Schon mit seiner Herbstkampagne hatte sich Zalando im TV-Spot "Fashion Control" deutlich mehr Glamour verordnet. Das sieht man nun auch im Shop. Mit ein paar kleinen optischen Federstrichen, die gleichwohl deutlich wirken, wertet Zalando seinen Premium-Bereich merklich auf und kann damit auch Top-Labels überzeugen.

Brands wie Ralph Lauren, Hugo Boss und Michael Kors oder Armani Jeans werden in einem mittig platzierten Slider prominent präsentiert. Boss selbst ist im Shop mit der Kernmarke Boss sowie Boss Orange, Boss Green und Hugo vertreten. Es fehlt Boss Black - das Premiumangebot für Business, das Boss 2013 abgezogen hatte, weil man vom Umfeld für dieses Label nicht mehr überzeugt war. Ich lege mich jetzt mal fest: Nach dem Relaunch von Zalando Premium kommt das Vorzeige-Label noch in diesem Jahr zurück.

Der TV-Spot "Fashion Control"

Immerhin konnte Zalando schon jetzt einige andere hochpreisige Marken vom neuen Auftritt überzeugen. Denn Zalando hört hin. „Für die Konzeption des neuen Premium Shops haben wir uns eng mit unseren Markenpartnern ausgetauscht“, sagt Kai Zollhöfer, Assortment Lead Zalando Premium. Er verspricht zudem, dass der Premium-Shop natürlich noch weiterentwickelt und sukzessive international ausgerollt wird.

Sicher hat der Relaunch viel mit Einkaufserlebnis, Modekompetenz und wertiger Anmutung zu tun. Wie man derlei Stichworte eben aus der PR kennt. Mit dem Update zeigt Zalando aber auch, dass es ein Stück weit erwachsener und anspruchsvoller geworden ist. Aus guten Gründen.

  • Die Youngster von einst unter den Zalando-Kunden der ersten Stunden sind älter geworden, verdienen mehr oder erstmals richtig Geld, haben neue Ansprüche an die Mode in Job und Freizeit und das Einkaufsumfeld.
  • Eine hybrid shoppende Zielgruppe kombiniert gerne das billige Shirt mit dem edlen und etwas kostspieligen Sakko oder den teuren Designer-Jeans. Da macht es Sinn, den teuren Chic auch anders zu präsentieren, um die Polarität herauszustreichen. 
  • Mit der Akzeptanz von E-Commerce wächst insgesamt die Bereitschaft, auch hochpreisige Mode im Web zu kaufen. Die aber braucht ein anders Entree als ein T-Shirt für 7,95 Euro. Und die Kundschaft muss auch in der Werbung anders angesprochen werden. Weniger schrill. Der Spot für die Frühjahreskollektion zeigt das. Da geht es mehr um  Trends und Werte. 
  • Zalando hat sich zwar nie als Billiganbieter verstanden, muss sich aber mit Blick auf die Rendite vom Preiseinstiegssegment zumindest ein Stück weit emanzipieren und den Anteil hochpreisiger und renditestarker Sortimente stützen. Eine qualitative Differenzierung über Sortiment und Optik ist da Pflicht. Auch um dem Preiskampf um die „Generation Primark“ ein Stück weit zu entgehen und gleichzeitig gegen neue Wettbewerber wie Fashion ID zu punkten, die Zalando den Kampf angesagt haben.

Der aktuelle TV-Spot zum Frühjahr