Mehr Umsatz, aber operativer Verlust: Der aktuelle Quartalsbericht von Zalando zeigt wieder vertraute Züge. Betrüger machen dem Online-Modehändler zusätzlich zu schaffen.

Der Online-Modehändler Zalando hat das vergangene Quartal mit einem deutlichen Umsatzschub, aber auch mit roten Zahlen abgeschlossen. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um 41 bis 43 Prozent auf bis zu 717 Millionen Euro zu, teilte Zalando nach Börsenschluss mit. Nach vorläufigen Zahlen gab es jedoch einen bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 18 bis 32 Millionen Euro.

Im Vorjahreszeitraum lag das Ebit noch bei 4 Millionen Euro. Die Anleger reagierten verstimmt: Die Zalando-Aktie gab mit einem zwischenzeitlichen Minus von rund 7 Prozent zu Handelsbeginn deutlich nach.

"Gewillt, kurzfristige Einbußen in Kauf zu nehmen"

Die höheren Ausgaben in dem Quartal seien auch Folge des beschleunigten Wachstums gewesen, sagte Vorstand Rubin Ritter. "Wir mussten kurzfristig Kapazitäten aufbauen, das ist immer teurer." Das Ergebnis decke sich aber mit der Strategie von Zalando, in langfristiges Wachstum zu investieren. "Unser Ziel ist weiterhin profitables Wachstum - aber wir sind gewillt, kurzfristige Einbußen bei der Profitabilität in Kauf zu nehmen, um Wachstum zu beschleunigen und Marktanteile zu gewinnen."

Kostentreiber Fulfillment und Marketing

Das dritte Quartal mit dem Abverkauf des Sommer-Sortiment habe in der Branche aber auch traditionell schlechtere Margen.  Man sei auch relativ früh in die Herbst/Winter-Saison gestartet. Die Kosten für Fulfillment seien im dritten Quartal ebenfalls angestiegen, man habe außerdem in Technologie im Logistikbereich investiert.

Weitere Investitionen seien in Werbung mit App-Downloads geflossen, weil Zalando mehr Nutzer auf mobilen Geräten gewinnen wolle. Das werde sich in den nächsten Quartalen niederschlagen.

Betrüger machen Zalando zu schaffen

Zudem hätten Betrugsfälle aus dem ersten Halbjahr 2015 zu niedrigeren Einnahmen aus Inkasso-Forderungen als ursprünglich angenommen geführt, hieß es - "insgesamt in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags".

Ritter machte keine Angaben zur Art der Betrugsfälle im ersten Halbjahr - im dritten Quartal habe sich die Lage aber wieder deutlich beruhigt, sagte er. Bei einem Geschäft in der Dimension von Zalando könne man auch bei relativ niedrigen Betrugsquoten auf Millionen-Beträge kommen, betonte Ritter.

Jüngst machten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen Betrugsverdachtes Schlagzeilen: Bewohner der zentralen Flüchtlinge-Aufnahmestelle Lebach im Saarland sollen demnach Waren im Wert von mindestens 120.000 Euro bestellt, aber nicht bezahlt haben. Demnach sollen zwischen Juni 2014 und Juni 2015 insgesamt 962 Bestellungen aus dem Raum Lebach bei Zalando eingegangen sein.

Von diesen auf Rechnung ausgelieferten Bestellungen wurden bis Mitte Juni dieses Jahres 627 nicht bezahlt. Zalando sehe darin aber kein spezielles Flüchtlingsproblem, zitierte die Onlineausgabe der "Welt" einen Sprecher des Unternehmens. Man habe zeitweise generell größere Schwierigkeiten mit Bezahlungen gehabt und flächendeckend Betrugsfälle verzeichnet.

Zalando hebt Umsatzprognose an

Für das gesamte Jahr rechnet Zalando nun mit einem höheren Umsatzwachstum von bis zu 35 Prozent, damit hebt das Unternehmen die Prognose nochmals an. Dafür solle der operative Gewinn etwas niedriger als bisher erwartet ausfallen.