mobile.de-Chef Peter F. Schmid spricht in DerHandel.de über die Krise der Automobilbranche und warum der Online-Marktplatz als Gewinner daraus hervorgeht.

Herr Schmid, die Automobilbranche durchlebt schwierige Zeiten. mobile.de auch?
Nein, im Gegenteil. Wir haben ein zweistelliges Umsatzplus in einem schwierigen Markt. Das hat mehrere Gründe. Erstens steigen aufgrund der aktuellen Marktsituation die Fahrzeugbestände, und mobile.de ist ein effizienter Platz für den Abverkauf. Deshalb haben sich die Inserate für Neu- und Gebrauchtwagen bei uns in jüngster Zeit erhöht. Zweitens drehen Fahrzeughändler in der Krise jeden Euro zweimal um und schauen, wo sie ihr Geld am effizientesten für Werbung einsetzen können. Das kommt uns zurzeit enorm zu Gute.

Inwiefern?
Während Händler früher einfach nur ihre Fahrzeuge bei uns inseriert haben und bei der Werbung auf Print-Anzeigen festgelegt waren, setzen sie heute verstärkt auch auf Online-Kampagnen - beispielsweise mit Bannern, regional und zielgenau. Das heißt, dass unsere Banner-Umsätze mit Händlern steigen. Darüber hinaus reduzieren auch die Automobilhersteller aktuell ihre Marketingbudgets und passen ihre Media-Ausgaben den veränderten Rahmenbedingungen an. Das führt dazu, dass mobile.de noch nie so viele Hersteller-Kampagnen wie in diesem Quartal auf der Seite hatte. Letztendlich bleibt in einem Markt, der boomt, alles beim Alten. Nun ändert sich das Spiel und das Internet profitiert von der Krise.

Das dürften die Printmedien gar nicht gerne hören. Das geht doch zu Lasten der Zeitungen und Anzeigenblätter?
Sicher, aber die Krise beschleunigt nur einen Prozess, der sich sowieso nicht mehr aufhalten lässt. Ohne allzu viel Pessimismus verbreiten zu wollen, bin ich der Meinung, dass Zeitungen in zehn Jahren beim Verkauf von Kraftfahrzeugen keine Rolle mehr spielen werden. Wir haben einfach einen Technikvorsprung, der die Suche nach dem Traumauto unkompliziert, treffsicher und schnell macht. Und wir arbeiten ständig an neuen Angeboten und Themen. Da können andere Medien nicht mithalten.

Wie steht es denn mit der Nachfrage: Gibt es nicht auch weniger Käufer in der Krise?
Das Nachfrageverhalten hat sich im Laufe des Jahres schon deutlich geändert, das sehen wir bei der Auswertung der Suchanfragen. Seit Jahresbeginn ist beispielsweise die Nachfrage nach Gelände- und Sportwagen um ein Viertel zurückgegangen, während die der kompakten Limousinen um 20 Prozent rauf ging - der Ölpreis lässt grüßen. Seit die Finanzkrise das bestimmende Thema ist, ging auch die Nachfrage nach Autos, die weniger als 10.000 Euro kosten, um fünf Prozent nach oben. Das ist im Übrigen noch ein Vorteil der Technik: Wir sind immer am Puls der Zeit und wissen sofort, wenn sich auf dem Markt etwas ändert.

Sie sind seit kurzem auch in Rumänien vertreten. Wie läuft's - und können auch deutsche Händler von Ihrem Auslandsauftritt profitieren?
Es läuft sehr gut, innerhalb der ersten sechs Wochen hatten wir schon 20 Prozent der rumänischen Händler auf unserer Plattform, und neun von zehn Händlern kennen uns. Das ist vielversprechend. Und unsere Expansion hilft auch den deutschen Händlern: Rund ein Drittel der Nachfrage auf mobile.de kommt mittlerweile aus dem Ausland, denn deutsche Autos und in Deutschland gefahrene Autos haben einen guten Ruf, weil hierzulande beispielsweise die Infrastruktur sehr kraftfahrzeugfreundlich ist und Fahrzeuge mit hoher Kilometerleistung fast immer noch in einem guten Zustand sind. Wenn nun auch rumänische Verbraucher unsere Plattform nutzen können, kommt das den deutschen Händlern sicher zu Gute. Wir haben noch Online-Marktplätze in weiteren Ländern geplant. Im Jahr 2009 werden wir an die Erfahrung unseres ersten ausländischen Marktplatzes anknüpfen.

Über mobile.de
Der Internet-Fahrzeugmarkt mobile.de ist mit rund 44 Millionen Besuchen pro Monat laut IVW 08/2008 der meistbesuchte Internet-Fahrzeugmarkt in Deutschland und repräsentiert rund ein Drittel des hiesigen Kfz-Gesamtumsatzes. Den Nutzern stehen derzeit mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge zur Auswahl, das Angebot richtet sich gleichermaßen an Privatkunden und Fahrzeughändler: In Deutschland nutzen mehr als 33.000 Händler das Portal der eBay-Tochter.

Interview: Sybille Wilhelm