Collagen-Lift-Drinks und Entlastungs-BHs: Das Angebot der Teleshoppingsender bietet vor allem Skuriles. Aber die Kunden mögen diese spezielle Vielfalt. Einkaufen im Fernsehen wird immer beliebter.

Als "Weichzeichner für Ihre Figur" preist eine dauerlächelnde Moderatorin T-Shirts mit glitzerndem Strassbesatz als aktuelles Frühlingsangebot im Fernseheinkaufskanal HSE24 an. Bei der Konkurrenz QVC werben zwei seriös wirkende Herren in dunklen Anzügen für den "Collagen-Lift-Drink" als das "Anti-Aging-Produkt für die Frau ab 50".

Vom "genialen Aufräumsystem" bis zum "figurfreundlichen Entlastungs-BH" - bei den deutschen Shoppingsendern findet man so ziemlich alles, auch wenn man es nicht unbedingt braucht. Rund um die Uhr flimmern die Sendungen über den Bildschirm. 24 Stunden lang werden live Waren angeboten. Die Kunden, vor allem Frauen gehobenen Alters, kaufen bequem vom heimischen Sofa aus.

Fünf Millionen aktive Kunden

Jeder zehnte Deutsche bestellt mindestens einmal im Jahr bei einem Teleshopping-Sender, ermittelte die Beratungsfirma Goldmedia. Pro Jahr wird von mehr als fünf Millionen "aktiven" Kunden ausgegangen.

Nach einer Stagnation in den vergangenen drei Jahren prognostizieren Branchenkenner jetzt wieder ein Wachstum. Schon 2012 könnte der Umsatz von derzeit rund 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro anwachsen. Vor wenigen Tagen gab QVC das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte bekannt.

Die Sender haben teils ihr Schmuddelimage aufpoliert und profitieren zunehmend von der Verknüpfung mit dem Internet und sozialen Plattformen wie Facebook. Damit wird auch mehr jüngeres Klientel angesprochen. "Die Unternehmen sind sehr innovativ und in unterschiedlichen Vertriebskanälen aktiv", betont Christin Schmidt vom Bundesverband des Versandhandels.

Schneller auf dem "Onlinezug" gewesen

Anders als der stationäre Einzelhandel seien sie viel schneller auf den "Online-Zug" aufgesprungen. Lag der E-Commerce-Anteil 2007 noch bei 166 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr bereits rund 200 Millionen Euro. Nach Berechnungen von Goldmedia macht der Internetanteil im Schnitt mittlerweile knapp 17 Prozent aus.

Beherrscht wird der Markt von den vier großen Anbietern HSE24, QVC, 1,2,3-TV Homeshopping und Channel 21 (früher RTL-Shop). Mit rund 674 Millionen Euro Umsatz ist die US-Tochter QVC in Düsseldorf der Platzhirsch. Die Konkurrenz HSE24 aus München kommt auf knapp 400 Millionen Euro Umsatz. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche kleinere Anbieter wie den Türkshop oder den reinen Schmucksender Juwelo-TV.

Viele Anbieter setzen immer mehr auf Interaktion und ermöglichen ihren Kunden, sich per Telefon oder Handy mit Produktfragen direkt in die Sendung einzuschalten. Angeboten werden hauptsächlich Produkte, die sich durch Fernsehbilder gut erklären lassen - vor allem Kleidung und Haushaltswaren.

Frauen haben Lieblingsmoderatoren

Gut 80 Prozent der Teleshoppingkunden sind Frauen, 70 Prozent davon über 50. Viele machen regelmäßig im Fernsehen einen Einkaufsbummel. Dabei zappen sie entweder zwischen den Shoppingsendern hin und her oder bleiben gleich bei ihrem Lieblingsmoderator hängen.

In Deutschland kamen die ersten Teleshoppingsender in den 1990er Jahren auf. "In den USA oder Großbritannien ist das schon viel länger ein Thema", berichtet Goldmedia-Berater Mathias Birkel. Allein in Großbritannien seien viel mehr Sender auf dem Markt, darunter auch reine Nischenanbieter. In Deutschland sehen die Unternehmen nicht nur Potenzial im ergänzenden Onlinegeschäft und zusätzlichen Spezialsendern. HSE24 beispielsweise baut seine Präsenz in Europa aus und drängt jetzt auf den italienischen Markt.

Verbraucherschützer warnen vor vermeintlichen Schnäppchenpreisen beim Teleshopping. "Oft kommen da noch Bearbeitungsgebühren und Versandkosten dazu", sagt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Kunden sollten zudem den "schönen Filmchen nicht immer Glauben schenken" und sich vor allem nicht unter Druck setzen lassen durch drängelnde Hinweise wie "Nur noch drei Produkte vorrätig - kaufen sie jetzt!".

Maren Martell, dpa