Zalando geht nun juristisch gegen die RTL-Journalistin vor, die undercover die Arbeitsbedingungen in dem Logistikzentrum des Onlinehändlers mit versteckter Kamera drehte.

Nach verdeckten Recherchen beim Online-Modehändler Zalando hat die Erfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen gegen eine RTL-Reporterin aufgenommen.

"Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind", sagt Zalando-Sprecher Boris Radke dem Handelsblatt. Die Journalistin hatte drei Monate im Erfurter Zalando-Logistikzentrum gearbeitet und mit versteckter Kamera gedreht.

Ermittelt werde nach einer entsprechenden Anzeige von Zalando, sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch auf Anfrage. Das Verfahren stehe noch am Anfang. Ein RTL-Sprecher sagte, juristischen Schritten sehe sein Sender gelassen entgegen. Zuvor hatte "Handelsblatt Online" darüber berichtet.

Die Reporterin warf Zalando in der Sendung "Extra" vor, Angestellte massiv unter Druck gesetzt und gegen das Arbeitsrecht verstoßen zu haben. Mitarbeiter sollen überwacht und bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit gebracht worden sein. Eine Zalando-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Die Darstellung des Berichts entspreche in keiner Weise der Unternehmenskultur und Mitarbeiterstimmung an den Zalando-Logistikstandorten.

"Keine Chance zur Stellungnahme"

Laut der Unternehmenssprecherin hat die Journalistin drei Monate lang im Logistikzentrum in Erfurt Filmmaterial interner Prozesse gesammelt. Zalando habe vor dem Fernsehbericht keine Chance zur Stellungnahme bekommen. "Unsere Reporter werden weiter verfolgen, ob die von Zalando angekündigten Überprüfungen zu Veränderungen geführt haben", sagte der RTL-Sprecher. "Darüber berichten wir weiter."

Gestern konnte Zalando einen so genannten Shitstrom empörter Internetnutzer, die die gezeigten Arbeitsbedingungen in Sozialen Netzwerken kritisierten, nicht verhindern. Allerdings reagierte der Onlinehändler bei der Krisen-PR recht geschickt: Bereits kurz nach dem RTL-Bericht stellte Zalando bei Twitter und Facebook seine Sicht der Dinge dar: "Liebe Follower, auch wir sind über den Beitrag erschüttert. Wir setzen uns kritisch mit dem eigenen Unternehmen auseinander und nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Wir wissen natürlich, dass der Beitrag viele Fragen und Kommentare aufwirft."

Dafür hatte das Unternehmen eine Themenseite mit einer Stellungnahme sowie Antworten zu den einzelnen Kritikpunkten veröffentlicht. 

Anfang vergangenes Jahres zeichnete eine Fernseh-Dokumentation der ARD ein düsteres Bild vom Umgang mit Leiharbeitern in deutschen Logistikzentren des  weltgrößten Onlinehändlers Amazon.