auch sehr kurzfristig bedienen zu können, und unser Geschäftsmodell erlaubt eine zügige Internationalisierung. Der Fokus in den nächsten 12 Monaten liegt aber ganz klar auf der DACH-Region.

Offenlegung: Alexander Graf ist Referent beim Kongress etailment 2.015 im November in Frankfurt. In Kürze erscheint von ihm das E-Commerce-Buch (Co-Autor Holger Schneider) im Buchverlag der dfv Mediengruppe zu der auch etailment gehört.