Der Porsche Cayenne steht häufig als Synonym für Sprit fressende Fahrzeuge am Umweltpranger. Eine Diesel-Variante soll den Geländewagen aus der Schusslinie bringen.

Auch wenn die zunächst als verbindlich vorgeschriebenen CO-2-Vorgaben der Europäischen Union mit einem Flotten-Ausstoß pro Hersteller von 120 g/km ab dem Jahr 2012 längst aufgeweicht sind und nun eine stufenweise Einführung bis 2015 vorgesehen ist, so bleibt der Stuttgarter Sportwagen-Schmiede Porsche selbst unter der gemeinsamen Flagge mit Volkswagen doch nichts anderes übrig, als ihre leistungsstarken Bolliden auf Sparkurs zu trimmen und irgendwie in die Nähe der von der EU angepeilten Werte zu bringen. Angesichts dieses Spagates - einerseits die zahlungskräftige und Fahrspaß orientierte Kundschaft nicht zu verlieren, andererseits die Umwelt-Auflagen zu erfüllen - müssen die Zuffenhausener auch alte Zöpfe abzuschneiden.

Und so ist Porsche-Chef Wendelin Wiedeking jetzt von seiner lange gehegten Ablehnung gegen den Dieselantrieb abgerückt. Ab sofort steht der Porsche Cayenne zu Preisen ab 56.436 Euro mit einem 176 kW/240 PS starken Dieselantrieb zur Wahl.  Die stetig wachsende Verflechtung mit dem Volkswagen-Konzern machte eine relativ kurzfristige Reaktion auf die Bedürfnisse des Marktes möglich. Das 3,0-Liter-Aggregat wird nämlich bei Audi eingekauft und versieht dort in diversen Modellen seinen Dienst, ebenso etwa im Cayenne-Bruder VW Touareg. Dem Vernehmen nach gab es zwischen Ingolstadt und Stuttgart allerdings unterschiedliche Preisvorstellungen - sonst hätte der Cayenne Diesel schon einige Monate früher auf den Markt kommen können.

Cayenne tragende Säule

Der schwere Geländewagen hat sich längst zur tragenden Säule des  Geschäftes entwickelt. Jeder zweite neu zugelassene Porsche ist ein SUV. Das Segment wird allerdings mit einem Anteil von 77 Prozent von Dieselmotoren dominiert. „Diese hohe Nachfrage, die zunehmend wichtigere, soziale Akzeptanz und die in vielen Ländern geänderten Besteuerungsgrundlagen gaben den Ausschlag für die Entscheidung", erklärt der Baureihen-Verantwortliche  Klaus-Gerhard Wolpert den Tabubruch.

Mit dem Sechszylinder-Diesel erreicht der Geländegänger einen Normverbrauchswert von 9,3 Litern auf 100 Kilometern und einen Schadstoffausstoß von 244 g/km. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 214 km/h - für Porsche-Fahrer zugeben kein Traumwert, doch dafür verkündet der Bordcomputer eine Reichweite von 1.000 Kilometer.

Den Sportwagen des Hauses bleibt der Paradigmenwechsel (zunächst) wohl erspart, doch für die für Sommer 2009 angekündigte, viertürige Coupé-Limousine Panamera ist ein Diesel ebenfalls denkbar.

Auch der Boxster wird sparsamer

Und die Schwaben bemühen sich in diesen Tagen nicht nur darum, dem Cayenne den übermäßigen Durst abzugewöhnen. Mit der Markteinführung des überarbeiteten Boxster am 14. Februar 2009 wird die Baureihen übergreifende Einführung der Benzin-Direkteinspritzer-Motoren abgeschlossen. Nach 911 samt Cabrio und Targa sowie Cayman verfügt nun auch der 1996 eingeführte Roadster über die neuste Antriebsgeneration, die bis zu 16 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen soll und bereits die EU 5-Abgasnorm erfüllt.

Aber Porsche wäre nicht Porsche, wenn das ganze nicht doch mit noch mehr Leistung einher ginge. So bietet der auf 2,9 Liter erweiterte Motor im Basis-Boxster 188 kW/255 PS und damit 15 Pferdestärken mehr als der bisherige 2,7-Liter. Der Boxster S verfügt nun über 228 kW/310 PS - macht 10 PS mehr. Den theoretischen Verbrauchsmix gibt Porsche mit 9,2 Liter für den mindestens 46.142 Euro teuren Boxster und mit 9,6 Liter für die S-Variante an, die ab 55.781 Euro im umfangreichen Preis- und Ausstattungsbuch steht.

Doppelkupplung als Option

Neben den neuen Motoren spendierten die Entwickler dem Cabrio jede Menge technischen Feinschliff vom serienmäßigen Sechs-Gang-Getriebe bis zur neuen Abstimmung von Federn, Dämpfern und Stabilisatoren.  Optisch ist der neue Jahrgang an den Front- und Heckleuchten in LED-Optik zu erkennen und wie bei den anderen Baureihen steht nun auch für den Boxster das vielfach gelobte Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) als Option (2.945 Euro) zur Verfügung. Das übernimmt nicht nur die Schaltarbeit in vorbildlicher Weise, sondern soll auch den Verbrauch nochmals um etwa 0,3 Liter senken. Bei den Schwaben ist Sparen angesagt.

Bernd Nusser