Am Zalando-Standort Marquardt soll ein Betriebsrat gewählt werden - doch das Lager wird nun geschlossen. Einen Zusammenhang mit der Wahl gebe es nicht, betont der Versandhändler.

Der Online-Modehändler Zalando wird seinen Standort in Marquardt bei Potsdam zum Jahresende schließen. Das bestätigte das Unternehmen auf Nachfrage des rbb. Ein Teil der 50 bis 80 betroffenen Mitarbeiter könnte an den Standorten Brieselang oder in Erfurt weiterarbeiten, sagte ein Sprecher. Der Rest sei ohnehin nur befristet beschäftigt gewesen.

Das Unternehmen betonte allerdings, dass die Schließung des Zentrums nichts mit den dort anstehenden Betriebsratswahlen zu tun hätte. Zalando hatte die Vertriebshalle in Marquardt erst Mitte 2012 bezogen.

Datenschützer ermittelt in Erfurt

Derzeit steht der Versender in der Kritik wegen einer Reportage des TV-Senders RTL. In dem Beitrag wird über zweifelhafte Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum Erfurt berichtet. Aufgrund des Filmes prüft mittlerweile der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse den Umgang der Mitarbeitern. Es solle herausgefunden werden, wer beim Unternehmen auf welche Daten Zugriff habe und wofür diese Informationen genutzt würden, sagte Hasse der "Thüringischen Landeszeitung". Anlass ist, dass in der RTL-Reportage, die mit versteckter Kamera aufgenommen wurde, gezeigt wird, wie Mitarbeiter mit detaillierten Leistungsdaten konfrontiert wurden.

Deren Erhebung geschah offenbar auf Grundlage von Warenentnahmen, die sie weisungsgemäß aus den riesigen Regalen des Lagers vorgenommen hatten. Wegen eben dieser Aufnahmen werde er tätig, sagte Hasse der Zeitung. Ob es aber tatsächlich Verstöße gegen geltendes Recht bei Zalando gebe, werde man demnächst bei einer Prüfung im Unternehmen selbst feststellen. Angst vor Täuschungen hat der Datenschutzbeauftragte nicht: "Wir haben entsprechende Fachleute, um gut hinter die Kulissen blicken zu können", betonte er.