Zwar ist die Nachfrage nach Ladenlokalen ungebrochen. Doch die Mieten steigen nicht mehr so rasant wie noch vor einem Jahr. München bleibt freilich teuerste Stadt.

Die Mieten im Einzelhandel steigen zwar stetig, aber im zweiten Halbjahr 2015 nur noch moderat. Dies prognostiziert der Immobiliendienstleiter Jones Lang LaSalle (JLL) für die 185 wichtigsten deutschen Einkaufsstädte. Im Durchschnitt werden sie rund ein Prozent über dem Vergleichswert der zweiten Hälfte des Vorjahres liegen, heißt es. Von 2013 auf 2014 gab es eine deutliche Verteuerung.

In nur noch 22 Prozent der Städte erwartet JLL bei der Neuvermietung eines Standardladenlokals mit 100 Quadratmetern Fläche höhere Mieten als im zweiten Halbjahr 2014. Rund 60 Prozent der Städte weisen derweil stabile Spitzenmieten auf, während JLL in 18 Prozent der Fälle rückläufige Mietpreise erwartet.

Jahresend-Rallye bei Flächennachfrage

Dirk Wichner, Einzelhandelschef bei JLL, sieht seine frühere Prognose bestätigt. "Zuletzt haben wir auf das Auseinanderdriften von Mietpreissteigerungen und der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze hingewiesen. Wie erwartet, findet in dieser Hinsicht eine Annäherung statt."

Bei der Flächennachfrage geht JLL dennoch von einer Jahresend-Rallye aus. Zahlreiche Einzelhändler hätten ihre Expansionsziele für dieses Jahr noch nicht in vollem Umfang realisiert. Allerdings agierten die Mietinteressenten überaus vorsichtig und kalkulierten sehr genau. "Der guten Nachfragesituation steht also eine geringe Risikobereitschaft gegenüber", sagt Wichner.

München bleibt teuerste Handelsstadt

In den zehn wichtigsten Metropolen erwartet JLL im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 leicht steigende Mieten. Die stärksten Anstiege werden für Berlin (plus 6,7 Prozent), Frankfurt (plus 3,3 Prozent) und Mannheim (plus 2,9 Prozent) prognostiziert.

München bleibt trotzdem mit 360 Euro pro Quadratmeter mit deutlichem Abstand teuerste deutsche Stadt. Berlin (320 Euro, plus 20 Euro) und Frankfurt (310 Euro, plus 10 Euro) komplettieren das Spitzentrio. Dahinter folgen Düsseldorf (290 Euro), Hamburg (280 Euro), Köln (255 Euro) und Stuttgart (250 Euro). Es folgen Dortmund (225 Euro), Hannover (200 Euro) und Mannheim (175 Euro).

In Würzburg wird es auch teuer

Abgesehen von den Top-10-Städten erwartet JLL Zuwächse um mehr als 5 Prozent in Würzburg (130 Euro), Karlsruhe (110 Euro), Reutlingen (90 Euro) und Lüneburg (85 Euro). Leicht rückläufige Mieten sieht JLL in der Top-50-Gruppe lediglich in Gießen, Braunschweig, Rostock und Ingolstadt.

Die 15 Städte mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern erzielen im Durchschnitt knapp 103 Euro pro Quadratmeter und liegen damit exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Hier führt  Mannheim (175 Euro) vor Münster (165 Euro) und Nürnberg (160 Euro).

Freiburg führt bei den mittelgroßen Großstädten

In den rund 50 untersuchten Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern liegt die Spitzenmiete bei durchschnittlich 67 Euro. Diese Kategorie dominieren Freiburg (165 Euro), Würzburg (130 Euro) und Mainz (125 Euro).

In den 105 Städten mit unter 100.000 Einwohnern werden im Mittel Mieten von unter 40 Euro erzielt. Gießen (92 Euro), Rosenheim (90 Euro) und Lüneburg (85 Euro) liegen klar über dem Durchschnitt und führen hier die Erhebung an.

Für das zweite Halbjahr rechnet JLL in den Luxusmeilen Deutschlands mit konstanten Spitzenmieten. Spitzenreiter ist danach der Berliner Kurfürstendamm mit bis zu 300 Euro. Es folgen die Düsseldorfer Königsallee (290 Euro) und die Münchener Maximilianstraße (280 Euro). Die Frankfurter Goethestraße (250 Euro) und der Neue Wall in Hamburg (240 Euro) komplettieren die Top fünf. Für die Stuttgarter Stiftstraße prognostiziert JLL bis zu 185 Euro.